Wenn Biolandwirt Robert Künne über seinen Betrieb spricht, macht er schnell klar, was zählt: "Mein größtes Kapital ist der Boden". Vor den Toren Leipzigs bewirtschaftet er 400 Hektar Ackerland. Hafer, Roggen und Weizen wachsen auf seinen Feldern, auch Wildkräuter und Ölsaaten finden auf dem Acker Platz.

Der Bauer betreibt regenerative Landwirtschaft. Das heißt, dass er den Boden möglichst sanft bearbeitet: "Ich werde auf gar keinen Fall Konzepte anfangen wie Schwarzbrache: Im Herbst pflügen und den Boden über den Winter schwarz lassen", erklärt der Landwirt. Der Boden wird, soweit es in einem landwirtschaftlichen Betrieb geht, in Ruhe gelassen. Fast ganzjährig wächst etwas auf seinem Acker, "grüne Brücke" nennt Künne das.

Humus als Schlüssel für gesunde Böden

Durch diese Anbauweise verbleiben Wurzeln, Blätter und andere Pflanzenreste durchgängig im Boden. So bildet sich unter der Erde das, was man als Humus auch aus dem Kompost im Garten kennt.

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Humus ist der zentrale Indikator für Bodengesundheit und Bodenfruchtbarkeit.

Axel DonBodenforscher am Thünen-Institut

Axel Don forscht am Thünen-Institut in Braunschweig zur Frage, wie die Landwirtschaft mehr Humus aufbauen kann. Humus speichert Wasser im Boden, schützt vor Erosion und Trockenheit und hält Nährstoffe für die Pflanzen bereit. Aktuell sinkt der Humusgehalt in den landwirtschaftlichen Böden allerdings. Wenn der Boden umgepflügt wird oder brach liegt, geht Humus verloren. Auch der Klimawandel in Deutschland mit zunehmender Hitze und Dürreperioden setzt dem Humus zu.

"Das Besondere im Humus ist noch, dass er rund zur Hälfte aus Kohlenstoff besteht. Dieser Kohlenstoff stammt ursprünglich aus der Atmosphäre, war dort CO₂ und Treibhausgas", erklärt Axel Don den doppelten Zusammenhang zwischen Humus und Klima: "Und wenn er im Humus gebunden ist, dann ist er damit nicht mehr klimawirksam, dann kann er die Klimaerwärmung nicht mehr vorantreiben".

Mit gespeichertem CO₂ Geld verdienen

Genau diese Funktion macht den Boden für Landwirtinnen und Landwirte auch wirtschaftlich interessant: "Es geht am Ende um CO₂-Handel", erzählt Biobauer Robert Künne. Er will mit seiner Anbauweise beim gemeinnützigen Verein "CO₂-Land" mitmachen. Der Verein ist einer von mehreren Akteuren in Deutschland, die einen Handel mit Humus-Zertifikaten organisieren. Für jede Tonne des gespeicherten Kohlenstoffs im Boden erhält der Landwirt Geld von Unternehmen, die ihre Emissionen ausgleichen wollen. Mehrere Bodenproben über Jahre sind dafür notwendig.

Denn Humus wächst nicht über Nacht: Es dauert Jahre, bis sich messbare Veränderungen einstellen und der Aufbau ist nicht immer garantiert. Das trägt dazu bei, dass der Markt für solche Zertifikate bislang noch klein ist.

EU-Rahmen für Carbon-Farming-Zertifikate

Bodenforscher Axel Don rechnet damit, dass sich das ändern könnte: "Wir erwarten, dass dieses Jahr von der EU ein neuer Rahmen gesetzt wird für diese Zertifikate, sodass auch für die Marktteilnehmer ein bisschen klarer ist: Was steckt in den Zertifikaten? Ist da auch wirklich Klimaschutz drin?"

Ein zentrales Register soll jedes Zertifikat erfassen und die Maßnahmen nachprüfbar machen. Das bedeutet allerdings auch neue Bürokratie. Axel Don erforscht in einem bundesweiten Projekt, wie Landwirte Humus-Maßnahmen besser in ihren Betrieb integrieren können. 150 konventionelle und biologische Betriebe aus ganz Deutschland machen beim so genannten "HumusKlimaNetz" mit.

Forschung auf 150 Betrieben

Diese Betriebe erproben, wie Zwischenfrüchte zwischen den Hauptkulturen den Boden bedecken und wie aufwendig ihre Zucht ist. Die Landwirte experimentieren auch mit stärker wurzelnden Hülsenfrüchten, die den Boden zusätzlich mit Nährstoffen versorgen.

Oder wie sie kurz vor der Ernte so genannte Untersaaten mit Drohnen ausbringen: Diese können dann nach der Ernte der Hauptkulturen dafür sorgen, dass der Boden schnell wieder bedeckt wird und nicht brach liegt. Ein ambitioniertes Humus-Programm könnte laut Bodenforscher Axel Don mehrere Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr vermeiden.

CO₂-Handel ist Anreiz, aber kein Wundermittel

Klar ist: Humus erfordert eine schonendere Bewirtschaftung, die auch mehr Abwechslung auf die Felder bringt. Das bedeutet Mehrarbeit oder andere Arbeitsabläufe im Betrieb. Zertifikate können dafür einen zusätzlichen Anreiz schaffen.

Ob mit oder ohne CO2-Handel ist der Humusaufbau laut Bodenforscher Axel Don wichtig für die Landwirtschaft: Er schützt den Boden und sorgt langfristig für stabilere Erträge. Laut dem Wissenschaftler könnte man Landwirte auch über andere Prämien für den Humus-Aufbau entlohnen — etwa mit Subventionen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU. Für Bauer Robert Künne kann der Humus eine doppelte Ernte bringen: oben Getreide und unter der Erde Geld mit Klimaschutz.

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