• Görlitz und Zgorzelec wünschen sich eine weitere Brücke, die beide Städte verbindet.
  • Historisch gab es einmal viel mehr Brücken als heute.
  • Die Finanzierung dieser und andere Brücken nach Polen ist unklar.

Im Norden von Görlitz, an der Landstraße unweit eines Klärwerks, wünscht sich Octavian Ursu eine neue Brücke. Der Oberbürgermeister steht an der Neiße, die hier Deutschland von Polen trennt. Das Wasser fließt und Ursu träumt von der neuen Verbindung nach drüben, nach Zgorzelec, das bis 1945 ein Teil von Görlitz war. "Wir sind eine Stadt in zwei Ländern", sagt Ursu. "Wir haben auf deutscher Seite 5.000 polnische Bürger, die hier wohnen und arbeiten, deren Familie aber zum Teil im benachbarten Zgorzelec leben." Deswegen brauche es die Brücke.

Eine zusätzliche Straße über die Neiße könnte auch den Stau in Görlitz reduzieren. Bestehende Brücken sind überlastet durch Pendler und Tanktouristen. Dass eine weitere Flussquerung keine maßlose Forderung ist, zeigt der Gang ins Ratsarchiv. Im historischen Gewölbe hat Archivar Siegfried Hoche eine Karte von 1928 ausgebreitet. Hoche deutet auf sieben Brücken, die in Görlitz einst über die Neiße führten. Heute sind es in den historischen Stadtgrenzen drei. Immerhin. Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 gab es gar keine Brücke mehr.

"Die Stadt ist ja erst in der Nacht vom 7. zum 8. Mai von der Roten Armee besetzt worden", erklärt Hoche. "Und die abziehende deutsche Wehrmacht hat alle Brücken gesprengt. Das war in Kriegszeiten durchaus üblich. Aber eben schmerzhaft für die Stadt. Und dann entstand an der Neiße eine Staatsgrenze. Da war der Bedarf dann auch viel geringer."

Halb so viele Brücken an Oder und Neiße wie vor dem Krieg

Der DDR genügten wenige Verbindungen nach Polen. Erst mit der Osterweiterung der EU wuchs der Wunsch nach deutlich mehr Brücken über Oder und Neiße. Doch in vielen Fällen blieb die Formulierung von den "Brücken nach Osteuropa" Sonntagsgerede. Über die gesamte Grenze hinweg kann man Oder und Neiße heute über fünfzig Brücken queren. Das sind in etwa halb so viele wie vor dem Zweiten Weltkrieg. Nach Frankreich führen von Deutschland aus viel mehr Wege – diese allerdings meistens über Land.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke fordert deshalb für den Brückenbau mehr Unterstützung vom Bund. Schon auf der Infrastrukturkonferenz Ostdeutschland im März warb der SPD-Politiker dafür, die Infrastrukturmilliarden auch dafür einzusetzen, für Auto- und Eisenbahnbrücken zum Wohle der Wirtschaft in den Grenzregionen. "Da etwas zu tun, würde uns wirklich helfen", sagte Woidke. "Es würde übrigens auch Deutschland helfen, wenn wir Osteuropa ein bisschen stärker nach Deutschland ranziehen."

Unklare Finanzierung

Der Bürgermeister von Zgorzelec Rafał Gronicz und der Oberbürgermeister von Görlitz Octavian Ursu sind sich einig: Über die Neiße braucht es neue Brücken.Bildrechte: MDR/Geißler

Doch bislang will der Bund kein weiteres Geld geben. Brücken kosten Millionen. Und so stellt sich auch für die Brücke bei Görlitz die Frage: Wer bezahlt sie? Rafał Gronicz, der Bürgermeister von Zgorzelec auf der anderen Neiße-Seite, sagt, Flussquerungen würden an der Grenze abwechselnd gebaut. "Ich weiß, dass der Bürgermeister von Pieńsk eine Brücke in Pieńsk plant, die von polnischer Seite finanziert werden soll", erzählt Gronicz. Demnach müsse die Görlitzer Brücke von deutscher Seite finanziert werden.

Sein Görlitzer Amtskollege Octavian Ursu schmunzelt über diese Sätze. Festgelegt sei noch nichts, sagt er. "Die deutsch-polnische Regierungskommission ist dafür zuständig, eine Entscheidung zu treffen." Die bestimme auch, welche Seite bezahlt. Die beiden Bürgermeister stehen gemeinsam an der Neiße, sie blicken auf den Grenzfluss. Sie sind sich einig, dass es eine weitere Brücke braucht. Und sie hoffen, dass Politik und Verwaltung nicht so gemächlich entscheiden, wie die Neiße fließt.

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