Oberleitungen am Limit: Investitionsstau belastet Bahnverkehr
- Häufig gehen Störungen im Bahnverkehr auf Schäden an Oberleitungen zurück.
- Fachleute sehen darin die Folgen eines jahrelangen Investitionsstaus.
- Ein akutes Sicherheitsrisiko sieht der Fahrgastverband Pro Bahn allerdings nicht.
Oberleitungsnetz vielerorts überaltert
Das Oberleitungsnetz sei ein Spiegelbild der Schieneninfrastruktur generell, sagt Lars Schnieder, Professor für Eisenbahnwesen und Verkehrssicherung an der TU Braunschweig. Er zeigt sich wenig überrascht über die in letzter Zeit gehäuften Oberleitungsprobleme bei der Bahn. "Wir haben in den letzten Jahrzehnten zu wenig in Substanzerhalt investiert. Insofern ist das natürlich erstmal ein Rückstau in Erneuerungsmaßnahmen, der festzuhalten ist."
Insgesamt umfasst das Oberleitungsnetz der Deutschen Bahn knapp 60.000 Kilometer. Gut elf Prozent davon sind derzeit in einem schlechten Zustand und müssten repariert oder ersetzt werden. Bis zum Jahr 2045 sollen es insgesamt etwa 19.000 Kilometer sein. Nachzulesen ist das in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag vom September.
Bahn verweist auf steigende Investitionen
Investitionsrückstau räumt auch Bahnkonzern-Sprecher Achim Stauß im Gespräch mit dem MDR ein. Allerdings: "Mittlerweile – auch mit Hilfe des Sondervermögens des Bundes – sind die Bundesmittel hier sehr stark gestiegen, sodass wir in der Zukunft auch mehr in Oberleitungen investieren können. In den vergangenen Jahren sind die Mittel, die in Oberleitungen geflossen sind, auch schon gestiegen." 2021 seien es 106 Millionen Euro gewesen, 2024 schon mehr als doppelt so viel: 238 Millionen Euro. "Das ist schon ein Aufwuchs der Mittel, aber wir freuen uns, dass das in Zukunft auch noch mehr wird."
Stauß betont, dadurch, dass regelmäßig gewartet und geprüft werde, sei das Ganze kein gravierendes Sicherheitsrisiko. Im Abschnitt, in dem Samstag bei Wittenberg die Oberleitung auf den ICE gekracht ist, habe es keine sicherheitsrelevanten Mängel gegeben, so der Bahnsprecher. Die genaue Ursache ist noch unklar.
Kein akutes Sicherheitsrisiko für Fahrgäste
Ein akutes Sicherheitsrisiko sieht auch der Fahrgastverband Pro Bahn nicht. Für Fahrgäste im Zug oder am Bahnsteig sei es grundsätzlich erstmal nicht gefährlich, sagt Michael Koch, stellvertretender Bundesvorsitzender. "Es gibt ja verschiedene Wartungsstufen, die in den Richtlinien der Deutschen Bahn festgeschrieben sind – von Sichtinspektionen bis hin zu 'wir fahren mit einem Turmwagen', heißt das dann und schauen uns die Oberleitung genau an und inspizieren den Zustand."
Pro Bahn fordert schon seit geraumer Zeit, die Finanzierung für Infrastruktur auf neue Beine zu stellen – mit dem Fokus auf Schiene statt auf Autobahn. Auch das Eisenbahnbundesamt nimmt Stichproben bei den Oberleitungen, verweist aber auf Anfrage darauf, dass für die Sicherheit in erster Linie die Bahn zuständig sei. Alternativen zur Lok mit Oberleitung könnten – zumindest im Regional- und Nahverkehr – laut Bahnexperte Schnieder von der TU Braunschweig Batteriezüge sein. Die fahren schon jetzt dort, wo es keine Oberleitungen gibt.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke