• Studien zeigen: Es gibt unterschiedliche Stoffwechseltypen, die beeinflussen, wie der Körper Energie verbrennt.
  • Ein entscheidender Faktor ist das sogenannte braune Fett, das Kalorien verbrennt statt speichert.
  • Besonders bei Frauen verändert sich der Stoffwechsel in den Wechseljahren deutlich.

Tim Hollstein ist Endokrinologe und Stoffwechselexperte am Uniklinikum Kiel. Seit Jahren forscht er zum Thema Stoffwechseltypen. Zuerst an der Berliner Charité und später in den USA. Zusammen mit seinen Kollegen konnte er beweisen, dass es den sparsamen Stoffwechseltypen gibt, der eher zur Gewichtszunahme neigt und den verschwenderischen Stoffwechseltypen, der essen kann, was er will. "Wir haben diese Unterschiede sichtbar gemacht durch spezielle Stoffwechsel-Stress-Tests", erzählt Hollstein. "Wir müssen also gucken: Wie verhält sich der Stoffwechsel, wenn er besonders viel oder besonders wenig Nahrung bekommt?"

Bei ihrer Studie sind Hollstein und Kollegen wie folgt vorgegangen: "Wir haben die Leute einmal fasten lassen für 24 Stunden und dann haben wir die Leute überernährt für 24 Stunden. Dann haben wir uns den Energieverbrauch angeschaut. Da haben wir festgestellt, dass sich der Energieverbrauch höchst individuell ändert."

Der sparsame Typ hat seinen Energieverbrauch beim Fasten schnell reduziert und bei der Überernährung kaum erhöht. Der verschwenderische Typ blieb bei seinem hohen Energieverbrauch und erhöhte ihn sogar noch, wenn er zu viel zu essen bekam, erzählt Tim Hollstein im Podcast Hormongesteuert. Die Frage ist: Wie kommt es zu diesem Unterschied?

Braunes Fett spielt zentrale Rolle beim Energieverbrauch

Die Antwort fand Hollstein im braunen Fett: "Dieses braune Fettgewebe ist das gute Fettgewebe, das Energie verbrennt statt Energie zu speichern. Je mehr man davon hat, desto besser ist das für den Stoffwechsel und auch für das Gewicht."

Das braune Fett sitzt am Hals, am Schlüsselbein und im Rückenbereich und wiegt nur wenige hundert Gramm. Menschen mit einem verschwenderischen Stoffwechsel, die also Kalorien besser verbrennen, haben mehr von diesem braunen Fett.

Wechseljahre verändern den Stoffwechsel

Frauen haben eigentlich einen hormonellen Vorteil – aber nur bis zur Menopause: "Wir wissen, dass unter anderem ein Hormon braunes Fett aktiviert – und das ist Östrogen. Es gibt auch Studien, die gezeigt haben, dass das braune Fett nach der Menopause dreimal weniger aktiviert ist, als vor der Menopause."

Erklärt das die Gewichtszunahme in den Wechseljahren? Tatsächlich berichten einige Frauen, dass sie dann in kürzester Zeit viele Kilo zulegten, ohne dass sich der Lebensstil geändert habe.

Frauenärztin Katrin Schaudig sieht diese Frauen jeden Tag in der Sprechstunde. "Ich selbst habe dieses Rätsel, warum manche Frauen innerhalb eines halben Jahres sechs oder zehn Kilo zunehmen, nicht lösen können. Zumindest zeigen die Studien alle, dass es zur Verschiebung des Fetts kommt: weg vom Stamm, also vom Popo und den Oberschenkeln, in Richtung inneres Bauchfett."

Kälte kann braunes Fett aktivieren

Tim Hollstein hat in seinem Buch "Das Kuchenparadox" einen Sechs-Wochen-Plan zusammengestellt, mit dem der Stoffwechsel angekurbelt werden kann. Sein Spezialtipp: das braune Fett mit Kälte aktivieren. "Es wurde zum Beispiel mal eine Studie gemacht mit 17 Probanden, die hat man für 10 Tage lang in einen kalten Raum gepackt, für 6 Stunden am Tag bei 16 Grad. Und dann hat man gesehen, dass das braune Fett wirklich angestiegen ist. Das ist um 40 Prozent nach oben gegangen."

Nun muss niemand stundenlang in der Kälte sitzen. Tim Hollstein empfiehlt Kälte-Snacks in den Alltag einzubauen. Die kalte Dusche oder Eisbaden zum Beispiel. Hollstein sagt, es lohne sich, den inneren Schweinehund zu überlisten. Denn das braune Fett sei auch ein Gesundheitsbooster.

Der Podcast Hormongesteuert ist mit dem Thema Stoffwechsel in die fünfte Staffel gestartet. Sie können ihn kostenlos in der APP von ARD Sounds hören.

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