• Wirtschaft in Mitteldeutschland unterschiedlich von US-Zöllen betroffen
  • Zoll-Deal der EU mit den USA bringt Maschinenbauern wenig
  • Mehrere Firmen versuchen, Zölle nach Gerichtsurteil zurückzufordern

MDR AKTUELL: Wie betroffen ist die Wirtschaft in Mitteldeutschland von den US-Zöllen?

Ralf Geißler: Sehr unterschiedlich, muss man sagen. Es gibt Firmen, die sind sehr betroffen. Wenn wir zum Beispiel auf Porsche in Leipzig schauen. Porsche baut ja Autos, und da gehen eben sehr viele davon in die USA, und die Zölle dort haben eben jeden Porsche dort deutlich teurer gemacht und dementsprechend sind eben die Absatzzahlen gesunken.

Es gibt aber auch Hersteller von so ganz einzigartigen Produkten, dass denen der Zoll nicht so viel ausmacht. Im Maschinenbau zum Beispiel ist es oft so, da gibt es für bestimmte Maschinen eben nur den einen deutschen Hersteller. Der Zoll hat dann zwar auch diese Produkte teurer gemacht, aber den US-Bürgern blieben eben keine Alternativen, als eben doch dieses deutsche Produkt zu kaufen.

Unterm Strich hat aber auch der Maschinenbau unter den Zöllen gelitten. Oliver Richtberg, Außenhandels-Experte vom Verband der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer, sagt für 2025 Folgendes: "Da kam raus, dass wir acht Prozent weniger Maschinen in die USA exportiert haben und da reden wir von Werten von Maschinen in der Höhe von vorher um die 28 Milliarden und jetzt sind es noch 25 Milliarden, das heißt drei Milliarden, die uns in den Exporten fehlen und da hängen natürlich auch Arbeitsplätze dran."

Nun hat aber die Europäische Union mit den USA einen Zoll-Deal ausgehandelt. Wie sieht der jetzt genau aus?

Es soll einen 15 prozentigen Zoll geben. Er ist noch nicht in Kraft, wird aber wahrscheinlich kommen. Die Unternehmen in Deutschland sind nicht so richtig hellauf begeistert über 15 Prozent Zoll, denn das ist doch schlechter als in der Ära vor Donald Trump. Aber wenn die Vereinbarung so kommt, dann schafft sie eben erst mal Rechtssicherheit. Vor allem die Autobauer können mit der Regelung wohl ganz gut leben.

Bei den Maschinenbauern sieht das schon wieder anders aus. Richtberg sagt dazu: "Wir haben uns da ganz kurz drüber gefreut, dann wurden aber kurze Zeit später Zölle auf Stahl und Aluminium sowie deren Derivate, was zum Beispiel auch Maschinen sind, erhoben. Inklusive dieser Stahl- und Aluminium-Derivate zahlen unsere Mitglieder jetzt Zölle in Höhe von 24 Prozent. Das heißt, uns als Maschinenbau hat der Deal tatsächlich eher weniger gebracht."

Im Februar urteilte der Oberste Gerichtshof in den USA, dass der Präsident die Zölle vor einem Jahr nicht einfach ohne Rücksprache mit dem Kongress erheben durfte. Können deutsche Firmen jetzt die Zölle zurückfordern?

Also das Urteil betrifft nicht alle Zölle, sondern nur einige, die an diesem Liberation Day verkündet worden sind. Und man muss vielleicht auch eines noch dazu sagen, die Zölle bezahlen am Ende die Kunden in den USA. Die Firmen schlagen den Preis nur drauf und holen sich das von den Kunden zurück.

Nicht alle haben diesen Zoll aber eins zu eins weiter gereicht, sondern sind in Vorkasse gegangen. Und das hätten sie eben, so das Gerichtsurteil, nicht in allen Fällen tun müssen, weil Trump so einseitig die Zölle hätte gar nicht einfach einführen dürfen.

Jetzt ist es tatsächlich so, dass es auch in Deutschland mehrere Unternehmen gibt, die versuchen, von den amerikanischen Behörden diese Zölle zurückzubekommen. Es gibt auch hochspezialisierte Anwaltskanzleien, die sagen: "Wenn ihr Zölle zurückhaben wollt, wendet euch an uns, wir holen euch das zurück."

Die Fragen stellte MDR AKTUELL-Moderator Sven Kochale.

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