• Die Zahl der Krankenkassen zu reduzieren, würde Experteneinschätzungen zufolge kaum Kosten einsparen.
  • Denn: Verwaltungskosten sind nicht der größte Kostentreiber im Gesundheitssystem.
  • Die Vielzahl an Krankenkassen hat auch einen Vorteil für Patienten und Patientinnen.

Vor knapp einem Monat hat die Finanzkommission Gesundheit ihren Abschlussbericht vorgestellt. Darin hatte die Expertenkommission 66 Reformvorschläge erarbeitet, um die Kosten im gesetzlichen Gesundheitssystem dauerhaft zu senken. Nicht unter den Vorschlägen: die Zahl der Krankenkassen zu reduzieren.

Experten sehen kaum Einsparpotenzial durch Fusionen

Warum, erklärt Dennis Häckl, Junior Professor für Health-Economics and Management an der Universität Leipzig: "Es wurde festgestellt, dass eine Einheitskasse, wie sie beispielsweise in Österreich umgesetzt wurde, keinerlei Einsparungen mit sich bringt. Ganz im Gegenteil: In Österreich sind die Ausgaben – also, die Verwaltungsausgaben – sogar im Zeitverlauf deutlich stärker gestiegen als in Deutschland."

Österreich hatte 2020 neun Gebietskrankenkassen zur Österreichischen Gesundheitskasse fusioniert. Die Regierung hatte sich davon Einsparungen von rund einer Milliarde Euro versprochen. Stattdessen stiegen die Verwaltungsausgaben von 2020 bis 2024 um 25 Prozent. Zum Vergleich: Im deutschen System stiegen sie laut der Expertenkommission lediglich um sieben Prozent.

Verwaltungskosten sind nicht der Hauptkostentreiber

Vor diesem Hintergrund schlussfolgert der Gesundheitsökonom Häckl: "Aus meiner Sicht ziehen wir nicht so viele Einsparungen, wenn wir die Anzahl der Krankenkassen reduzieren würden. Die Verwaltungsausgaben sind jetzt momentan nicht der große Kostentreiber, den wir im System der gesetzlichen Krankenversicherung haben."

Die größten Kostenträger sind eher stationäre Krankenhausbehandlungen und Arzneimittel. Die Fusion zu wenigen großen Kassen ist laut Kommission auch kein Garant für Einsparungen: "Empirisch zeigt sich kein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Größe einer Krankenkasse und ihren Verwaltungsausgaben je Versicherten. Es gibt kleinere und größere Krankenkassen mit deutlich unter- bzw. überdurchschnittlichen Verwaltungsausgaben."

Wettbewerb zwischen Kassen sorgt für unterschiedliche Angebote

Gleichzeitig bietet die Vielzahl an Krankenkassen eine größere Auswahl für Versicherte. Jede Kasse versucht, mit Zusatzleistungen besonders attraktiv zu sein. Das betont Anne Klemm, Vorständin im Dachverband der Betriebskrankenkassen (BKK): "Was uns und die Vielzahl der Krankenkassen ausmacht, ist, dass es am Ende des Tages für jeden Versicherten, für jeden Patienten, für jede Patientin die richtige Krankenkasse gibt."

Beispielsweise könnte für eine Frau mit Kinderplanung eine Krankenkasse attraktiver sein, die besonders viele Leistungen rund um Schwangerschaft, Geburt und Babyjahr anbietet. Solche Angebote entstehen auch durch den Wettbewerb zwischen den vielen Krankenkassen.

Zahl der Krankenkassen seit Jahren rückläufig

Dass es in Deutschland so viele Krankenkassen sind, ist dabei historisch gewachsen, erklärt Klemm vom BKK Dachverband: "Historisch ist dies entstanden, da zum einen die vorausschauenden Unternehmen eigene Krankenkassen für ihre Betriebe gegründet haben – und das zum Teil auch schon deutlich, bevor Bismarck dann die gesetzliche Krankenversicherung auf den Weg gebracht hat."

Seitdem ist die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen bereits deutlich zurückgegangen. Kurz nach der Wiedervereinigung gab es in Deutschland mehr als 1.200 Krankenkassen. Durch politische Steuerung, Wettbewerb und wirtschaftliche Zwänge ist die Zahl inzwischen auf 93 gesunken. Und dieser Trend setzt sich fort – ganz ohne politische Vorgaben.

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