• E-Bikes und die Anzahl der Radfahrer steigern das Risiko für Unfälle.
  • Laut ADFC könnten tödliche Radunfälle nur vermieden werden, indem der Verkehr von Auto, Rad und zu Fuß besser getrennt wird.

Ungarn, Kroatien, Litauen, Norwegen, Polen, Bulgarien und 15 weitere europäische Länder stehen im aktuellen Bericht des Europäischen Verkehrssicherheitsrats besser da als Deutschland. In all diesen Ländern sind in den vergangenen Jahren weniger Menschen bei Fahrradunfällen ums Leben gekommen als in Deutschland. 441 tödliche Unfälle waren es 2024 in der Bundesrepublik – zwölf Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

E-Bikes und ältere Radfahrer bergen Risiko

Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung führt diese Entwicklung auf die stark gestiegene Zahl der Radfahrer zurück. Den Anstieg der tödlichen Fahrradunfälle in Deutschland macht er aber auch daran fest, dass immer mehr Menschen mit motorisierten Rädern unterwegs seien. Mit dem E-Bike könne man wesentlich höhere Geschwindigkeiten erreichen als früher.

Außerdem würden nun sehr viele Menschen jenseits der 70 und der 80 das Fahrrad benutzen, die früher gar nicht mehr Fahrrad gefahren wären. "Das ist einerseits eine gute Nachricht. Die haben eine neue Mobilität, aber sie sind auch mehr gefährdet, weil sie altersbedingte Defizite haben."

Unfallexperte: Zahlen müssen genau eingeordnet werden

Den Bericht des Europäischen Verkehrssicherheitsrats sieht Brockmann kritisch. Der würde eben nicht all diese Faktoren berücksichtigen, sondern vor allem die absoluten Zahlen der Todesfälle aus den verschiedenen Ländern miteinander vergleichen. Und die seien in Deutschland vergleichsweise hoch. Perfekt sei das keineswegs, doch man müsse eben im Blick, dass sehr viele Radfahrer dazugekommen seien, erklärt Brockmann.

ADFC: Mehr getrennte Infrastruktur

Beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club ist man anderer Meinung. Der Vorsitzende des ADFC in Sachsen-Anhalt, Stephan Marahrens, hält weiter an der Vision Zero fest: "Unseres Erachtens geht es darum, die Infrastruktur so zu gestalten, dass wir irgendwann mal auch wirklich über null Verkehrstote reden können. Das muss das Ziel sein. Insofern kann ich verstehen, dass die Statistik so eingeordnet wird. Für uns kann das aber nicht befriedigend sein, dass die absoluten Zahlen trotzdem gestiegen sind."

Marahrens fordert, dass das Radwegenetz in Deutschland weiter ausgebaut und vor allem sicherer wird – zum Beispiel mit mehr Radwegen, die vom Rest des Verkehrs baulich abgetrennt sind: "Die Infrastruktur der Zukunft muss so aussehen, dass alle Verkehrsteilnehmenden – seien sie in Fahrzeugen, zu Fuß oder auf dem Fahrrad – ihren eigenen Raum haben."

Die Infrastruktur der Zukunft muss so aussehen, dass alle Verkehrsteilnehmenden – seien sie in Fahrzeugen, zu Fuß oder auf dem Fahrrad – ihren eigenen Raum haben.

Stephan MarahrensADFC Sachsen-Anhalt

Das führe zu einem Sicherheitsgefühl, in dem sich jeder fortbewegen könne, ohne dass andere Personen Einbußen erleiden müssten. Wo das nicht möglich ist, sei es wichtig, dass alle Verkehrsteilnehmer wieder mehr Rücksicht aufeinander nehmen – damit im Optimalfall am Ende niemand verletzt wird und die Zahlen in der Unfallstatistik wieder sinken.

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