• Lungenkrebs wird oft erst spät entdeckt und ist dann meistens tödlich. Das neue Screening soll es ermöglichen, den Krebs schon frühzeitig zu entdecken und zu behandeln.
  • Die Untersuchung selbst ist nicht ganz ungefährlich. Vorerst sollen nur Kettenraucher auf diese Art untersucht werden.
  • Die Ärzte brauchen für das Lungen-CT eine Zusatzqualifikation. Im Allgemeinen sehen sich die Praxen und Kliniken gut auf das neue Angebot vorbereitet.

Vorsorgeuntersuchen gehören nicht gerade zu den Lieblingsterminen der Deutschen. Je früher Krankheiten aber erkannt werden, desto besser sind die Heilungschancen. Das gilt auch für Lungenkrebs. Ungefähr 60.000 Menschen in Deutschland sterben jedes Jahr daran – durch die Vorsorge sollen das weniger werden.

Screening soll Krebs in heilbarem Stadium entdecken

Ab April können Starkraucher deswegen einmal im Jahr ihre Lunge screenen lassen, ohne etwas dazuzuzahlen. Das erklärt Anne Beeskow, Oberärztin der Radiologie am Leipziger Uniklinikum: "Das Problem ist, dass Lungenkrebs in den frühen Stadien keine Symptome verursacht. In den späten Stadien, wenn er dann entdeckt wird und Symptome verursacht, geht er mit einer sehr schlechten Überlebensprognose einher. Das Ziel des Screenings ist es, den Lungenkrebs in einem frühen Stadium zu erkennen, wenn er noch heilbar ist und die Menschen so gerettet werden können." 

Risikoabwägung: Angebot gilt vorerst nur für Kettenraucher

Das Rauchen ist der stärkste Risikofaktor für den Lungenkrebs. Das Angebot gilt erstmal nur für Menschen, die zwischen 50 und 75 Jahre alt sind und seit mindestens 25 Jahren eine Schachtel am Tag rauchen oder so lange geraucht haben. Bei dieser Gruppe erhofft man sich, dass die Untersuchung der Lunge mehr nutzt als schadet.

Bei Nichtrauchern sind die Gefahren durch die Strahlenbelastung bei einem CT allerdings zu hoch, sagt Bernhard van Treeck. Er ist Mitglied im Gemeinsamen Bundesausschuss, der lange über Vor- und Nachteile nachgedacht und nun entschieden hat, dass das Lungen-CT zur Kassenleistung wird: "Die Strahlenbelastung kann auch Krebserkrankungen verursachen, auch so ein Niedrigdosis-CT. Dann verursachen Sie bei 1000 Patienten dadurch ungefähr 2 bis 3 Krebserkrankungen, nur durch die Untersuchung." 

Durch die Untersuchung selbst würden aber auch mehr Krebserkrankungen früher gefunden werden. 5 bis 6 Personen pro 1000 würden dann nicht an Krebs sterben – und das sei genau die Differenz, die am Ende die geretteten Leben darstellten. 

Krankenkassen: Vorsorge spart Behandlungskosten

Nicht nur die Risikopatienten profitieren von der Vorsorge. Auch die Krankenkassen erhoffen sich, dass durch Vorsorgeuntersuchungen teure Behandlungen im Endstadium von Lungenkrebs seltener nötig werden. Das meint Katrin Lindner von der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse in Sachsen: "Wenn Krankheiten früher erkannt werden, sind immer die Heilungschancen besser. Dann ist es auch nicht so kostenintensiv für die Krankenkasse oder überhaupt für das Gesundheitssystem."

Risikountersuchung: Ärzte brauchen Zusatzqualifikation

In Deutschland gibt es ungefähr 2 Millionen Menschen, die die Bedingungen für die Lungenvorsorgeuntersuchung erfüllen. Würden nun alle Betroffenen zum Arzt gehen, wären die Radiologien ziemlich beschäftigt. Für Leipzig berechnet Anne Beeskow: "Wenn man die Teilnehmerzahlen auf die Regionen Leipzig und Leipziger Umland herunterrechnet, dann kann man mit potenziellen Niedrigdosis-CTs zwischen 40 und 80 CTs pro Tag rechnen, wenn alle zum Screening gehen."

Erschwerend kommt hinzu, dass sowohl die Hausärzte, die eine Überweisung ausstellen, als auch die Radiologen, die die Untersuchung machen, eine Extra-Qualifizierung brauchen. Van Treeck vom Gemeinsamen Bundesausschuss meint: "Es gibt ja viele Risiken in Verbindung mit der Untersuchung, die man zumindest kennen muss. Deswegen haben wir das Verfahren ebenso standardisiert, dass die Ärzte zumindest eine nicht sehr aufwendige Qualifikation noch mal durchlaufen müssen, bevor sie dieses Screening anbieten können." 

Dies sei eine Frage der Qualitätssicherung, damit das, was gemacht werde, dann auch wirklich funktioniere.

Langsamer Start: Ärzte sehen sich vorbereitet

Ronny Kupke ist gesundheitspolitischer Sprecher des BSW und Vorsitzender des Ausschusses für Soziales. Er hält die kostenlose Vorsorge für richtig, ist jedoch skeptisch, ob es in der Fläche genug Ärzte gibt, die das Screening durchführen können: "Ich bin aus Chemnitz, da würden mir jetzt sogar nur zwei radiologische Praxen einfallen – und Chemnitz hat 250.000 Einwohner. Und wenn die jetzt alle zum Radiologen gehen – was ja grundsätzlich in Ordnung wäre, um die Früherkennung und dann auch die Behandlungsmöglichkeit zu steigern , dann glaube ich einfach, dass der Druck auf die Praxen zunimmt."

Anne Beeskow vom Uniklinikum Leipzig ist jedoch zuversichtlich: "Ich denke, wir sind ziemlich gut aufgestellt. Wir haben viele Praxen, die teilnehmen und letztendlich gibt es immer noch die Kliniken. Wenn wir sehen, dass der Bedarf nicht gedeckt werden kann, dass es zu viele Anmeldungen und zu lange Wartezeiten sind, dann gibt es natürlich noch andere Wege. Dann können die Kliniken auch mit in das Screening mit einbezogen werden. Wir gehen aber davon aus, dass das eher langsam anläuft."

Auch Katrin Lindner bestätigt, dass Untersuchungen zur Krebsvorsorge eher zurückhaltend in Anspruch genommen werden. Nicht mal die Hälfte der Techniker-Versicherten in Sachsen gehen regelmäßig zu ihren Check-Ups. Unabhängig davon wie viele Menschen ab April zum Lungen-Screening gehen – besser wäre in jedem Fall, dass Rauchen aufzugeben oder erst gar nicht damit anzufangen.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke