Inhalt des Artikels:

  • Mitteldeutsche Länder im Mittelfeld
  • Hohe Mieten verzerren die Statistik
  • Sachsen: Schere zwischen Großstädten und Umland
  • Thüringen profitiert von niedrigen Lebenshaltungskosten
  • Sachsen-Anhalt: Niedrigste Lebenshaltungskosten und geringes Lohnniveau

Einwohner ostdeutscher Städte und Kommunen haben im bundesweiten Vergleich eine deutlich geringere Kaufkraft. Sie landen in einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) für 400 Landkreise und Städte mit Daten von 2023 meistens in der unteren Hälfte.

Demnach verfügte Heilbronn in Baden-Württemberg über die höchste Kaufkraft und löste damit den bayerischen Landkreis Sternberg an der Spitze ab. In den Top 10 sind ausschließlich Westkommunen vertreten: fünf bayrische Landkreise, zwei in Rheinland-Pfalz sowie jeweils eine in Hessen und Nordrhein-Westfalen.  

Mitteldeutsche Länder im Mittelfeld

Die Kaufkraft basiert nicht allein auf den Einkommen, sondern das sogenannte Realeinkommen ergibt sich aus dem Verhältnis vom Einkommen zu den Lebenshaltungskosten. Im Ländervergleich liegt Bayern vorn mit einem preisbereinigten Wert von 30.396 Euro vor Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg.

Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt landeten im IW-Ranking auf den Plätzen acht bis zehn. Als einziges westdeutsches Bundesland rangierte noch das Saarland im unteren Drittel. Schlusslichter sind die Stadtstaaten Hamburg, Bremen und abgeschlagen Berlin (24.656 Euro).

Hohe Mieten verzerren die Statistik

Stark gestiegene Mieten drücken die Reallöhne in Großstädten. So rutschte München trotz Platz sechs bei den Einkommen durch hohe Mieten auf Rang 68 von 400 Kommunen ab. Das gilt auch für Hamburg (Platz 331), Köln (343) und Frankfurt am Main (358). Freiburg im Breisgau zählt sogar zu den Schlusslichtern (392) – noch vor Halle in Sachsen-Anhalt (391), wo geringe Einkommen und hohe Mieten zusammenkommen.

Am wenigsten können sich der IW-Studie zufolge die Menschen im hessischen Offenbach leisten. Knapp davor liegen die Ruhrpottstädte Gelsenkirchen und Herne sowie Kaiserlautern.

Sachsen: Schere zwischen Großstädten und Umland

Im Ländervergleich liegt Sachsen mit einem realen Einkommen von 27.592 Euro im Mittelfeld (Platz 9). Das resultiert aus den viertniedrigsten nominalen Einkommen und den drittniedrigsten Preisen.

Die höchste Kaufkraft hatten Menschen im Landkreis Leipzig, die damit im Bundesvergleich von 400 Kommunen auf Rang 121 landeten, was der höchste Rang in Ostdeutschland ist. Die niedrigsten Realeinkommen haben die Bewohner der angrenzenden Großstadt Leipzig (Bundesvergleich 386 von 400). Ähnlich sieht es beim zweitplatzierten Landkreis Meißen und der nahen Landeshauptstadt Dresden (353) aus. Der Vogtlandkreis schafft es trotz des deutschlandweit niedrigsten Preisniveaus nur auf Platz vier. 

Auf den vorderen Plätzen liegen in Sachsen ausschließlich Landkreise. Dieser Trend gilt auch bundesweit – zumeist wegen der niedrigeren Mieten.

Kaufkraft bzw. Realeinkommen pro Kopf in Sachsen (2023)
Kommune Kaufkraft
1. Landkreis Leipzig 30.030 Euro
2. Landkreis Meißen 29.357 Euro
3. Landkreis Zwickau 29.018 Euro
4. Vogtlandkreis 28.896
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10. Chemnitz 27.248 Euro
11. Landkreis Görlitz 27.175 Euro
12. Dresden 25.965 Euro
13. Leipzig 24.466

Thüringen profitiert von niedrigen Lebenshaltungskosten

Thüringen liegt im Ländervergleich auf Rang acht knapp vor Sachsen. Das ergibt sich aus dem drittniedrigsten Durchschnittseinkommen von 27.651 Euro bei relativ günstigen Lebenshaltungskosten, die nur in Sachsen-Anhalt niedriger sind.  

Am meisten bliebt vom Einkommen der Analyse zufolge in den Landkreisen Hildburghausen, Greiz oder im Eichsfeld hängen. Auch die Stadt Suhl rangiert auf Rang fünf relativ weit vorn. Doch im kommunalen Vergleich bleibt Menschen in Jena (Rang 367 von 400 Kommunen), in Weimar (360) und Erfurt (352) relativ wenig vom Lohn. Grund sind die relativ hohen Mieten in den Städten. Besser sieht es in den Landkreisen Hildburghausen aus (159) und Greiz (172) aus.

Kaufkraft bzw. Realeinkommen pro Kopf in Thüringen (2023)
Kommune Kauftkraft
1. Landkreis Hildburghausen 29.378 Euro
2. Landkreis Greiz 29.243 Euro
3. Landkreis Eichsfeld 29.002 Euro
4. Wartburgkreis 28.905 Euro
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19. Kyffhäuserkreis 26.834 Euro
20. Erfurt 25.977 Euro
21. Weimar 25.646 Euro
22. Jena 25.302 Euro

Sachsen-Anhalt: Niedrigste Lebenshaltungskosten und geringes Lohnniveau

In der Stadt Halle ist das reale Einkommen der Menschen laut der IW-Studie bundesweit mit am niedrigsten. Das ergibt sich aus der Schere zwischen relativ geringen Einkommen und hohen Mietpreisen. Halle landete bei einer Kaufkraft von 24.184 Euro pro Kopf auf Platz 391 von 400 Kommunen. In der Landeshauptstadt Magdeburg sind es 26.058 Euro pro Kopf (Platz 348).

Den höchsten Wert erzielte der Landkreis Börde mit einem Realeinkommen von im Schnitt über 29.000 pro Kopf. Die Menschen in der Börde stehen damit auf Rang 180 von 400 Kommunen, bleiben aber etwa 10.000 Euro hinter dem bundesweiten Spitzenreiter Heilbronn zurück. Im Gesamtvergleich sind die Lebenshaltsungskosten zwar am niedrigsten, doch auch die Löhne sind relativ gering.

dpa (ans)

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