Inhalt des Artikels:

  • Lernen für die Arbeit beim Optiker
  • Arbeiten im Maschinenbau oder als Kfz-Mechatronikerin
  • Das Fazit und was Arbeitsmarktforscher dazu sagen

Lernen für die Arbeit beim Optiker

1) Was die Ausbildung zum Optiker bietet

Michel Krause ist 21 Jahre alt und absolviert eine Ausbildung zum Augenoptiker in Wittenberg. Er ist im dritten Lehrjahr zu seinem Traumjob und steht kurz vor der Gesellenprüfung. "Seit ich zwei bin trage ich eine Brille. Da war ich oft beim Augenoptiker und Optiker. Da dachte ich, das sind alles Menschen, gut gekleidet, immer schöne Brillen auf, man sitzt warm und trocken. Das wollte ich auch mal machen", sagt er dem MDR-Magazin Umschau. "Es gehört natürlich auch viel dazu", erklärt er. "Was mir leichtfällt, vorne mit den Kunden reden", sei das eine. Neben der Beratungstätigkeit sind natürlich auch die handwerklichen Fähigkeiten wichtig, weiß er.

Er erlernt vor allem die handwerklichen Elemente der Augenoptik: Schleifen von Brillengläsern zum Beispiel, die Brillenmontage oder die individuelle Kundenanpassung der Brille. Eine typische, duale Ausbildung, ständiger Wechsel zwischen Berufsschule und Arbeit im Betrieb. "Die Voraussetzung ist ein Realschulabschluss", sagt Michael Krause. "Und man sollte mit Menschen gut können", zählt er weiter auf. Auf andere zugehen können, sei wichtig. "Was ich empfehle, sind gute Kenntnisse in Mathe und Physik. Das öffnet einem viele Türen. Das macht das Leben in der Berufsschule um einiges einfacher", erklärt der 21-Jährige.

Michel Krause kann als Augenoptikergeselle mit 2.800 Euro brutto starten, mit Meister in der Tasche mit 3.000 Euro. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für seine Ausbildung musste er nicht bezahlen. Er erhielt in den drei Jahren ein Lehrlingsgehalt von durchschnittlich 950 Euro brutto monatlich. Außerdem bekam er jährlich eine Wunschbrille im Wert von bis zu 600 Euro. Unterkunftskosten hatte er nicht. Er wohnt noch bei den Eltern. Als Augenoptikergeselle startet er nach der Übernahme im Ausbildungsbetrieb mit einem monatlichen Gehalt von 2.800 Euro brutto. Sollte er sich zum Meister qualifizieren, startet er mit über 3.000 Euro brutto monatlich. Der Bundesdurchschnitt beim Einstieg liegt hier bei 3.300 Euro brutto. Es dauert dann aber einige Jahre, die Meisterausbildung zu refinanzieren. Michaels Chef, Sebastian Wesemeier, ist diesen Weg gegangen. Er hat nach der Ausbildung zum Optiker noch eine einjährige Meisterausbildung absolviert. Finanziert hatte er die Vollzeitschule über das sogenannte Aufstiegs-Bafög. Am Ende blieb für Wesemeier hierfür ein Eigenanteil von 6.000 Euro.

2) Das Optometriestudium mit klinischer Augenheilkunde als Inhalt

Emily Thomas ist 24 Jahre alt und studiert an der Ernst-Abbe-Hochschule Augenoptik-Optometrie im Bachelorstudiengang. Sie ist jetzt im 6. Semester. Die Studentin kommt aus einer Optikerfamilie und jobbte nach dem Abitur bereits im Laden der Eltern. Sie entschied sich gegen die handwerkliche Ausbildung und wählte den akademischen Weg. "Weil mich persönlich dann doch auch sehr das Klinische mit der Augenheilkunde gereizt hat", erklärt sie. Das mache ihr jetzt auch im Studium Spaß. "Ich wollte noch mehr lernen, als was ich im Geschäft kennengelernt habe", so die 24-Jährige.

Das Optometrie-Studium in Jena vereint Medizin, Optik und Technik. Neben Grundlagen der Augenheilkunde lernt man als Optometrist vor allem technische Diagnoseverfahren wie die Messung und Darstellung des Augenhintergrundes oder der menschlichen Linse. Die Gesundheitsvorsorge des Auges steht im Mittelpunkt der Ausbildung. Die Anteile von Theorie und Praxis schätzt die Studentin auf 50:50. So könne das in der Theorie Gelernte schnell in der Praxis angewendet werden. Damit sei auch "schnell das Verständnis für die Geräte und auch für die Theorie dahinter aufzubauen".

Nach dem Bachelor-Studium der Optometrie kann Emily mit einem Monatsgehalt von 3.700 Euro rechnen.Bildrechte: MDR/Umschau

In der dreijährigen Ausbildung zahlte sie pro Semester einen Semesterbeitrag von 332 Euro. Darin enthalten ist ein deutschlandweit gültiges Semesterticket für den öffentlichen Nahverkehr. Bafög erhält sie nicht. Ihre Eltern finanzieren das Studium. Ihr WG-Zimmer in Jena kostete monatlich 330 Euro. Als Bachelor der Optometrie kann Emily zu Beginn mit einem Monatsgehalt von 3.700 Euro brutto rechnen. Das ist ein Durchschnittswert. Je Arbeitgeber und Region kann das Gehalt um mehrere hundert Euro höher oder niedriger sein. "Bei mir wird es wohl wahrscheinlich wieder in Richtung Betrieb gehen, so dass ich mein eigenes Geschäft führen werde", sagt die 24-Jährige. In der Praxisphase beim Augenarzt mitarbeiten zu können, habe ihr aber auch Spaß gemacht.

Arbeiten im Maschinenbau oder als Kfz-Mechatronikerin

1) Die Ausbildung zu Kfz-Mechatronikerin

Laura Bieder ist 27 Jahre alt und Kfz-Meisterin in einer Filiale einer großen Werkstattkette in Meißen. Angst vor Jobverlust hat die junge Werkstattleiterin nicht. Sie und ihre fünf Gesellen haben alle Hände voll zu tun. Gerade in der Reifenwechselzeit muss sie auch als Meisterin mit ran. Einen anstehenden Ölwechsel erledigt sie selbst. Laura Bieder hat zuvor ein Fachabitur abgelegt. Das beinhaltete auch ein längeres Praktikum in einer Autowerkstatt. Sie habe zunächst den Traum gehabt, Maschinenbau zu studieren. Beim halbjährigen Praktikum habe sie jedoch das Handwerk lieben gelernt. "Ich habe einfach gemerkt: Das ist es. Das praktische Anpacken. Am Ende des Tages sehen, was man geleistet hat. Das war schon besser als so ein Studium", sagt sie rückblickend gegenüber dem MDR-Magazin Umschau.

Laura absolvierte ihre dreijährige Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin in der Werkstatt, die sie heute leitet. Lehrlinge erhalten je nach Lehrjahr hier bereits ein Gehalt von 1.000 bis 1.100 Euro brutto. Wie für alle Mitarbeiter gibt es auch für sie einen jährlichen Mitarbeiterrabatt von 1.200 Euro für Teile und Leistungen aus dem Unternehmen. Frühe finanzielle Unabhängigkeit war für Laura wichtig. "Man kann wirklich zeitig aus dem Elternhaus ausziehen. Ich muss nicht nebenbei jobben wie beim Studium. Man hat das Geld für sich und kann sich was leisten", beschreibt sie als Vorteil.

Als Kfz-Meisterin verdient Laura Bieder monatlich 3.300 Euro brutto.Bildrechte: MDR/Umschau

Lauras Meisterausbildung hat ihr Arbeitgeber fast vollständig finanziert. Ihr Eigenanteil belief sich dank Sonderförderung im Freistaat Sachsen auf lediglich 1.000 Euro. Als Kfz-Meisterin verdient sie aktuell monatlich 3.300 Euro brutto. Hinzu kommt eine jährliche Umsatzprämie von bis zu 5.000 Euro. Laura erfüllt sich mit ihrem Meistergehalt mittlerweile den einen oder anderen Lebenstraum, wie einen Skoda 100, einen Oldtimer. Diesen hat sie gekauft und selbst restauriert. Auf der Karriereleiter könnte es auch noch nach oben gehen. Filialleiterin zu werden, könnte sie sich vorstellen. "Selbst da ist ja noch gar nicht Schluss. Wir haben ja dann noch mehr Vorgesetzte, wie Vertriebsleiter, Businesspartner", sagt die 27-Jährige.

2) Das Studium für Maschinenbau

Marc Fleischer ist 24 Jahre alt und studiert in Mittweida im dritten Mastersemester Maschinenbau. Marc hat nach dem dreijährigen Bachelorstudium den zweijährigen Masterstudiengang angehangen. Mittweida wählte er, weil die Hochschule stets ihren Praxisbezug betont. Doch auch hier gibt es natürlich Vorlesungen, Seminare und eine fundierte theoretische Ausbildung. Sein Interesse am Maschinenbau wurde früh geweckt: "Ich würde sagen, dass das von meinem Opa kam, der auch Kfz-Technik in Dresden studiert hat. Von ihm habe ich das ganze Technische mitbekommen." Und da war das Interesse für den Maschinenbau von vornherein schon gesetzt.

Oft findet man den 24-Jährigen im hochschuleigenen Labor für bewegte Fahrsimulatoren. Dort entstehen interdisziplinäre Projekte, die auch von der Industrie genutzt werden. "Das ist ein offenes Labor, hier können Studenten jederzeit herkommen und sich an den Fahrsimulatoren ausprobieren. Hier fließt alles zusammen, was mit Softwareentwicklung, Elektrotechnik und letztlich auch Maschinenbau zu tun hat. Und hier können sich die Studenten ausprobieren und ihr Wissen aus der Vorlesung direkt mit Praxisbezug anwenden", erklärt er. Das tut er auch beim Schrauben als Teamchef beim "Technikum Mittweida Motorsport". Der Hochschulklub nimmt mit elektrischen Rennwagen an Hochschulwettbewerben teil.

Marc Fleischer wird als Maschinenbauingenieur mit Masterabschluss mit einem monatlichen Einstiegs-Durchschnittsgehalt von 4.200 Euro brutto rechnen können.Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seinen Lebensunterhalt finanziert Marc Fleischer durch Bafög. Er bekommt den Höchstsatz von 850 Euro monatlich. Der Semesterbeitrag beträgt in Mittweida nur 107 Euro. Das Deutschlandticket ist nicht enthalten. Sein Apartment im Studentenwohnheim kostet 235 Euro. Seine Zukunft sieht er im weiten Feld des Maschinenbaus. Wenn er sein Studium beendet hat, steht die Rückzahlung des Bafög-Kredits an. Bei Marc sind das 10.000 Euro. Als Maschinenbauingenieur mit Bachelorabschluss liegt das monatliche Durchschnittsgehalt am Anfang bei 3.900 Euro brutto. Mit Masterabschluss kann er durchaus mit einem Einstiegsgehalt von durchschnittlich 4.250 Euro brutto rechnen.

Dass er sich für ein Studium entschieden hat, erklärt er sich auch durch die Erwartungen, die an Abiturienten gestellt werden. "Da man da sehr aufs Studieren getrimmt wird", sagt er. "Weil es sonst, einfach gesagt, verschwendete Ressourcen sind, wenn man mit Abitur eine Berufsausbildung macht. So wurde es uns zumindest vermittelt. Und ich hätte mir aber auch persönlich eine breitere Berufsorientierung gewünscht, dass nicht nur das Studium im Fokus steht sondern auch die Ausbildung", sagt er.

Das Fazit und was Arbeitsmarktforscher dazu sagen

Der kleine Vergleich hat gezeigt: Ob man eine berufliche Ausbildung mit Qualifikation oder eine akademische Ausbildung wählen sollte, ist eine sehr individuelle Entscheidung. Bis zum Bachelor ergeben sich finanziell kaum Unterschiede. Bei höheren akademischen Graden, mit entsprechend längeren Ausbildungszeiten, sprechen zumindest bessere Verdienstmöglichkeiten für einen akademischen Weg.

Auch Experten sehen das so. Am Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung werden die Verdienstmöglichkeiten unterschiedlicher Qualifikationsgruppen untersucht. "Wenn jemand eine Ausbildung macht und sich dann noch weiterbildet in Richtung Techniker/-in oder Meister/-in, dann passiert es sogar relativ häufig, dass diese Personen dann mehr verdienen als Bachelorabsolventen verdienen oder zumindest ähnlich viel", sei ein Ergebnis, so Pascal Hess.

Und wie steht es eigentlich um die Jobsicherheit? Die Arbeitslosenzahlen sind nach Angaben der Arbeitsmarktforscher bei Akademikern aktuell "auf demselben Stand" wie bei Personen mit einer betrieblichen Ausbildung. "Es wird sich aber in Zukunft wieder ändern, wenn sich der Arbeitsmarkt anpasst. Wenn die Krisen wieder abflachen, wird sich das auch wieder erholen. Dann wird auch die Arbeitslosigkeitswahrscheinlichkeit bei Personen mit akademischem Abschluss auch wieder sinken", schätzt Hess ein.

MDR (cbr)

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