Spritpreise explodieren, Speditionen am Limit: Ist der Elektro-Lkw eine Alternative?
Rund 25 Fahrzeuge stehen im Fuhrpark des "Magdeburger Flitzers", darunter zwölf Lkw. Sie alle müssen fast täglich auf die Straße – und damit unweigerlich auch an die Tankstelle. Für Geschäftsführer Klaus Kaiser ist die Entwicklung der Spritpreise mehr als nur ein Ärgernis.
Die Kosten seien in kurzer Zeit massiv gestiegen. Aktuell liege die Mehrbelastung bei rund 25.000 Euro zusätzlich pro Monat. Für Speditionen zählt dabei vor allem der Nettopreis des Kraftstoffs. Die Mehrwertsteuer sei lediglich ein durchlaufender Posten, erklärt Kaiser. Die eigentliche wirtschaftliche Belastung entstehe durch die reinen Dieselpreise, die Ölmultis langen zu und die Steuern kommen obendrauf.
Kosten landen am Ende bei den Kunden
Die steigenden Ausgaben können die Unternehmen kaum selbst auffangen. In der Branche ist es üblich, sogenannte Dieselzuschläge zu erheben – und genau diese steigen nun deutlich an.
Existenzgefährdung steht schon im Raum. Ich würde das jetzt nicht auf uns beziehen, aber ich kann mir das durchaus vorstellen.
Das bedeutet: Die höheren Kosten werden weitergegeben. Betroffen sind vor allem Geschäftskunden, etwa im Onlinehandel. Am Ende könnte das aber auch bei Verbrauchern ankommen - etwa durch steigende Preise für Waren und Lieferungen.
Bleiben die Spritpreise dauerhaft auf diesem Niveau, sieht Kaiser sogar Risiken für die gesamte Branche. Insolvenzen seien zumindest nicht ausgeschlossen: "Existenzgefährdung steht schon im Raum. Ich würde das jetzt nicht auf uns beziehen, aber ich kann mir das durchaus vorstellen."
Politik reagiert – doch Kritik bleibt laut
Die Bundesregierung hat inzwischen reagiert und ein Maßnahmenpaket beschlossen. Ab dem 1. April dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen. Zudem erhält das Bundeskartellamt mehr Möglichkeiten, um gegen unangemessen hohe Preise vorgehen zu können. Ziel ist es, die Dynamik der Preissprünge zu bremsen und mehr Transparenz zu schaffen.
In der Branche stößt das Paket jedoch auf deutliche Kritik. Der Landesverband des Verkehrsgewerbes in Sachsen-Anhalt hält die Maßnahmen für unzureichend. Stattdessen werden deutlich stärkere Eingriffe gefordert – etwa eine Preisobergrenze für Diesel oder dass die Steuer auf CO2-Emissionen ausgesetzt werde.
Elektro-Lkw als Hoffnung
Ein möglicher Ausweg könnte die Elektromobilität sein. Beim "Magdeburger Flitzer" werden derzeit erste E-Lkw getestet. Doch ein großes Problem bleibt: die Infrastruktur. "Lkw-gerechte Ladepunkte sind völlige Mangelware. Wir haben auf unserer Strecke – wir fahren jeden Tag nach Kassel – zwei Ladepunkte, die wir anfahren können. Die jeweils mit zwei Ladesäulen ausgestattet sind. Das ist viel zu wenig", erklärt der Geschäftsführer des Familienunternehmens.
Beim Speditionsunternehmen "Magdeburger Flitzer" werden derzeit erste E-Lkw getestet.Bildrechte: MDR/Engin HauptOft müssen Fahrer ihre Fahrzeuge deshalb sogar an gewöhnlichen Pkw-Ladesäulen aufladen. Das ist ein erheblicher Mehraufwand im Arbeitsalltag, weil dazu zunächst der Sattelzug des Lkw entfernt werden müsse. Hinzu kommt: Für leichtere Transporter, die täglich mehrere hundert Kilometer zurücklegen, gebe es derzeit noch kaum praktikable elektrische Alternativen.
Die Transportbranche steht also unter doppeltem Druck. Kurzfristig belasten die hohen Spritpreise die Unternehmen massiv. Gleichzeitig erfordert der Umstieg auf alternative Antriebe Investitionen und bessere Rahmenbedingungen. Solange sich daran nichts ändert, bleibt für viele Speditionen vor allem eines: weiterfahren und weiter teuer tanken.
MDR (Laura Sinem Hönes, Felix Fahnert)
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