Experte: Stiftung Warentest durch Influencer bedroht
Der Verbraucherexperte Christian Thorun vom Berliner Institut ConPolicy sieht die führende Rolle der Stiftung Warentest bei der Bewertung von Produkten und Dienstleistungen durch das Internet bedroht. Thorun sagte MDR AKTUELL, Verbraucher würden sich heutzutage vermehrt an Influencern oder Vergleichsportalen orientieren. Auch Künstliche Intelligenz spiele für Bewertungen eine zunehmend wichtige Rolle: "Verbraucher greifen immer mehr auf Chatbots wie ChatGPT zurück, auch bei Konsumentscheidungen." Die Stiftung Warentest müsse deshalb aufpassen, im digitalen Zeitalter relevant zu bleiben.
Verbraucher greifen immer mehr auf Chatbots wie ChatGPT zurück, auch bei Konsumentscheidungen.
Experte: Stiftung Warentest wegen Glaubwürdigkeit weiter bedeutsam
Dennoch glaubt Thorun, dass die Stiftung auch künftig eine wichtige Rolle spielen werde, insbesondere deshalb, weil die Tests glaubwürdig seien. Die Stiftung arbeite hochseriös und führe die Tests nach strikten Standards durch. Den Vergleichsportalen warf Thorun hingegen vor, die Ergebnisse der Stiftung als ihre eigenen zu vermarkten.
Auch bei Influcencern oder Chatbots sei nicht in jedem Falle klar, nach welchen Standards sie arbeiteten. Man sollte, so Thorun, "mit einer gesunden Skepsis da rangehen, weil man nicht genau nachvollziehen kann, nach welchen Maßstäben tatsächlich die KI zu irgendwelchen Empfehlungen gekommen ist". Zudem stelle sich bei Influencern die Frage, ob diese unabhängig seien oder für ihre Bewertungen bezahlt würden.
Man sollte mit einer gesunden Skepsis da rangehen, weil man nicht genau nachvollziehen kann, nach welchen Maßstäben tatsächlich die KI zu irgendwelchen Empfehlungen gekommen ist.
OLG Frankfurt verurteilt Stiftung wegen falschem Testergebnis
Auch durch das jüngste Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt sieht Thorun die Glaubwürdigkeit der Stiftung Warentest nicht bedroht. Das OLG hatte die Stiftung wegen eines falschen Testergebnisses verurteilt und entschieden, die Bewertung eines Rauchmelders der Firma Pyrexx aus dem Jahr 2020 sei geeignet gewesen, dem Ruf des Unternehmens zu schaden. Die Tester waren damals zu dem Ergebnis gekommen, dass der Rauchmelder zu lange gebraucht habe, um Alarm zu schlagen. Stiftung Warentest vergab daraufhin die Note "mangelhaft".
Doch Pyrexx zweifelte das Ergebnis an – zurecht, wie sich herausstellte. Die Stiftung Warentest, die den beanstandeten Test bereits 2024 zurückgezogen hatte, erklärte nun, das von ihr beauftragte Prüfinstitut sei ohne Rücksprache von der Prüfnorm abgewichen. Das Gericht sprach dem Berliner Rauchmelder-Hersteller einen Ausgleich für seine wirtschaftlichen Einbußen zu.
Aus Sicht von Thorun handelt es sich hier aber um einen Einzelfall: Im Vergleich zur Masse an Tests gebe es nur wenige Klagen, die vor Gericht gingen, und die wenigsten davon seien erfolgreich für die Kläger. Daran könne man absehen, wie solide die Stiftung Warentest arbeite und dass "hier wirklich Profis am Werk" seien.
MDR/dpa/AFP (mze)
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke