• Popmusik zu Weihnachten gibt es schon seit Beginn der Aufnahmetechnik. Doch viele Weihnachtslieder, wie zum Beispiel Jingle Bells, haben mit Weihnachten nur wenig zu tun.
  • Ostern ist das wichtigste Fest der Christenheit, Weihachten lässt sich aufgrund der verknüpften Emotionen besser vermarkten.
  • Das Leiden und die Auferstehung Jesu sind schwierige Themen für die Populärmusik.

"All I Want for Christmas" von Mariah Carey – das geht mit Frühlingssonnenschein und zweistelligen Temperaturen einfach nicht zusammen. Aber nach einem Song, der zur Osterzeit passt, kann man lange suchen. Dagegen gibt es praktisch keine Popmusikerinnen und -musiker, die sich nicht irgendwann im Laufe ihrer Karriere mal mit Weihnachten auseinandergesetzt haben.

Weihnachtshit Jingle Bells: Thanksgiving statt Weihnachten

Das sagt Michael Winklmann. Er muss es wissen, denn er hat genau aus diesem Grund vor vielen Jahren angefangen, zu dem Thema zu forschen. Und weiß deshalb, dass es Weihnachtshits wortwörtlich schon immer gibt – nämlich seit der Erfindung des ersten Aufnahmegerätes: "Dort konnte man Wachswalzen einspannen und Ton aufnehmen, Musik aufnehmen, aber eben auch abspielen. Und Ende des 19. Jahrhunderts, ungefähr 1896, wurde mit so einem Gerät das erste Weihnachtslied aufgenommen: Jingle Bells."

In der originalen Hörprobe von damals ist es – auch bei rudimentärer Tonqualität – dank der Schlittenglocken unverkennbar. Die dürfen schließlich in keinem Qualitäts-Weihnachtssong fehlen.

Aber Moment: Jingle Bells habe überhaupt nichts mit Weihnachten zu tun, erklärt Winklmann, der am Lehrstuhl für Religionspädagogik der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt arbeitet: "Es ist ein Schlittenlied, ein Lied, das eigentlich wahrscheinlich eher mit Thanksgiving vor Augen komponiert wurde, in den 1850er Jahren. Schon mit diesem ersten Weihnachtslied wird also klar, dass Weihnachts-Popmusik eigentlich nur in den seltensten Fällen wirklich was mit Weihnachten zu tun hat."

Ostern ist das höchste Fest – Weihnachten in der Popkultur wichtiger

Zwar ist Ostern ist das höchste Fest des Christentums und nicht Weihnachten, aber in der Popkultur zählt diese Rangordnung wenig. Weihnachten gewinnt, weil es einfach die bessere Kulisse für Popmusik bietet, erklärt Winklmann: "Weihnachten in seiner popkulturellen Transformation ist ein Fest des Nachhausekommens, Stichwort 'Driving home for Christmas'.

Es sei ein Fest des Sich-Einmummelns, des Es-Sich-Gemütlich-Machens, ein Fest der Familie, ein Fest, an dem Liebe zelebriert wird, sagt Winklmann: "Und wenn wir uns anschauen, in welche Jahreszeit Ostern fällt – zum Osterfest sprießt alles wieder. Die Tage werden länger, es wird heller, es wird wärmer. Die Leute gehen nach draußen. Das sind alles nicht so wahnsinnig gute Voraussetzungen dafür, um gemütliche Osterpopmusik zu schaffen."

Passion Christi ist musisch schwer vermittelbar

Aber selbst wenn man als Musikerin die theologische Bedeutung aufgreifen wollte, stellt man fest: Ostern ist vielleicht wichtiger, aber Weihnachten leichter verdaulich. An Weihnachten werde der Sohn Gottes geboren, eine Geburt sei etwas Schönes, erklärt Winklmann: "Bevor wir Ostern feiern, passiert eine unheimlich gewaltvolle Geschichte. Und wenn man die ernsthaft in einen Popsong überführen möchte, dann ist das eine viel größere Herausforderung."

Und dann ist da noch der Faktor Geld: Weil an Weihnachten alles so viel gemütlicher und freundlicher ist als an Ostern, ist das Weihnachtsfest viel stärker kommerzialisiert. Und damit für Künstlerinnen und Künstler auch deutlich lukrativer. Deshalb läuft im Dezember "All I want for Christmas" in Dauerschleife – aber kein "Last Easter" im März.

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