"Wichtig für uns alle": Warum Streuobstwiesen erhalten werden müssen
Inhalt des Artikels:
- Äpfel, Birnen, Mispeln: Alte Sorten und neue Pflanzungen
- Bis zu 100 Jahre alt: Streuobstwiesen als gewachsene Kulturlandschaft
- Vom Versorgungsauftrag zum Zukunftsraum für Wasser und Klima
- Streuobstwiese: ein Hotspot der Artenvielfalt
- Mitmachen statt zuschauen: Streuobstwiesen brauchen Alle
Silke Hausdorf steht auf einer der vier Streuobstwiesen rund um die Klosterruine in Altzella. Hausdorf organisiert hier Führungen und kulinarische Events. In dieser bildschönen Landschaft im Meißener Landkreis stehen ungefähr vierzig Obstbäume, die gerade anfangen, zu blühen.
Äpfel, Birnen, Mispeln: Alte Sorten und neue Pflanzungen
Im Laufe des Sommers werden hier unterschiedliche Obstsorten reif, erklärt Hausdorf. Die Hauptsorte hier: "Tatsächlich Äpfel, wir haben aber auch Birnen. Wir haben neu gepflanzt Mispeln, wir haben Quitten, Pflaumen, Wildpflaumen, vieles dabei".
Einige Bäume stehen hier schon seit 50 Jahren. Grundsätzlich können Obstbäume bis zu 100 Jahre alt werden, erklärt Carsten Simank vom Naturschutzbund (Nabu) Sachsen. Er koordiniert ein deutschlandweites Projekt, das den Wert der Streuobstwiese wieder in den gesellschaftlichen Diskurs bringen soll. Es heißt "Gemeinsam für Streuobst-Paradise" und will Streuobstwiesen als wertvolle Biotope im gesamten Bundesgebiet erhalten und fördern.
Bis zu 100 Jahre alt: Streuobstwiesen als gewachsene Kulturlandschaft
Inzwischen gibt es nicht mehr so viele Streuobstwiesen wie noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Ulrike Schade vom Thüringer Unesco-Biosphärenreservat Rhön zufolge sind viele der alten Streuobstwiesen nach dem Ersten Weltkrieg entstanden.
Vom Versorgungsauftrag zum Zukunftsraum für Wasser und Klima
Streuobstwiese in Altzella. Viele solcher Wiesen wurden nach dem Ersten Weltkrieg zur Versorgung der Menschen im Ort angelegt.Bildrechte: Juliane Schikade, Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen"Es war ein Versorgungsauftrag", sagt Schade. "Jede Kommune hat den Auftrag bekommen, eine Streuobstwiese anzulegen, um sich mit diesem Obst gesund zu halten." Deswegen seien die Streuwiesen teilweise mehr als 100 Jahre alt und enthielten die alten regionalen Obstbaumsorten. "Und, sie liefern aber heute eigentlich einen Lebensraum, der ganz klug ist", – und zwar mit Blick auf den Klimawandel. "Sie sind nicht nur ein Lebensraum, sondern auch für uns alle ein ganz, ganz wichtiger Raum, um zukünftig das Wasser in der Region zu halten."
Die Bäume liefern Schatten, um den Boden vor dem Austrocknen zu schützen, viele Tierarten fühlen sich im hohen Gras wohl. Die Wiesen mit ihren hohen Obstbäumen bilden einen Lebensraum für viele Arten – Neuntöter, Rosenkäfer, Hummeln, Bienen, Spechte, Eulen und Steinkauze. Fledermäuse sind auf der Roten Liste und besonders gefährdet.
Streuobstwiese: ein Hotspot der Artenvielfalt
Laut Naturschutzbund sind bundesweit rund 5.000 Arten in den Streuobstwiesen vertreten. Ihre Lebensräume nehmen allerdings rasant ab, gibt Carsten Simank vom Nabu zu bedenken: "Man kann sagen: In den vergangenen 50 Jahren sind ungefähr 80 Prozent der Streuobstwiesen in Deutschland verschwunden." Gesellschaftlicher Flächenverbrauch sei ein Grund, größtenteils, mangelnde Pflege, mangelnde Nachpflanzung ein anderer.
Eben diese besondere Biodiversität geht verloren, wenn solche Lebensräume verschwinden. Und ist schwierig auszugleichen, meint Schade vom Thüringer Verwaltung Unesco-Biosphärenreservat Rhön. "Wichtig ist es deswegen, diese alten Streuobstwiesen zu erhalten".
Die Streuobstwiesen bieten vielen, auch gefährdeten Arten gute Wachstumsmöglichkeiten.Bildrechte: Juliane Schikade, Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten SachsenMitmachen statt zuschauen: Streuobstwiesen brauchen Alle
Für Schade und Simank ist es deshalb wichtig, auf die Menschen zuzugehen. Unter anderem über eine farbliche Kennzeichnung. "Die Bäume, die man pflücken darf, [werden] für die Bevölkerung mit einem gelben Band gekennzeichnet", erläutert Schade.
Auch der Nabu setzt auf Öffentlichkeitsarbeit; kooperiert unter anderem mit Bildungseinrichtungen. Hier lernen Schulklassen oder Kita-Kinder, wo sich kleinste Tiere ihren Lebensraum einrichten und wie die Jahreszeiten die Bäume prägen. Oder organisiert Kurse für Erwachsene – wie einen Baumschnittkurs vergangenes Wochenende – der erste von womöglich vielen, denn: Die Nachfrage sei groß gewesen, sagt Simank. Schon jetzt besonders beliebt: die Sensenkurse. Dabei kann jeder, der Sensen möchte, die Frühjahrsmahd auf der Streuobstwiese unterstützen.
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