Der lange Kampf für Umgehungsstraßen in Sachsen
Durch Niederneundorf, einem Ortsteil von Rothenburg an der Neiße, rollt pausenlos der Verkehr. Nicht mal Gehwege gibt es in dem engen Straßendorf. "Es ist eine akute Lärmbelästigung für die Anwohner im Ort, darüber hinaus ist es die Gegebenheit der räumlichen Enge", fasst der Rothenburger Bürgermeister Philipp Eichler (parteilos) die Situation zusammen.
Ortsumgehung als Generationenprojekt
Schon Eichlers Amtsvorgänger setzten sich für eine Ortsumfahrung, eine Verlegung der Staatsstraße 127, ein. Dabei wurden sie von einer Bürgerinitiative unterstützt. "Es wird seit 1992 offiziell versucht, eine Ortsumgehung zu bauen. Ich kann das ganz klar als Generationenprojekt beschreiben, weil ich bin die nächste Generation, die dafür kämpft", sagt der Bürgermeister.
Der Kampf für die Umgehungsstraße in Niederneundorf ist ein Generationenprojekt. Bürgermeister Philipp Eichler hofft, dass es jetzt endlich gelingt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK Kampf für Trasse nicht immer konsequent
Die S127 ist Rothenburgs wichtigste Lebensader aus Richtung Süden. Es gibt auch seit 30 Jahren einen Plan für eine Ortsumfahrung, aber man ist nicht immer konsequent am Ball geblieben. Die Trasse sei ja schon 1996 im Stadtrat festgelegt worden. "Das ist ja jetzt nichts Neues", sagt Eichler.
Drei Bundesstraßen plagen Menschen in Wellaune
Auch das nordsächsische Wellaune, ein Ortsteil von Bad Düben, leidet seit Jahrzehnten am Verkehr von gleich drei Bundesstraßen mit mehr als 11.000 Fahrzeugen täglich. "Wenn man direkt an der Straße wohnt, ist das schon belastend", weiß Tobias Knötzsch von der Bürgerinitiative Ortsumgehung Wellaune. Der Krach und auch die Vibrationen, die die großen Lkw verursachten, seien sowohl körperlich als auch psychisch schlecht für die Gesundheit, so Knötzsch.
Drei Bundesstraßen belasten die Menschen in Wellaune. Doch jetzt wird eine Ortsumgehung gebaut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKImmer wieder nachhaken für Wunschprojekt
Vor 25 Jahren begann eine Bürgerinitiative den Kampf gegen den Verkehr, Wellaune kam schon 2006 in den Bundesverkehrswegeplan als vordringlicher Bedarf. Gebaut wurde dennoch nicht. "Wir haben gedacht, wenn wir das sagen mit der Umgehungsstraße, dann ist die in zwei oder drei Jahren fertig", sagt die Ortsvorsteherin von Wellaune, Cornelia Beer. Man habe aber gemerkt, dass man mitarbeiten und nachhaken müsser.
Hartnäckigkeit zahlt sich am Ende aus
Die Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Unlängst gab es den lang ersehnten Spatenstich für die 14 Milionen Euro teure Ortsumgehung. "Deswegen war der Ansatz für uns, immer dran zu bleiben, den Finger in die Wunde legen und den Verantwortlichen zu zeigen, dass hier Leute dafür kämpfen. Ich denke, das hat sich über die Jahre gelohnt", sagt Tobias Knötzsch.
Baustart nach 40 Jahren
Auch Niederneundorf in der Oberlausitz schöpft neue Hoffnung. Wenn das Planfeststellungsverfahren und die weitere Bürokratie die Ortsumfahrung nicht bremsen, sollten in vier Jahren die Bagger anrollen. Im Jahr 2030 könnte nach fast 40 Jahren Baustart sein.
MDR (sth)
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