Timothy Lenton forscht an der Universität Exeter zu Kipppunkten, gehört zu den führenden Experten auf dem Gebiet. Damit die hehren Ziele des globalen Biodiversitätsrahmens von Kunming-Montreal bis 2030 erzielt werden können, müsse einiges passieren. Die Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung der Natur müssten radikal beschleunigt werden. Dabei könnten positive Kipppunkte helfen, so Lenton.

Schnelle Transformation

"So wie menschliche Aktivitäten zu negativen Kipppunkten führen können, können wir auch positive Kipppunkte herbeiführen, um eine großflächige Erholung der Natur anzustoßen", erklärt der Wissenschaftler in einem neuen Artikel, in dem er diverse Belege zu solchen "positiven Kipppunkten" ausmacht.

Er hebt potenzielle Momente hervor, in denen eine kleine Veränderung eine schnelle, oft unumkehrbare Transformation auslöst – in der Natur, in menschlichen Gesellschaften und in Bereichen, in denen beides zusammenkommt.

Vier Wendepunkte

Lenton unterscheidet vier wesentliche Arten positiver Wendepunkte für die Natur: Erholung von Ökosystemen, Sozioökologische Systeme, Naturfreundliche Initiativen und Konsumverhalten.

Ökosysteme hätten sich etwa durch die Wiederansiedlung von Fleischfressern erholt, Fangquoten den Fischbestand in der Nordsee aufgebessert, eine Initiative für das Pflanzen von Bäumen hat sich von Tansania rasch bis nach Indien ausgebreitet. Und ein Umdenken im Fleischkonsum des Menschen würde die Landwirtschaft verändern, und damit der Natur helfen. Lenton hebt auch starke "ausgleichende Rückkopplungen" hervor, die einer Ernährungsumstellung entgegenwirken. So fließen in der EU beispielsweise viermal so viele Agrarsubventionen in tierische wie in pflanzliche Produkte.

Und drei Hebel

Damit die Wendungen entstehen können, nennt der Erdsystemforscher drei Hebel: die Förderung des kollektiven Online-Lernens in Gruppen, die naturpositive Maßnahmen ergreifen, die angemessene Bewertung der Natur in der Wirtschaft sowie die Hinwendung zu einer "ökozentrischen" Weltanschauung.

"Die Änderung des ethischen und rechtlichen Status der Natur ist ein wirkungsvoller praktischer Schritt, um naturpositive Maßnahmen zu untermauern", erklärt Lenton. "Ein solcher Paradigmenwechsel könnte der wirksamste Hebel für einen naturpositiven Systemwandel sein." Positive Kipppunkte seien dennoch kein Allheilmittel, aber ein mächtiges Werkzeug für eine regenerative Zukunft. Die Herausforderung bestehe darin, Hebel gezielt zu aktivieren und zögerliches Verhalten zu überwinden.

Link zur Studie

Der Artikel "Positive tipping points for nature" ist im Journal "Nature Sustainability" erschienen.

pm/jar

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