• Die Jugendorganisationen von SPD und FDP blicken mit Ernüchterung auf die jüngsten Wahlniederlagen zurück.
  • Jusos wie auch Junge Liberale suchen vor der Landtagswahl im September nach Wegen aus dem Stimmungstief ihrer Parteien.
  • Während die FDP um ihre politische Rolle im Osten ringt, setzt die SPD in Sachsen-Anhalt auf klassischen Haustürwahlkampf.

Jusos und Julis reagieren ernüchtert auf die Wahlniederlagen

Zum Feiern zumute war es erwartungsgemäß niemandem bei Jungsozialisten und Jungen Liberalen. Aus Frust betrunken haben sich aber weder Moritz Eichelmann noch Niklas Gerlach. "Ne", winkt letzterer ab, "glücklicherweise nutze ich gerade die Fastenzeit und verzichte da auf Alkohol, sodass der Kater erspart geblieben ist." Und dann fügt Sachsen-Anhalts Juso-Chef Gerlach noch hinzu: "Ich glaube, der allgemeine Wahlkater, der zieht sich ja jetzt schon über eine Weile."

Auch der Schädel seines jungliberalen Kollegen Eichelmann brummt nicht: "Na, ja, ich wäre viel lieber verkatert, wenn es was zu feiern gegeben hätte. Aber durchaus richtig: Die Stimmung in Rheinland-Pfalz ließ jetzt nicht viel Platz, um sich darüber zu freuen. Ich war selber da, habe auch selber guten Wein mit nach Hause gebracht. Aber leider konnte man den nicht öffnen zum Trinken."

FDP ringt im Osten weiter um Wählerstimmen

Gleich aus zwei Landtagen geflogen zu sein, das ist natürlich nicht der Rückenwind, den sich die FDP für Sachsen-Anhalt gewünscht hat. Zumal es die Partei von jeher schwer hat in den ostdeutschen Bundesländern.

Eigentlich merkwürdig, findet Eichelmann: "Wir sehen das, dass es in unseren neuen – unseren ostdeutschen – Bundesländern schon immer eine sehr gesunde und kritische Betrachtung des Staates gibt. Und diese sehr kritische, diese sehr vorsichtige Betrachtung vom Staat braucht eine Partei. Und das ist in meinen Augen einfach die FDP. "

Diese sehr kritische, sehr vorsichtige, Betrachtung vom Staat braucht eine Partei. Und das ist in meinen Augen einfach die FDP.

Moritz Eichelmann, Junge Liberale

Denn seine Partei setze sich zum Beispiel konsequent gegen die Kennzeichenüberwachung sowie die automatisierte Datenauswertung ein, so Eichelmann weiter.

Politikwissenschaftler sieht AfD als Profiteur

Der Politikwissenschaftler Marcel Lewandowski aus Halle teilt zwar die Analyse, sieht aber einen anderen Profiteur: "Diese Anti-Establishment-Haltung, diese staatsskeptische Haltung, die wird vor allem von der AfD verkörpert. Deshalb glaube ich, dass es für die FDP momentan kaum so eine richtige Nische gibt. Weil die Links-Liberalen auf der anderen Seite, die sind dann wiederum eher bei den Grünen."

Auch die SPD sieht Professor Lewandowski in keiner guten Ausgangslage: Die Sozialdemokraten hätten ein "Lifestyle-Problem Die SPD wirkt ein wenig hölzern, ein wenig ältlich, will man fast sagen."

Die SPD wirkt ein wenig hölzern, ein wenig ältlich, will man fast sagen.

Marcel Lewandowski, Politikwissenschaftler

Jusos setzen auf klassischen Haustürwahlkampf

Juso-Chef Niklas Gerlach setzt dennoch auf einen eher traditionellen Wahlkampf – und weniger auf schillernde Social Media-Auftritte: "Sachsen-Anhalt hat eine demographische Lage, wo unser Ziel ist, an möglichst vielen Haustüren zu klingeln, möglichst viele Leute auf Märkten auszusprechen, um sie auch zu überzeugen, Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten zu wählen."

Das Programm stimme, Spitzenkandidat Armin Willingmann auch. Es fehle nur der Rückenwind aus Berlin, so der SPD-Nachwuchs: "Ich glaube, wir in Sachsen-Anhalt haben eigentlich eine sehr gute Ausgangslage als SPD, um hier Erfolge einfahren zu können – und sind da jetzt aber auch auf die Bundespartei auch angewiesen."

Auch die Jungliberalen finden, dass die Inhalte stimmen. Wenngleich Moritz Eichelmann einräumt, dass ein großer Liberaler mit Stallgeruch, wie einst Hans-Dietrich Genscher aus Halle, fehlt: "Ich glaube, dass jede Zeit irgendeinen großen Liberalen hervorbringt. Vielleicht müssen wir unseren gerade eben noch suchen. Und müssen mit den Leuten arbeiten, die wir gerade eben hier haben." Letztlich gehe es aber um Inhalte, denn Blütenträume von der Staatskanzlei träumt in der FDP derzeit niemand.

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