Vom Schulhof zum Filmdreh: Als Kind in DDR-Kultfilm "Die Söhne der großen Bärin"
Tino Wehner fasst an die Tatze einer Bärin. Die Statue des Wildtieres steht im Ortskern von Heeselicht und erinnert an den Defa-Indianerfilm-Film "Die Söhne der großen Bärin." Teile des Kultstreifens wurden in der Sächsischen Schweiz und nahe Heeselicht gedreht, erklärt Ortsvorsteher Tino Wehner. "Ich komme aus der Generation, die diese Filme geprägt haben. Wir haben auch selbst Indianer gespielt."
Passend zur Premiere vor 60 Jahren soll es an dem Drehort einen würdigen Erinnerungsort geben, erklärt Wehner. So sollen Wanderer künftig durch eine Fernsehröhre aus Sandstein ins Polenztal schauen. Zudem soll eine große Bären-Statue ins Tal umziehen, um an den Drehort, den Kriegshäuptling und die Bärenbande aus dem Film zu erinnern.
Bildhauer Dirk Wachtel arbeitet derzeit noch ein der Sandstein-Stele in Form eines Fernsehers. Durch die Fernsehröhre sollen Wanderer künftig zum einstigen Drehort des Defa-Films schauen können. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel Film-Crew kommt in die Schulklasse
Margit Ringel ist an den Drehort von damals zurückgekehrt. Sie durfte selbst im Film mitspielen. Damals ist die Film-Crew zu ihr in die Schule in Ehrenberg gekommen, um Statisten für den Dreh auszuwählen, erinnert sich die 72-Jährige.
Diese hält nach Kindern mit dunklen Haaren und dunklerer Hautfarbe Ausschau, denn sie sollen nordamerikanische Ureinwohner spielen. Ein Kleinbus fährt sie und neun weitere Kinder ihrer Klasse in das entlegene Tal, in dem ein Indianerdorf mit mehreren Tipis aufgebaut ist.
Margit Ringel zeigt Fotos mit Treffen mit dem Schauspieler Gojko Mitić, zu dem sie nach wie vor Kontakt hält. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel Kinder schminken sich für Film selbst
Am Anfang bekommen sie es noch gezeigt, dann müssen sich die Kinder die 14 Drehtage selbst schminken, erzählt Margit Ringel, die damals elf Jahre alt ist. Als es vor die Kamera geht, läuft nicht alles rund. Einmal streikt die Technik komplett. "Da mussten wir an Ort und Stelle stehen bleiben. Das war anstrengend. Da habe ich auch einen Sonnenbrand bekommen", sagt Ringel und lacht.
Gojko Mitić spielt in "Die Söhne der großen Bärin" Tokei-ihto. Dieser wird nach seinem Sieg über den Mörder seines Vaters Red Fox und nach der geglückten Rückkehr seiner Stammesgenossen in die Black Hills von der Bärenbande zum Friedenshäuptling ernannt.Bildrechte: mdr/rbb/Progress Filmverleih/Waltraut PathenheimerGojko Mitić sorgt für gute Laune beim Dreh
Für gute Laune sorgt Gojko Mitić. Er spielt im Film den Kriegshäuptling Tokei-ihto. "Er hat durch die Kostüme gelunzt und uns manchmal erschreckt", erinnert sich Ringel. Die Erinnerung zaubert ihr auch heute noch ein helles Lächeln ins Gesicht.
Der Gojko ist so menschlich und bodenständig.
Sie trifft sich auch jetzt noch ab und an mit dem Kult-Schauspieler. "Der Gojko ist so menschlich und bodenständig." Als der Film damals fertig ist, brauchen die jungen Schauspieler und ihre Familien scharfe Augen. Denn die Kinder im Indianerdorf sind meist nur Bruchteile von Sekunden zu sehen. Das ist nun einfacher, erzählt Ringel, wenn sie den Film nun stoppen und den Enkeln die Oma als Indianermädchen zeigen kann.
Tokei-ihto (Gojko Mitić) will in "Die Söhne der großen Bärin" den Tod seines Vaters Mattotaupa rächen und das Siedlungsgebiet in den Black Hills für seinen Stamm zurück erobern. Bildrechte: mdr/rbb/Progress Filmverleih/Waltraut Pathenheimer Beim Filmdreh gerade einmal sieben Monate alt
Manche Schauspieler sind noch ganz klein, als sie für den Film ausgewählt werden. Jens Rußig ist beim Dreh gerade einmal sieben Monate alt. "Im Film hat man mich in zwei, drei kurzen Szenen gesehen", erzählt der 61-Jährige.
Ein Stück ist man schon stolz, auch wenn man selbst nichts dazu beigetragen hat.
Er sei nach wie vor erstaunt, wie aufwendig die Filmszenen damals gedreht wurden. "Ein Stück ist man schon stolz, auch wenn man selbst nichts dazu beigetragen hat." Es sei einer der schönsten Defa-Indianerfilme. Gojko Mitić habe nicht schlecht gestaunt, als sich Jens Rußig ihm bei einem Treffen als das Baby von damals vorstellte.
Stolz zeigt Jens Rußig einen Zeitungsausschnitt, auf dem er als Indianerbaby im Film "Die Söhne der großen Bärin" zu sehen ist. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel Immer viel Gewusel vor der Kamera
Karlheinz Scharfrath ist bei den Dreharbeiten mit seinen 15 Jahren begeistert, die vielen Schauspieler zu sehen. "Wir als Kinder und Jugendliche mussten Reißig und Holz sammeln und ins Indianerdorf bringen", schildert der 77-Jährige. Dabei sollen sie kreuz und quer laufen, damit immer Bewegung vor der Kamera ist. "Das war immer haufen Gewusel."
Karlheinz Scharfrath ist zu den Dreharbeiten 15 Jahre alt. Ihn begeisterte es vor allem die vielen Schauspieler zu sehen, sagt der heute 77-Jährige. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel Kult-Schauspieler soll neuen Erinnerungsort einweihen
Als er Gojko Mitić anfragte, sei dieser Feuer und Flamme für den neuen Erinnerungsort, erklärt Wehner. "Er war sofort begeistert." Die Sandsteinstehle und die Bärenstatue soll durch Gojko Mitić im September dieses Jahres eingeweiht werden. Durch Spenden seien bereits 10.000 Euro für das Vorhaben zusammen gekommen, so Wehner. Weitere Spenden seien noch nötig.
Dort, wo jetzt noch eine Informationstafel im Polenztal steht, soll die Erinnerungsstele aufgebaut werden. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel Weiterführende Links
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