Europa steuert nach Einschätzung des Luftfahrtexperten Heinrich Großbongardt auf eine Kerosinknappheit zu. Großbongardt sagte MDR AKTUELL, rund ein Drittel des Flugbenzins komme aus dem Persischen Golf. "Der letzte Tanker [...] ist vorige Woche in Antwerpen oder Rotterdam angekommen." Selbst wenn die Straße von Hormus morgen wieder öffne, "dann dauert es erstmal fünf, sechs Wochen, bis überhaupt wieder das nächste Schiff hier in Europa liegt."

Sommersaison: 100.000 Tonnen Kerosin pro Tag

Heinrich GroßbongardtBildrechte: picture alliance/dpa | Christian Charisius

Bleibe die Straße von Hormus blockiert, würden die Vorräte in wenigen Wochen knapp: "Wenn sich nicht innerhalb der nächsten zwei, drei Wochen da eine Einigung ergibt, dass die Straße von Hormus wieder offen ist, dann erwischt uns das ganz kalt – und zwar mitten in der Sommersaison."

Großbongardt betonte, in der Saison steige der Kerosinbedarf auf 100.000 Tonnen pro Tag. Um Sprit zu sparen, könnten Airlines Flüge streichen oder zusammenlegen. Flugausfälle seien dann kaum zu vermeiden.

Dann erwischt uns das ganz kalt – und zwar mitten in der Sommersaison.

Heinrich GroßbongardtLuftfahrtexperte

Experte: Im Notfall haben wirtschaftlich relevante Transporte Vorrang

Zu einem geplanten Notfallplan der EU sagte Großbongardt, es werde sicherlich erst mal darum gehen sich einen Überblick zu verschaffen, wo und wieviel Kerosin noch vorhanden ist. Im Notfall werde dann entschieden, welche Flüge volkswirtschaftlich sinnvoll sind.

Das bedeute abzuwägen, was auf Langstrecken transportiert werden müsse, um Unternehmen am Laufen zu halten, zum Beispiel Logistik, Elektronik, Pharmazeutika oder Ersatzteile. "Und da kann es am Ende darauf hinauslaufen, dass man sagt: 'Also Passagiere, bleibt mal zuhause. Wir nutzen einen Teil der Flugzeuge [...], um die Unternehmen am Laufen zu halten.'"

Urlaubsflüge werden für Kurzentschlossene teurer

Großbongardt erklärte, für bereits gebuchte Flüge sollten keine zusätzlichen Kosten mehr entstehen. Wenn aber jemand kurzfristig in die Sonne fliegen wolle, "für den könnte es tatsächlich teuer werden".

Der Luftfahrtexperte geht davon aus, dass Reiselustige jetzt schnell noch Flüge innerhalb Europas buchen können. Wer aber jetzt Flugreisen nach Asien buche, solle sich das gut überlegen. "Denn da könnte es tatsächlich passieren, dass man zwar hinkommt, aber nicht wieder zurückkommt." Denn der Sprit sei da heute schon knapp.

Der Luftfahrtverband IATA rechnet wegen Kerosinmangels ab Ende Mai mit Flugausfällen in Europa. Generaldirektor Willie Walsh sagte, es brauche alternative Lieferwege und Pläne für den Fall einer Rationierung.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke