Sexualisierte Gewalt. Zwei Drittel aller jungen Menschen haben sie schon erlebt
Gewalt mit und ohne Körperkontakt
5.855 Jugendliche und junge Erwachsene hat das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (BIÖG), vielen noch als Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bekannt, zum Thema "Sexualisierte Gewalt" befragt. Das Ergebnis ist erschreckend: 64 Prozent aller Befragten haben solche Gewalt ohne Körperkontakt erlebt, sind also Opfer geworden von Cybergrooming (Onlineanbahnung sexueller Kontakte), sexualisierten Beleidigungen oder auch dem Zusenden sexueller Bilder und Filme. Und fast ein Drittel (29 Prozent) hatte zudem Erlebnisse mit ungewollten oder erzwungenen körperlichen Berührungen oder sexuellen Handlungen.
Unterschiede nach Alter und Geschlecht
Junge Erwachsene sind dabei häufiger betroffen als Jugendliche. Bei sexualisierter Gewalt ohne Körperkontakt ist der Unterschied noch nicht allzu groß (68 Prozent gegenüber 54 Prozent), bei der mit Kontakt sind es 37 Prozent aller jungen Erwachsenen gegenüber 12 Prozent der Jugendlichen. Auch die Geschlechterunterschiede sind eindeutig. 71 Prozent der Täter sind männlich, bei den Opfern von sexualisierter Gewalt mit Körperkontakt überwiegen weibliche Personen mit 40 Prozent die männlichen, die mit 18 Prozent weitaus weniger betroffen sind.
Viel Gewalt geht von Gleichaltrigen aus
Dass sexualisierte Gewalt häufig durch Gleichaltrige ausgeübt wird, ist ein weiteres Ergebnis der aktuellen Untersuchung (offizieller Titel: 10. Trendwelle der Jugendsexualitätsstudie). So handelt es sich bei den Tätern häufiger um Jugendliche als um Erwachsene. Auch als Mitwisser und/oder Beobachter sind Jugendliche häufig involviert. 38 Prozent haben schon einmal mitbekommen, dass andere Personen zu sexuellen Handlungen gedrängt oder gezwungen wurden. Etwa ein Drittel (31 Prozent) der ersten Gewalterfahrungen mit Körperkontakt geschah im Beisein bzw. mit Kenntnis von Dritten (Bystander).
Wem vertrauen sich junge Menschen an?
Umgekehrt spielen Gleichaltrige auch bei der Bewältigung des Erlebten eine zentrale Rolle. So vertrauen sich 68 Prozent der Betroffenen nach einer ersten Gewalterfahrung mindestens einer Person an, wobei Gleichaltrige mit 51 Prozent die am meisten kontaktierten Vertrauenspersonen sind, gefolgt von den Eltern mit 33 Prozent. Vor diesem Hintergrund sei es wichtig, so Mechthild Paul vom BIÖG, dass junge Menschen "lernen, Übergriffe zu erkennen und klar zu benennen." Gleichzeitig sollten sie darin bestärkt werden, in riskanten Situationen sich und andere zu schützen sowie Betroffenen zur Seite zu stehen. Dafür brauchten junge Menschen sexuelle Bildung in Schule und Elternhaus sowie kompetente Ansprechpersonen in ihrem direkten Lebensumfeld.
Links/Studien
Zur Studie: Sexualisierte Gewalterfahrungen, Bystander-Perspektiven und Disclosure junger Menschen – Ergebnisse aus der 10. Welle der Jugendsexualitätsstudie
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