Warum Wohnungen als WGs teurer vermietet werden
- Weil zuletzt weniger Wohnungen gebaut wurden und die Nachfrage weiterhin hoch ist, steigen auch die Preise für WG-Zimmer.
- Vermieter verlangen bei Wohngemeinschaften oft mehr Geld, weil sie mit höherem Aufwand und mehr Verschleiß rechnen.
- Mehr Wohnheime für Studierende könnten eine Lösung sein.
Je nach Berechnung sind WG-Zimmer noch teurer, als Simone Sittmann annimmt. In Leipzig liegt die Warmmiete für ein 20-Quadratmeter-Zimmer bei durchschnittlich 434 Euro pro Monat, in Dresden bei 435 und in Jena bei 452 Euro. Das zeigen Zahlen aus dem aktuellen MLP Studentenwohnreport.
Weniger Neubauten bei weiterhin hoher Nachfrage
Michael Voigtländer vom Institut der Deutschen Wirtschaft hat die Analyse miterstellt. Die Preise erklärt er so: "Wir haben eine ausgeprägte Wohnungsknappheit. Die Fertigstellungszahlen sind in diesem und auch im letzten Jahr noch einmal besonders stark runtergegangen." Gleichzeitig sei die Nachfrage nach wie vor sehr hoch.
Außerdem gibt es laut Voigtländer gerade in Städten wie Leipzig, Dresden oder Jena noch ein gewisses Nachholpotenzial – zumindest verglichen mit vielen westdeutschen Regionen, wo die Mieten für WG-Zimmer noch immer deutlich höher sind.
Höhere Preise durch mehr Aufwand
Aber egal, ob West oder Ost: Oft verlangen Vermieter für WGs mehr Geld, als wenn sie dieselbe Wohnung einzelnen Mietern überlassen würden. Das bestätigt René Hobusch, Präsident des Eigentümerverbands "Haus & Grund Sachsen".
Bei WGs sei allerdings auch der Aufwand höher – angefangen damit, dass mit jedem Auszug ein neuer Mietvertrag geschlossen werden müsse. "Dann ist es natürlich auch aufgrund der Risiken, der höheren Abnutzung schon gerechtfertigt, eine höhere Miete zu verlangen als vielleicht die Miete, die man von einer Familie verlangen würde, wo man eben nicht mit drei oder vier Mietern konfrontiert ist", erklärt Hobusch.
Studierende durch hohe Wohnkosten besonders belastet
Die WG-Mieten belasten vor allem Studierende. Sie geben laut Statistischem Bundesamt mehr als die Hälfte ihres Einkommens fürs Wohnen aus. Zumindest für Bafög-Empfänger verspricht die Bundesregierung Hilfe: Ab dem Wintersemester soll ihre Wohnpauschale von 380 auf 440 Euro steigen.
In der Regierungspartei SPD halten das viele für zu wenig – auch Mareike Engel, Vize-Chefin der SPD-Jugendorganisation Jusos: "Das orientiert sich nicht an reellen Mieten. Ich glaube, in wenigen Städten in Ostdeutschland sind das noch Preise, die aufgerufen werden. Und gleichzeitig ist der Kreis der Menschen, die Bafög oder die Wohnkostenpauschale beziehen können, super klein." Nur etwa 15 Prozent aller Studierenden erhalten derzeit Bafög.
Eigentümerverband: Mehr Wohnheime als Lösung
Mehr Geld für insgesamt mehr Berechtigte – das hält auch Michael Voigtländer vom Institut der Deutschen Wirtschaft deshalb für eine gute Idee.
Andere Vorschläge, die der SPD-Nachwuchs vertritt, gehen ihm dagegen zu weit, etwa strengere Regeln bei der Mietpreisbremse. "Vermieter bieten weniger an, verkaufen vielleicht auch eher an Selbstnutzer und es nimmt die Lust am Investieren an diesen Standorten. Von daher ist es auf Dauer keine Lösung, sondern verschärft eher die Wohnungsmarktlage."
Am wichtigsten ist es Voigtländer zufolge, neue Wohnheime zu bauen. Bundesbauministerin Hubertz hat angekündigt, das Fördergeld dafür ab nächstem Jahr auf eine Milliarde Euro pro Jahr zu verdoppeln. Das heißt aber auch: Bis die Ersten in die neuen Wohnheime einziehen, wird es noch etwas dauern.
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