Sparpläne - Luftretter befürchten Bruchlandung
- ADAC: Luftrettung verkürzt Versorgungszeiten
- Johanniter befürchten Engpässe bei Ausbildung
- Bislang keine Reaktion aus Bundesgesundheitsministerium
Die Bundesregierung will die Kosten im Gesundheitssystem in den Griff bekommen und sparen. "Alle im Gesundheitssystem" sollen einen Beitrag leisten, heißt es in einem Referatsentwurf von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Zu einem Protest haben sich nun die ADAC-Luftrettung, die Luftrettung der Johanniter und die DRF-Luftrettung zusammengetan. Die drei Organisationen hoffen, dass sie die Pläne der Bundesregierung noch stoppen können.
ADAC: "Luftrettung verkürzt vor allem Versorgungszeiten"
Sparen könne man bei der Luftrettung vergleichsweise nur geringe Geldbeträge, ohne Rettungshubschrauber würden aber die Kosten insgesamt sogar steigen, erklären die Experten der Notfallorganisationen. Parallel zu den Sparplänen im Bereich der Krankenlassen-Kosten laufen eigentlich auch Reformpläne der Notfallversorgung – beides sei offenbar nicht aufeinander abgestimmt, beklagt Aron Erd, Experte für die Luftrettung beim ADAC, denn die Reform der Notfallversorgung sehe eigentlich ganz im Gegenteil eine Stärkung der Luftrettung vor.
Erd sagte, Luftrettung verkürze vor allem Versorgungszeiten. Man sei sehr schnell an der Einsatzstelle. Die Crew aus einem Notarzt, einem Notfallsanitäter und einem Piloten sei sehr schnell vor Ort und könne schnellstmöglich eine Patientenversorgung vornehmen. Es gebe jetzt schon weniger Notaufnahmen und es werde in Zukunft noch weniger Notaufnahmen geben.
Der Luftrettungsexperte ergänzte, die Transportstrecken würden in Zukunft deutlich länger werden und das könne letztlich nur die Luftrettung ausgleichen, weil nur die Luftrettung in der Lage sei, große Strecken mit hoher Geschwindigkeit in einer vernünftigen Zeit zu absolvieren.
Nur die Luftrettung ist in der Lage, große Strecken mit hoher Geschwindigkeit in einer vernünftigen Zeit zu absolvieren.
Johanniter befürchten Engpässe bei Ausbildung
Kevin Grigorian, bei Johannitern zuständig für Rettung und medizinische Dienste, sagte dazu, das hochqualifizierte Personal müsse nicht nur professionell in Notfallsituationen arbeiten, sondern auch dafür trainieren. Teurer werdendes Flugbenzin und begehrte Fachkräfte könne man nicht finanzieren, wenn künftig weniger gezahlt werde.
Die Kalkulationen seien darauf ausgelegt, dass nach Flugminuten abgerechnet werde. Nichtsdestotrotz sei es bisher immer ein Istkostenausgleich und hier bestehe aktuell die Gefahr, dass diese Kosten nicht mehr refinanziert würden.
ADAC sieht drohende Defizite in Millionenhöhe
Aron Erd vom ADAC zeigt sich ratlos, wie die Rettungsflieger ohne das nötige Geld weiterfliegen sollen und sagt, das würde Defizite in einem hohen Millionenbetrag bedeuten. "Wir müssen uns überlegen, wie wir diese Defizite in Zukunft ausgleichen können und so richtig eine Lösung haben wir tatsächlich aktuell noch nicht."
Erd betont, es könne wirklich um die Existenz der Luftrettung gehen. Hier stelle man sich die Frage, ob dieses System noch so aufrechterhalten, wie es eigentlich von staatlicher Seite aus gedacht sei und einen sehr, sehr hohen Mehrwert auch für die Patientenversorgung in Deutschland leiste, noch aufrecht zu erhalten sei.
Johanniter hoffen auf Nachbesserungen
Kevin Grigorian von den Johannitern sieht noch immer Chancen, die Luftrettung zu retten und sagt, man habe sehr große Hoffnung, dass hier noch nachgesteuert werde, weil die aktuellen Entwürfe, wie sie im Referentenentwurf stehen, gravierende Folgen für die Luftrettung, aber auch insgesamt für den Rettungsdienst in Deutschland hätten.
Die aktuellen Entwürfe hätten gravierende Folgen für die Luftrettung und den gesamten Rettungsdienst in Deutschland.
Bislang keine Reaktion aus dem Bundesgesundheitsministerium
Das Bundesgesundheitsministerium hat bisher auf die Kritik der Luftrettungsorganisationen nicht reagiert. Ministerin Warken sprach aber bei der Ankündigung ihrer Pläne von einem "ausgewogenen Gesamtpaket", alle Leistungsbereiche müssten ihren Beitrag leisten. Man könne nicht mehr ausgeben als man einnehme, sagte Warken und verwies auf mögliche Anpassungen, die es im Gesetzgebungsverfahren noch geben könne.
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