• Das Roadmovie erzählt von Buschi und Hitaro, zwei Fremde, die zusammen durch Deutschland reisen.
  • Der Leipziger Regisseur Thomas Stuber erzählt damit ein stimmungsvolles Märchen.
  • Der lakonische Humor erinnert unseren Rezensenten an Filme von Jim Jarmusch.

Wasserspiele – davon träumt Stefan Busch, genannt Buschi, der mit Downsyndrom in einer betreuten Wohngemeinschaft lebt. Stundenland kann er einfach dem laufenden Wasserhahn zuschauen – bis ihn seine Betreuerin mal wieder suchen kommt.

Wenn Buschi sich von etwas ablenken lässt, muss ihm seine Betreuerin Nicole (Bettina Stucky) meistens nachlaufen. Bildrechte: Felix Abraham / Pandora Film

Wasser zieht ihn magisch an, doch weil er nicht schwimmen kann, darf er nicht mit ins Schwimmbad. Und auch sonst erlebt Buschi wenig. Seine Arbeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen beherrscht er perfekt. Jeder Handgriff sitzt. Abwechslung und Abenteuer findet er höchsten in Filmen.

Abenteuerliche Reise von Köln nach Bern über Weimar und Dresden

Eines Tages – seine Kölner Wohngruppe spaziert gerade über die trubelige Hohenzollernbrücke – schließt sich Buschi unbemerkt einer japanischen Reisegruppe an und steigt mit in den Bus. Die Türen schließen sich und der Bus rollt in Richtung Weimar. Das Roadmovie beginnt – und damit die unwahrscheinliche Freundschaft zwischen Buschi, der niemals spricht, und dem schweigsamen Japaner Hideo Kitamura, der sich stets hinter seiner Sonnenbrille versteckt.

In Mitteldeutschland wechseln Buschi (Aladdin Detlefsen) und Hideo (Kanji Tsuda) das Fahrzeug und fahren zu zweit weiter.Bildrechte: Felix Abraham / Pandora Film

Leipziger Regisseur Thomas Stuber ändert die Optik

"Der Frosch und das Wasser" ist der erste Kinofilm des Leipziger Regisseur Thomas Stuber nach dem Ende seiner Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Clemens Meyer. Mit "Herbert" (2015), "In den Gängen" (2018) oder "Die stillen Trabanten" (2022) hatten sie für die Leinwand einen spezifischen Ton angeschlagen: melodramatisch, melancholisch – prekäre Lebensverhältnisse in nächtlichen Stimmungen. Nun hat Stuber die Nacht gegen den Tag getauscht.

Regisseur Thomas Stuber hat mehrere Filme in seiner Heimatstadt Leipzig gedreht – darunter "Die stillen Trabanten" nach dem Erzählband von Clemens Meyer.Bildrechte: IMAGO / Future Image

Der Film entstand auf der Grundlage einer Idee des Bremer Theatermaches Gotthart Kuppel, der im "Blaumeier-Atelier" Bremen mit Darstellenden mit Behinderung arbeitet. Es ist eine märchenhafte und hoffnungsvolle Geschichte. Farbenfrohe, sommerliche Bilder begleiten die Reise, die über Weimar, Dresden und dann später den Rheinfall bei Schaffhausen bis nach Bern führt. Das bringt auch eine neue cinematische Perspektive auf die Landschaften und Städte, die auf der Strecke liegen.

Freundschaft für die Ewigkeit: so groß wie Goethe und Schiller

Fast nebenbei schafft Stuber dabei symbolische Bilder, die zum Nachdenken und Schmunzeln anregen. Etwa als Buschi in Weimar vor dem berühmten Goethe-Schiller-Denkmal schließlich doch auffällt und aufgefordert wird, die Gruppe zu verlassen. Doch der hochgewachsene Hideo stellt sich schützend zu ihm.

Unter den Blicken von Goethe und Schiller in Weimar bahnt sich eine neue große Freundschaft an, die allerdings auch ohne Worte auskommt.Bildrechte: Felix Abraham / Pandora Film

Gerade sprachen der Reiseleiter und der japanische Übersetzer über den realen Größenunterschied zwischen Goethe und Schiller – den bilde das Denkmal nicht mit ab. Da sticht umso mehr der Größenunterschied zwischen den beiden Personen ins Auge, die nun vor dem Denkmal stehen und mit auf die Fotos der Reisegruppe kommen: zwei für die Ewigkeit.

Im Hotelzimmer versucht Hideo mit Hilfe von Origami-Kunst noch, das japanische Wort für Frosch zu vermitteln, nachdem Buschi sich ganz selbstverständlich bei ihm einquartiert hat. Danach reisen sie auf eigene Faust weiter. Buschi spendet Hideo unterwegs Trost, weil der um seinen Bruder trauert, während er selbst Japan als Sehnsuchtsort entdeckt. Schließich bedeutet "Bushi" dort auch Samurai, und zu einem solchen wird er im Laufe des Filmes tatsächlich auch.

In einem Hotel, auf dem Weg nach Schaffhausen, entscheidet sich für die Protagonisten, ob sie zusammenbleiben oder nicht.Bildrechte: Felix Abraham / Pandora Film

Jim Jarmusch lässt Grüßen

Der lakonische Witz, die Langsamkeit und die stark reduzierte Handlung erinnern an Filme von Jim Jarmusch. Auch bei ihm geht es ja oft um Zufallsbegegnungen, um Menschen, die zusammen wachsen. Eine Nebenhandlung um die verzweifelte Betreuerin, die ihnen nachreist, hätte sich der Film bei diesem Fokus auf die Zweiergeschichte konsequenterweise sparen können.

Aladdin Detlefsen spielt im Bremer "Blaumeier-Atelier" Theater und ist nun in seiner ersten Kino-Hauptrolle zu sehen.Bildrechte: Mia Tohver / Pandora Film

Es tut gut, einen Film zu sehen, der nicht das Trennende, sondern das Verbindende betont. Handlungslogik ist da nicht so wichtig. Hauptsache die Chemie stimmt. Und das tut sie: zwischen dem Bremer Darsteller Aladdin Detlefsen als Buschi und dem Japaner Kanji Tsuda, der auch in Wirklichkeit kein Deutsch spricht. Für ihre stumme Kommunikation wurden sie auf dem Black Nights Film Festival in Tallin als beste Darsteller ausgezeichnet.

Mehr Informationen zum Film

"Der Frosch und das Wasser"
Deutschland/ Schweiz 2025

Länge: 113 Minuten
Regie: Thomas Stuber
Darsteller: Aladdin Detlefsen, Kanji Tsuda, Bettina Stucky

Kinostart am 30. April 2026

Redaktionelle Bearbeitung: lm

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