• Die Internationale Energieagentur IEA sieht vor allem im Verkehr großes Potenzial, um in der Ölkrise Kraftstoff einzusparen.
  • Viele Menschen stoßen beim Verzicht aufs Auto im Alltag allerdings längst an praktische Grenzen.
  • Experten halten den Krisenplan für sinnvoll, betonen aber, dass es langfristige Lösungen brauche.

Internationale Energieagentur sieht größtes Sparpotential beim Verkehr

Die IEA sieht vor allem in einem Bereich Einsparmöglichkeiten: Beim Verkehr. Auf den entfielen 45 Prozent des Ölverbrauchs in den OECD-Ländern. Der Vorschlag im Wesentlichen: Mehr Homeoffice, mehr Tempolimits, mehr ÖPNV statt Individualverkehr und eine spritsparende Fahrweise.

Eine Straßenumfrage in der Leipziger Südvorstadt zeigt, dass viele schon sehr bewusst im Verkehr unterwegs sind, aber dabei auch an Grenzen stoßen. "Ich bin alleinerziehend mit zwei Kindern", erzählt eine Passantin, "ich verzichte eigentlich schon auf extrem viel. Ich bin in der Pflege tätig. Also, ein Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel würde gar nicht funktionieren. Dann komme ich gar nicht auf Arbeit."

Auch andere sagen, dass sie beim Autofahren und im Alltag längst sparen, wo es nur geht – und kaum noch weiteres Einsparpotenzial sehen. Ein Leipzig verweist auch auf die Politik und fragt: "Warum muss der Konsument sich jetzt ausdenken, wie man mit gegenwärtigen geopolitischen Themen umgehen muss?"

Experten halten Krisenplan für umsetzbar

Beide Seiten seien nötig, sagt Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt beim deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Sie hält den Krisenplan der IEA für technisch machbar: "Vieles ließe sich auch sofort umsetzen, aber entscheidend ist hier der politische Wille, dass man mehrere Maßnahmen gleichzeitig einführen will. Und genau das ist hier die Herausforderung, würde ich sagen. So halbherzige Einzelmaßnahmen bringen wenig. Das Gesamtpaket muss wirken und das muss die Politik letztendlich unterstützen."

Wenn man die Maßnahmen sinnvoll kombiniere, könne der Ölverbrauch spürbar und auch dauerhaft gesenkt werden, so Kemfert. Gleichzeitig solle ein Klima- oder Energiegeld gezahlt werden, um Haushalte gezielt zu entlasten.

Auch Clemens Fuest hält begleitende Förderungen für sinnvoll. Der Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung bringt etwa eine höhere Pendlerpauschale ins Spiel. Wie Kemfert hält er den IEA-Vorschlag für sinnvoll: "Zunächst mal ist es richtig, dass wir Maßnahmen brauchen, die zu weniger Benzin und Ölverbrauch führen."

Forderung nach langfristigen Maßnahmen

Bei den Verbrauchern anzusetzen, sei dabei leichter als die großen politischen Lösungen. Man müsse aber unterscheiden zwischen dauerhaften Maßnahmen und solchen, die wirklich kurzfristig in einer Krise von Nutzen seien, so Fuest: "Ein Tempolimit kann schon Benzin einsparen. Es gibt Schätzungen des Bundesumweltamtes, die sagen, so drei bis vier Milliarden Liter Sprit würden wir wohl einsparen, aber das ist ja eher eine langfristige Maßnahme. Das kann man nicht für drei Monate einführen und dann wieder aufheben."

Fuest hält den Preis für den entscheidenden Faktor, um die Nachfrage zu senken. Der sorge dafür, dass die Menschen nicht mehr fahren als unbedingt nötig. Die Politik könne ihren Beitrag leisten, indem sie der Bevölkerung erklärt, warum die Preissteigerungen nötig sind.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke