Spitzensportagentur in Leipzig bleibt umstritten und Ex-Biathlet Lesser eher skeptisch
- Widerstand vom DOSB auch gegen Standort Leipzig
- Auch einige Athleten-Vertreter fühlen sich übergangen.
- Ex-Biathlet Lesser ist skeptisch und verweist auf Breitensport.
Das Sportfördergesetz hat als Entwurf jetzt das Bundeskabinett passiert. Christiane Schenderlein, Staatsministerin für Sport und Ehrenamt sprach von einem "Meilenstein für den deutschen Spitzensport". Die CDU-Politikerin formulierte es als "unser Ziel: Mehr deutsche Medaillen bei internationalen Wettbewerben." Das Gesetz muss noch durch Bundestag und Bundesrat. Zum Zeitplan sagte die aus Sachsen kommende Schenderlein zunächst nichts.
Widerstand vom DOSB auch gegen Leipzig
Kernstück der Reform ist eine neue Spitzensportagentur als unabhängige Stiftung. Sie soll ihren Sitz in Leipzig haben und eigenständig das Fördergeld verteilen. Weniger Bürokratie soll es geben, Fokus auf Erfolge, das ist die Vorgabe für die an internationalen Modellen orientierte Agentur.
Das Gesetz soll für mehr Planungssicherheit, Effizienz und Transparenz bei der Verteilung der Mittel sorgen. Mit fast 350 Millionen Euro fördert der Bund in diesem Jahr den Spitzensport. Der Bundesrechnungshof übt jedoch schon lange Kritik an der Vergabe und an zu großem Einfluss des Sports.
Widerstand gegen den Entwurf kommt vor allem aus dem organisierten Sport. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) etwa verlangt mehr Mitsprache und wandte sich gegen "einen staatsdominierten Sport". Der DOSB zeigte sich auch verärgert, dass es keine Absprachen über die Standortentscheidung für Leipzig gab. Der DOSB will sich weiterhin für Frankfurt/Main stark machen, wo der Dachverband seinen Sitz hat, neben einer Vertretung auch in Berlin.
Auch Athleten fühlen sich übergangen
Die Staatsministerin verteidigte den geplanten Standort. Damit solle die Unabhängigkeit der Agentur gestärkt werden, sagte Schenderlein bei der Vorstellung des Entwurfs am Mittwoch. Es ist jedoch fraglich, ob das Gesetz, wie von ihr erhofft noch vor der Sommerpause in Kraft treten kann.
Denn auch Athleten fühlen sich hier übergangen. Johannes Herber etwa, der Chef des Vereins Athleten Deutschland, kritisierte im ZDF, es gebe keine verbindliche Rolle für sie im Stiftungsrat, nur im beratenden Sportfachbeirat ohne Entscheidungsbefugnis: "Die Botschaft, die da gesendet wird: Wir wollen über Athleten entscheiden, aber nicht mit Athleten."
ARD-Sportschau-Experte eher skeptisch
Auch der Ex-Spitzen-Biathlet Erik Lesser, heute ARD-Sportschau-Experte, reagierte zurückhaltend auf die geplante Spitzensportagentur. Der aus Thüringen stammende Sportler sagte MDR AKTUELL, er hoffe, dass sie "auch wirklich sinnstiftend ist, dass das Geld da nicht nur verbrannt wird".
Erik Lesser in seiner aktiven Zeit als Spitzen-BiathletBildrechte: picture alliance/dpa | Sven HoppeDie Entscheidungen müssten von echten Experten kommen und auch wissenschaftlich fundiert sein, sagte Lesser weiter.
Ein weiteres "Trial and Error" könne sich Deutschland nicht mehr leisten, "wenn man sich den Medaillenspiegel der letzten Olympischen Spiele mal anschaut". Unter bestimmten Bedingungen allerdings könne die nun geplante Spitzensportagentur "der richtige Weg" sein.
Lesser betonte zugleich, dass es für erfolgreichen Spitzensport auch eine starke Basis im Breitensport brauche. Es gebe heute viel zu wenige Kinder im Nachwuchs, Sportstätten und Vereine seien oft überlastet. Darum brauche es mehr Unterstützung für Kitas, Schulen und Vereine. Auch müssten baufällige Sportstätten saniert werden. All das helfe, Sport attraktiver zu machen.
SID/dpa, MDR (ksc)
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