Der Wissenschaftsstandort Mitteldeutschland kann auf umfangreiche Investitionen in die Spitzenforschung hoffen: Der Wissenschaftsrat, das zentrale Beratungsgremium zur deutschen Forschungspolitik, hat empfohlen, vier neue Forschungsbauten in Deutschland mit insgesamt rund 271 Millionen Euro zu fördern. Besonders im Fokus stehen Jena und Dresden, die mit drei der vier Projekte ganz vorn dabei sind. Allen ausgewählten Plänen bescheinigt der Wissenschaftsrat ein herausragendes wissenschaftliches Innovationspotenzial sowie eine hohe gesellschaftliche Relevanz.

Vier von sieben. Davon drei in Mitteldeutschland

Insgesamt sieben Vorhaben hatten sich um die Förderung beworben. Vier davon erhielten nach Begutachtung die Bestnote "herausragend" – Voraussetzung für eine Empfehlung an die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK), die nun über die Finanzierung entscheidet. Ziel des Förderprogramms ist es, Infrastrukturen zu unterstützen, die neue wissenschaftliche Ansätze ermöglichen und den internationalen Wettbewerb stärken

Dresden: Forschung an den Grundlagen lebender Materie

An der Technischen Universität Dresden soll mit dem geplanten Center for the Organization of Living Matter (COLM) eine Forschungsinfrastruktur entstehen, die sich grundlegenden Fragen der belebten Natur widmet. Im Zentrum steht die Untersuchung physikalischer Prinzipien, die bestimmen, wie sich lebende Materie organisiert – von einzelnen Zellen bis hin zu komplexen biologischen Systemen. Der interdisziplinäre Ansatz verbindet Physik, Chemie, Biologie, Mathematik, Medizin und Informatik und knüpft an bestehende Exzellenzstrukturen in Dresden an. Der Wissenschaftsrat sieht hier großes Potenzial für grundlegende Erkenntnisse mit langfristiger Bedeutung für Medizin, Biotechnologie und Materialforschung.

Jena gleich zweimal erfolgreich

Besonders stark schneidet Jena ab: Die Friedrich‑Schiller‑Universität ist gleich mit zwei empfohlenen Forschungsbauten vertreten. Das geplante Center for Systemic Regulation of Brain Circuits and Social Behavior (SysBrain) widmet sich den biologischen Grundlagen mentaler Gesundheit. Untersucht werden soll, wie Hirnnetzwerke mit dem gesamten Organismus und mit Umweltreizen zusammenwirken. Ziel ist es, neue Ansätze zum Verständnis psychischer Erkrankungen zu entwickeln – ein Forschungsfeld, das angesichts steigender psychischer Belastungen zunehmend an gesellschaftlicher Bedeutung gewinnt.

Ebenfalls in Jena ist das Imaginamics Center geplant. Hier wollen Forschende mehr über soziale Imagination bearfahrenschäftigt – also gemeinsame Bilder, Erzählungen und Symbole, die gesellschaftlichen Zusammenhalt prägen. Der Wissenschaftsrat hebt die besondere gesellschaftliche Relevanz des Vorhabens hervor, da Fragen nach sozialer Kohäsion, Polarisierung und demokratischer Stabilität aktueller denn je sind.

Niedersachsen ist das dritte Bundesland neben Sachsen und Thüringen

Neben den Projekten in Jena und Dresden wurde auch ein Forschungsbau in Niedersachsen empfohlen. Die Universität in Oldenburg will in einem "Virtual-Reality-Dome" das Flugverhalten und die Sinnesreaktionen von Vögeln und Insekten untersuchen.

Entscheidung liegt nun bei der GWK

Mit seiner Entscheidung unterstreicht der Wissenschaftsrat die hohe Leistungsfähigkeit der deutschen Wissenschaftslandschaft – insbesondere in Mitteldeutschland. Ob und in welchem Umfang die Projekte tatsächlich realisiert werden können, entscheidet nun die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern. Für Jena und Dresden würde eine Förderung nicht nur erhebliche Investitionen bedeuten, sondern auch eine weitere Stärkung ihrer Rolle als international sichtbare Wissenschaftsstandorte.

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Zur Stellungnahme: Empfehlungen zur Förderung von Forschungsbauten (Förderphase 2027) (Drs. 3118-26), April 2026

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