• Mai-Regen bringt Segen. 
  • Abendrot schön Wetter-Bot, Morgenrot schlecht Wetter droht.
  • Regnet's am Siebenschläfertag, der Regen sieben Wochen nicht weichen mag. 
  • Wenn Spinnen im September in die Häuser kriechen, sie einen kalten Winter riechen.
  • Wenn die Schwalben niedrig fliegen, werden wir bald Regen kriegen. Fliegen sie bis in die Höh'n, bleibt das Wetter weiter schön. 
  • Im Juli muss vor Hitze braten, was im August soll geraten. 
  • Trübe Aussicht an den Hundstagen, trübe Aussicht das restliche Jahr. 
  • Ist's in der ersten Augustwoche heiß, bleibt der Winter lange weiß. 
  • September warm und klar, verheißt ein gutes nächstes Jahr. 
  • Warmer Oktober bringt fürwahr, stets einen kalten Februar. 

Die Paar- und Stabreimkombinationen wirken banal, vielleicht auch angestaubt, aber eins ist klar, hinter diesen uralten Sprüchen steckt oft ein ernster Kern. Landwirtschaft hängt nun einmal vom Wetter ab, und in den meisten Sprüchen geht es um Wettervoraussagen.  

Bauernregeln entstanden in einer Zeit, in der die Beobachtung die einzige Orientierung der Bauern war. Jahrhunderte bevor es Satellitenbilder und Wetter-Apps gab, sind sie der Versuch, Ordnung in das Unberechenbare zu bringen. Heute halten nicht alle dem kritischen Blick der Meteorologen stand.

Die Crux: Langfristiges Wetter von kurzen Zeiträumen ableiten

Viele Regeln leiten vom Wetter an einem Tag oder einer kurzen Periode längerfristigere Prognosen ab. "Dass das Wetter dann genau diesen Tag treffen muss, um dann in ein paar Wochen sich in eine gewisse Richtung zu entwickeln, das wundert natürlich schon", sagt Andreas Brömser. Brömser ist Agrarmeteorologe beim Deutschen Wetterdienst und hält solche Ableitungen für kaum plausibel. Denn selbst mit modernen Prognosetechniken gelängen langfristige grobe Vorhersagen nicht oder nur sehr ansatzweise.

Allerdings funktionieren Brömser zufolge einige der Regeln tendenziell schon. Andere, die auf physikalischen Grundlagen beruhten, ohnehin. Brömser kennt die verschiedensten Perspektiven aufs Wetter und mit den Bauernregeln kennt er sich aus – immer wieder muss der DWD zu diesen Wetterorakeln etwas sagen. Für uns hat er sich zehn Regeln angeschaut.

Mai-Regen bringt Segen.  

Die Grundaussage dieser Regel: Keine Vorhersage, sondern eine Aussage: Im Mai ist Regen wichtig für die Landwirtschaft.

Rapsfeld mit Wolken in Thüringen. Es gibt einen weiteren Vers mit ähnlicher Botschaft: "Ist der Mai kühl und nass, füllt's den Bauern Scheun und Fass."Bildrechte: picture alliance/dpa | Martin Schutt

Denn im Mai und schon im April hätten viele Pflanzen ihre Hauptwachstumsphase, argumentiert Brömser, das Wintergetreide, das im Herbst gesät wird, ebenso wie das Sommergetreide, das im Frühling gesät wird, oder zum Beispiel auch der Raps: "Da hat man sehr viel Wachstum, die Pflanzen brauchen zu dieser Jahreszeit sehr viel Wasser und wenn es oft regnet, dann ist das Wasser eben verfügbar und kann zusammen mit Nährstoffen in Ertrag umgesetzt werden."

Stimmt!

Abendrot schön Wetter-Bot, Morgenrot schlecht Wetter droht.

Teil 1, das Abendrot: In einer Westwindzone gibt es Brömser zufolge Wetterlagen, wo ganze Wolkensysteme und Niederschlagsfronten von West nach Osten ziehen. Die tiefstehende Abendsonne könne dann die nach Osten hin abziehenden Restwolken anstrahlen, die dann gelb bis rot leuchteten. Zu beobachten ist damit ein längeres wolkenfreies Fenster – also keine weiteren Wolken in Richtung des Sonnenuntergangs direkt am oder knapp hinter dem Horizont.

Stimmt zumindest tendenziell! Aber, meint Brömser, garantiert ist gutes Wetter am Folgetag nicht, da das gesamte Wolkenfenster weiterziehen kann.

Teil 2, das Morgenrot: Ein intensiv roter Sonnenaufgang entsteht, wenn die Sonne vom Westen aufziehende Schleier- oder dichter werdende Wolken anstrahlt, während der Osten noch wolkenarm oder wolkenfrei sei. Kurz darauf ziehe sich der Himmel oft komplett zu; gehe das Rote schnell ins Graue über und dann wird es ein eher bedeckter Tag. 

Stimmt also!

Regnet's am Siebenschläfertag, der Regen sieben Wochen nicht weichen mag.

Regen am Siebenschläfer – da wird manchem mulmig – schließlich bedeutet das dieser Regel zufolge fast zwei Monate Regen – und damit schlechte Aussichten also für die Sommerferien. Aber stimmt das auch?

Der Siebenschläfer schläft von September bis Mai. Der Nager hat aber nichts mit dem Siebenschläfertag zu tun, der ist am 27. Juni und geht auf eine christliche Legende zurück. Bildrechte: imago images/Pixsell

Wird der 27. Juni allein betrachtet, taugt der Lostag laut Brömser kaum als Wetterindikator. Denn die Regel reicht noch in den vorgregorianischen Kalender zurück. Aber, etwas dran ist doch: Entscheidend sei vielmehr die gesamte Witterung rund um den Monatswechsel von Juni zu Juli. Bleibt es in dieser Phase überwiegend kühl und wechselhaft, halte eine solche Großwetterlage häufig die folgenden vier bis sechs Wochen bis in den August an. "Das heißt, wir haben dann einen eher wechselhaften und nicht so warmen Hochsommer." Dominiere aber Hochdruckwetter, dann würden die folgenden Wochen eher durch Wärme bis Hitze und Hochdruckphasen geprägt.

Stimmt nicht immer, aber oft! In 60 bis 70 Prozent der Fälle bestätigt sich Brömser zufolge dieser Zusammenhang. 

Wenn Spinnen im September in die Häuser kriechen, sie einen kalten Winter riechen.

Spinnen ziehen im Herbst in Häuser, weil sie dort Schutz vor Kälte finden. "Eine Wintervorhersage können die Spinnen hier nicht liefern", sagt Brömser. Wenn die Temperaturen draußen sinken, reagieren die Gliederfüßer laut Brömser auf die Außentemperaturen und suchen wärmere Orte wie Wohnungen oder Keller auf – weil sie sich vor dem Frost im Winter schützen wollen. Sie reagierten also lediglich auf Temperatur und nicht auf Kalendermonat oder kommende Wetterlagen.

Stimmt nicht. Die Gliederfüßer reagieren laut Brömser auf die Außentemperaturen.

Wenn die Schwalben niedrig fliegen, werden wir bald Regen kriegen. Fliegen sie bis in die Höh'n, bleibt das Wetter weiter schön.

Schwalben passen ihre Flughöhe an das Verhalten ihrer Beute an. Wer sie im Blick behält, will also ableiten, ob es bald oder in den nächsten Stunden regnet: "Im Prinzip reagieren die Schwalben hier auf die Flughöhe der Mücken, die die Nahrungsquelle sind", sagt Brömser. Trage die Thermik die Mücken bei Sonnenschein in große Höhen, flögen auch die Schwalben höher. Zögen dagegen Wolken auf und fehle die warme Aufwärtsluft, blieben die Insekten dicht über dem Boden. Dementsprechend fliegen die Schwalben niedriger. 

Stimmt!

Im Juli muss vor Hitze braten, was im August soll geraten.

In der Bauernregel, nach der ein heißer Juli eine gute Augusternte sichern soll, steckt Brömsers Ansicht nach der Wunsch nach einer stabilen Ernteperiode, einer genaueren Prüfung aber hält sie kaum stand. Dass ein heißer Juli dafür wichtig wäre, dass im August dann die Ernte gut gerät, erschließt sich dem DWD-Wetter-Experten nicht.

Muss vor Hitze braten, was da soll geraten – und das ausgerechnet im Juli? Eher nicht, meint der Agrarmeteorologe Brömser.Bildrechte: picture alliance/dpa | Martin Gerten

Weil Nachtrocknen Zeit und Energie koste, seien lange trockene Phasen in der Erntezeit gewünscht, damit das Korn trocken geerntet und gut eingelagert werden könne. Doch die Ernte beginne je nach Kultur schon Ende Juni und zieht sich bis Mitte August – ein heißer Juli sei dafür keine Voraussetzung, dass es dann eine gute Ernte gebe. Und auch Obst sollte besser nicht in der Hitze braten. Bei Temperaturen über 30 Grad – das hätten die Hitzewellen der vergangenen Jahre gezeigt, drohe Sonnenbrand, der Früchte unverkäuflich macht.

Kurz: Trockenes, stabiles Erntewetter ist wichtig – die angebliche Abhängigkeit von einem heißen Juli dagegen nicht.

Trübe Aussicht an den Hundstagen, trübe Aussicht das restliche Jahr.

Die Bauernregel besagt: Trübes Wetter Ende Juli bis Anfang August bedeutet trübe Aussichten für den Rest des Jahres. Brömser meint: Ein meteorologischer Zusammenhang für eine Tendenzprognose für fünf Folgemonate sei ihm nicht bekannt.

Stimmt also nicht: Die Hundstage erlauben keine verlässliche Fünf‑Monats-Prognose.

Ist's in der ersten Augustwoche heiß, bleibt der Winter lange weiß.

Die Regel "Ist's in der ersten Augustwoche heiß, bleibt der Winter lange weiß" hält wissenschaftlich nicht stand. Auch für einen Zusammenhang zwischen Sommerhitze Anfang August und der Schneelage im Winter gibt es Brömser zufolge keine meteorologische Grundlage.

Stimmt nicht: Experten zufolge gibt es für diese Bauernregel keinen meteorologischen Zusammenhang.

September warm und klar, verheißt ein gutes nächstes Jahr

Auch die Regel "September warm und klar, verheißt ein gutes nächstes Jahr" könnte ins Reich der Märchen gehören.

Ungewöhnlich warme Spätsommer müssen genossen werden – sagen aber nichts darüber aus, ob das Wetter im kommenden Jahr "gut" wird. Und überhaupt: Was bedeutet gut für wen?Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck

Zumindest erkennt der Agrarmeteorologe keinen langfristigen Zusammenhang zwischen spätsommerlichem Wetter und der Qualität des folgenden Jahres. "Davon mal abgesehen, dass man dann erstmal definieren müsste, was ein gutes nächstes Jahr denn heißt: Geht es um viel Sonne und Wärme oder geht es tatsächlich mehr um eine gute landwirtschaftliche Ernte, die ja auch Wetter braucht, was nicht das allgemeine 'schöne Wetter' ist?"

Meteorologisch lässt sich daraus keine belastbare Prognose ableiten.

Warmer Oktober bringt fürwahr, stets einen kalten Februar.

Warmer Oktober, kalter Februar – da scheint es einen schwachen Zusammenhang zu geben. Bildrechte: picture alliance/dpa/Lehtikuva | Teemu Salonen

In der Bauernregel "Warmer Oktober, kalter Februar" steckt Brömser zufolge ein leichter Zusammenhang. Es scheint, so formuliert er vorsichtig, einen schwachen Zusammenhang zu geben: Wenn es im Oktober oder im mittleren Herbst viele andauernde Hochdrucklagen gibt, kommen die im Hochwinter – also eher im Januar – wieder.

Fazit: Ein verlässlicher meteorologischer Zusammenhang zwischen einem warmen Oktober und einem kalten Februar ist jedoch nicht bekannt. Experten sehen darin höchstens eine schwache Tendenz, aber keine regelhafte Wetterprognose.

Bauernregeln erzählen viel über historische Wetterbeobachtung – ermöglichen aber keine verlässlichen Vorhersagen. Manche beruhen so auf realen Mustern, andere sind eher Folklore. Für die moderne Meteorologie spielen sie praktisch keine Rolle.

Und dann gibt es noch die Quatsch-Regeln. Wie "Ist der Hahn heiser, kräht er morgens etwas leiser". Oder: "Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich's Wetter – oder's bleibt, wie's ist." 

Unbedingt wahr. 

 

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