Ist die Gen Z wirklich dümmer?
- Studien zeigen seit Jahren sinkende Kompetenzen bei Jugendlichen – etwa beim Lesen und Rechnen.
- Experten sehen die Ursachen vor allem im Bildungssystem und im Umgang mit Digitalisierung.
- Gleichzeitig warnen Fachleute davor, die Gen Z pauschal abzuwerten – und verweisen auf ihre Stärken.
Die Zahlen sind seit zehn Jahren eindeutig: Laut Studien geht es bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen abwärts, wenn es um Lesekompetenz und Fähigkeiten in Mathematik geht und ebenso, wenn es um die psychosoziale Gesundheit oder körperliche Fähigkeiten geht.
Für Erziehungswissenschaftler Klaus Zierer von der Uni Augsburg ist dies das Ergebnis von falschen Entscheidungen, die Menschen in Bildungsverantwortung in den vorangehenden Generationen getroffen haben. "Ob das das Rausnehmen des Leistungsanspruches im Bildungssystem ist oder ob das der naive Umgang mit der Digitalisierung ist – all das war ja unsere Verantwortung, die wir nicht wahrgenommen haben. Jetzt sehen wir die Probleme bei der jungen Generation und das ist nicht nur Weckruf für die Generation, sondern allen voran für die ältere Generation, die Verantwortung trägt."
Digitalisierung als Chance und Herausforderung zugleich
Mittlerweile verbringen Kinder und Jugendliche durchschnittlich zehn Stunden am Tag mit Bildschirmmedien – das zeigte die Postbank Digitalstudie. Längst sei nachgewiesen, dass eine exzessive Smartphonenutzung für Gehirne in der Entwicklung im Kinder- und Jugendalter schädlich ist und die Bildungsprozesse behindert, erklärt Schulpädagoge Zierer.
Trotzdem dürfe die Digitalisierung nicht verteufelt werden. Sie erfordert von der Generation Z neue Fähigkeiten, um in der Welt von Morgen klarzukommen, findet Ulrike Grosse-Röthig, bildungspolitische Sprecherin der Linken im Thüringer Landtag. "Junge Menschen leisten heute enorm viel. Vielleicht in anderen Parametern, als das vergangene Generationen getan haben, aber wir sollten ganz, ganz dringend aufhören, die junge Generation herunterzureden."
Kritik an pauschaler Abwertung der Gen Z
Es sei anzahlmäßig die kleinste Generation bisher, der immer wieder klar gemacht würde, dass sie von der Lebensqualität ihrer Vorgänger deutliche Abstriche machen müssen – durch globale Krisen und den Klimawandel – und die immer wieder auf ihre vermeintliche Leistungsschwäche reduziert würde.
Und das in Zeiten, in der die Rahmenbedingungen nicht ideal seien, betont Eva Gerth, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen-Anhalt. "Wir haben in Sachsen-Anhalt dieses 4-plus-1-Modell, wo Kinder an einem Tag in der Woche in einzelnen Klassenstufen in Betriebe gehen. Das heißt, der Lehrkräftemangel, der dann solche Modelle zum Beispiel hervorbringt, bedeutet natürlich auch, dass dann weniger Wissen vermittelt werden kann."
Erst wenn Kinder und Jugendliche wieder eine bessere Lernumgebung bekommen, können sie auch ihr kognitives Potenzial besser ausschöpfen. Hierfür hofft Gerth vom GEW auf eine Aufstockung der Schulsozialarbeit in ihrem Bundesland.
Stärken der jungen Generation
Erziehungswissenschaftler Klaus Zierer hebt die Fähigkeiten hervor, die bei Jugendlichen stark wie nie zu vor sind. Dazu gehörten ein intuitives Technikverständnis und eine steigende Weltoffenheit in einer globalisierten Welt. "Das zeigt sich dann sogar ganz konkret darin, dass diese Generation, wenn es zum Beispiel englischsprachige Kompetenzen anbelangt, durchaus erfolgreicher ist als die älteren Generationen, weil das Englische in der Lebenswelt sehr stark verankert ist, ob durch Sport, Musik oder Film."
Jetzt komme es auf die Leistung des Bildungssystems und der Erziehungsberechtigten an, die Fähigkeiten der jüngsten Generationen anzuerkennen und aus ihren eigenen Fehlern zu lernen, rät Zierer.
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