Hier entstehen Arbeitsplätze in Mitteldeutschland
Inhalt des Artikels:
- Thüringen: Erweiterung des Triebwerksunternehmens N3 am Erfurter Kreuz
- Sachsen: Technologiefirma baut Superfactorry in Markranstädt bei Leipzig aus
- Sachsen-Anhalt: Weltweit einmalige Eis-Manufaktur soll in Schönenbeck entstehen
Thüringen: Erweiterung des Triebwerksunternehmens N3 am Erfurter Kreuz
Mit 1.300 Mitarbeitern ist N3 Engine Overhaul Services Arnstadt, welche Flugzeugtriebwerke am Erfurter Kreuz wartet, eine der größten Arbeitgeber der Region. 2007 hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben mit 270 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Betrieb aufgenommen. Damit hat sich die Zahl inzwischen fast verfünffacht. Und es werden weiter Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gesucht und eingestellt.
Franziska Tissen ist eine von fast 300 neuen Mitarbeitern, die in den letzten Jahren über ein Quereinsteigerprogramm zum Unternehmen kamen. "Vorher habe ich als Fachkraft für Lager-Logistik bei Rewe-Logistik gearbeitet. Ich habe eine neue Herausforderung gesucht", erklärt sie gegenüber dem MDR-Magazin Umschau. Sie arbeitet nun in einem nach Metalltarif gut bezahlten Job der Luftfahrt. Als Quereinsteigerin hat sie einen dreimonatigen Crashkurs in Sachen Flugzeugmechanik absolviert. "Da wurden uns viele Kenntnisse mitgegeben. Zum Beispiel ein Englisch-Intensivkurs und sämtliche Informationen zum Luftrecht", so Tissen. Die eigentliche Ausbildung erfolgt in der täglichen Arbeit. Erst nach Jahren sind dann auch alle Berechtigungen vorhanden, um selbständig an einem Flugzeugtriebwerk zu arbeiten.
2007 hat N3 Engine Overhaul Services Arnstadt am Erfurter Kreuz seinen Betrieb mit 270 Mitarbeitern aufgenommen.Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKÜber 300 Millionen wurden bislang seit Firmengründung in den Standort investiert. Für die jetzigen Bauarbeiten zur Erweiterung der Produktionshallen und für ein neues Logistikzentrum sind weitere 150 Millionen geplant. "Das ist ein Riesenbekenntnis zum Standort Thüringen von der Lufthansa Technik und von Rolls Roys, unsere beiden Anteilseigner. Wir haben den Auftrag, weiter zu wachsen. Wir wollen uns nahezu verdoppeln und da sind wir auf dem besten Weg. Mit der Investition schaffen wir die Grundlage dafür, dass wir bis auf 270 Triebwerke raufkommen. Im letzten Jahr waren es 160", sagt Geschäftsführer Holger Sindermann gegenüber dem MDR-Magazin Umschau.
Weitere 150 Stellen sollen mit Fachpersonal besetzt werden. "Den größten Teil finden wir natürlich regional, im Umkreis von 40 bis 50 Kilometern um Arnstadt", erklärt Paula Starkloff, Recruiterin im Unternehmen, die mit der Suche nach neuen Mitarbeitern beauftragt ist. Geschaut werde auch weltweit. Sechs Prozent der Mitarbeiter kommen nicht aus Deutschland. "Wir unterstützen auch neue Mitarbeiter dabei, nach Thüringen zu kommen", so die Recruiterin.
Sachsen: Technologiefirma baut Superfactorry in Markranstädt bei Leipzig aus
In Markranstädt bei Leipzig arbeiten heute 170 Mitarbeiter im estnischen Unternehmen Skeleton Technologies mit seiner neuen Superfactory. Im November 2025 war Standort-Eröffnung. In der letzten Ausbaustufe sollen es 450 sein. Gebaut werden dort Superkondensatoren, also spezielle Batteriespeicher produziert, die sich sekundenschnell auf- und entladen können. Das sind gefragte Puffer für Stromnetze und bei der Energieversorgung von KI-Rechenzentren.
Bei der Standortwahl setzte sich Markranstädt gegen Duzende Konkurrenten aus ganz Europa durch. Warum ging die 220 Millioneninvestition in die sächsische Kleinstadt? "Eines der Hauptkriterien ist ganz klar die Nähe zu Leipzig. Das ist ein sehr attraktiver Ort. Vor allem für internationale Talente", erklärt Geschäftsführer Linus Froböse gegenüber dem MDR-Magazin Umschau. Er lobt die logistische Anbindung durch Straßenverkehr, Flugverbindungen und Bahn. Hinzukäme die "tolle Forschungsinfrastruktur", so Froböse. "So haben wir uns dann für diesen Standort entschieden", betont er.
Yih Chyng Wu ist Entwicklerin bei Skeleton Technologies in Markranstädt bei Leipzig. "Ich denke, Leipzig ist im Osten die beste Stadt, um in Deutschland zu starten", sagt sie.Bildrechte: MDR/UmschauYih Chyng Wu aus Taiwan leitet ein internationales Team von 20 Topingenieuren in der Entwicklungsabteilung des Unternehmens. Ihre Kollegen kommen aus Deutschland, Italien, Frankreich, Armenien, Kamerun, Nigeria und Ägypten. Alles Spezialisten auf Teilgebieten, das Wissen bringen sie gemeinsam ein in die einzige Superkondensatorenfabrik Europas. Seit über einem Jahr lebt Yih Chyng in Leipzig.
Bis zur Superfactory braucht sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur gut 20 Minuten. Studiert hat sie in Taiwan, Deutschland, und Polen. Ihre Doktorarbeit schrieb sie in Frankreich. Dann arbeitete sie in Taiwan und Shanghai. Dort entdeckten sie die Recruiter von Skeleton. "Ich bin sehr glücklich, dass mein Leben in Deutschland in Leipzig begann. Leipzig ist ein Ort, in dem alle Menschen eher entspannt sind. Ich habe gehört, man nennt es auch Klein-Berlin. Ich denke, Leipzig ist im Osten die beste Stadt, um in Deutschland zu starten", so die Wissenschaftlerin gegenüber dem MDR-Magazin Umschau.
Sachsen-Anhalt: Weltweit einmalige Eis-Manufaktur soll in Schönenbeck entstehen
Die Berliner "Florida Eis"-Manufaktur soll eine Schwesterfabrik in Schönebeck in Sachsen-Anhalt bekommen. 350 Mitarbeiter aus 16 Nationen arbeiten bereits in der Manufaktur in der Hauptstadt. Mehrere Hundert Arbeitsplätze sollen nun in Schönebeck entstehen. "Da sollen schon 250, später im Schichtbetrieb bis zu 500 Menschen, problemlos Arbeit finden", sagt Manufaktur-Besitzer Olaf Höhn gegenüber dem MDR-Magazin Umschau. Nicht Maschinen, sondern Menschen mischen die Eissorten und packen es von Hand ab. "Wir wollen ja ein Genussmittel herstellen. Daher haben wir nur 0,1 Prozent Bindemittel drin und das bedarf einer schonenden Abfüllung. Sonst ist das Produkt zerdrückt", so der 72-jährige Unternehmer.
Auch das Thema Nachhaltigkeit liegt ihm am Herzen. Seine Becher sind aus abbaubarer Bambuspappe, seinen Strom erzeugt er selbst, sein Fuhrpark ist elektrisch. 2013 wurde das Unternehmen von der Bundesregierung als Klimaschutz-Musterbetrieb ausgezeichnet. Ziel in Schönebeck ist nun laut dem Landesportal Sachsen-Anhalt "die Errichtung der weltweit ersten Betriebsstätte zur CO²-freien Speiseeisproduktion."
"Der Blick nach Schönebeck, der Blick zur Elbe, ist auch ein Argument. Ein ganz kleines, aber auch wichtig", so Höhn. Die Landesbürgschaft für den millionenschweren Baukredit war sicher auch hilfreich. Im Modell gibt es die Fabrik schon. Auf den 14.000 Quadratmeter Dachfläche wird so viel Strom erzeugt, dass es für eine eigene Wasserstoffproduktion reichen wird. Das soll eine weitere Einnahmequelle werden. Ein Gewächshaus und ein Eiscafé soll geben.
Die Eisfabrik mit gläserner Besucherstrecke könnte zur touristischen Attraktion im Salzlandkreis werden. "Da wird schon Interesse vorhanden sein. Das hört man schon raus, wenn man mit dem Bürgermeister von Schönebeck spricht oder mit anderen Gruppen, die sich für den Tourismus in Schönebeck, in Magdeburg oder in Sachsen-Anhalt interessieren", schätzt Höhn ein. Er ist überzeugt, "das ist ein Vorzeigeprojekt". In spätestens drei Monaten soll in Schönebeck Baustart sein. 25 Millionen Euro will Olaf Höhn hier investieren und neue Arbeitsplätze, auch für Nichtfachkräfte, schaffen.
MDR (cbr)
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke