• Der Thüringer Schriftsteller Harald Gerlach verarbeitete seine Heimat um Römhild in seinen Gedichten.
  • Mit dem neuen Wanderweg will man an Gerlach erinnern und erhofft sich, Touristen in die Region zu holen.
  • Gerlach gilt als umtriebiger Geist, der heute so gut wie vergessen ist.

Blauer Himmel, ein plätschernder Bach und am Horizont erheben sich dicht bewaldet Großer und Kleiner Gleichberg. Kein Wunder, dass diese malerische Landschaft rund um Römhild den Schriftsteller Harald Gerlach (*1940 in Bunzlau, Niederschlesien - † 2001 in Leimen, Baden Württemberg) immer wieder neu inspiriert hat. 1945 zog er als kleines Kind mit seinen Eltern hierher.

Der Blick auf den Großen und Kleinen Gleichberg bei Römhild: Diese Natur inspirierte Gerlach immer wieder zu seinen Texten.Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Südthüringer Landschaft inspirierte Gerlach zum Schreiben

Gerlachs Vater habe in Glücksburg nach 1945 ein Waisenhaus geführt, sagt Jens Kirsten vom Literaturrat Thüringen MDR KULTUR. Später wurde es zu einem Jugendwerkhof. Harald Gerlach sei dort aufgewachsen. Und: Die Landschaft habe ihn so stark geprägt, dass er immer wieder darüber geschrieben habe, so Kirsten weiter. Auch, als er später nach Rudolstadt, Erfurt und Leimen ging.

Diese Landschaft hat Gerlach so stark geprägt, dass er immer wieder darüber geschrieben hat.

Jens KirstenLiteraturrat Thüringen

Für Kirsten war das eine Steilvorlage für den ersten literarischen Wanderweg Thüringens. Gerlachs Gedichte seien schließlich viel mehr als schnöde Landschaftsbeschreibungen. "Im Gedicht 'Grabfeld', was das erste sein wird, heißt es: 'Abseits der Lößinseln, unter terrassierten Muschelkalkhängen weinseligen Angedenkens kümmert, zwischen Fronhag und Märzelbach mein poetischer Rübenacker.'"

Jens Kirsten vom Literaturrat Thüringen hat bereits Erfahrung mit der Konzeption von Künstler-Wanderwegen.Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Wanderweg soll Touristen nach Römhild bringen

Dieses Gedicht ist nun auf einem kleinen Pfeiler angebracht, im Hof von Schloss Glücksburg. Es markiert den Beginn einer elf Kilometer langen Wandertour mit rund 20 Gedichtstationen am Wegesrand. Kirsten ist überzeugt, dass der Weg Besucherinnen und Besucher anziehen wird. Schließlich hat er im sächsischen Klipphausen schon ein ähnliches Projekt zum Werk seines Vaters, des Weimarer Dichters Wulf Kirsten, konzipiert – und das werde sehr gut angenommen.

Auch Römhilds Bürgermeister Heiko Bartholomäus erhofft sich vom Wanderweg einen Touristenpunkt für Literatturinteressierte und Wanderfreudige.Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

So war auch Römhilds Bürgermeister Heiko Bartholomäus schnell mit an Bord. Er legt große Hoffnung in den Weg – auch wenn ihm klar ist, dass Gerlachs Lyrik nicht massenkompatibel sei, so Bartholomäus im Gespräch mit MDR KULTUR. "Mir ging es darum zu sagen, es ist ein Teil eines möglichen Tourismuspunktes. Leute hierherzuholen, die mehr mit der Literatur zu tun haben, mit der Lyrik." Andererseits möchte man aber auch Menschen nach Römhild locken, die neugierig sind, den literarischen Wanderweg einfach mal selbst zu laufen.

Harald Gerlach: zu Unrecht vergessener umtriebiger Geist zu DDR-Zeiten

Bis zum Wanderweg-Projekt war Harald Gerlach dem Bürgermeister nicht wirklich ein Begriff. Der Schriftsteller, der 2001 an den Folgen eines Hirntumors verstarb, viel zu früh mit nur 61 Jahren, ist in Vergessenheit geraten.

Dabei war Gerlach zu DDR-Zeiten ein umtriebiger Geist. Er schrieb Essays, Lyrik, Hörspiele und Libretti. Sein erstes Prosawerk "Das Graupenhaus", wurde vom DDR-Fernsehen verfilmt. Bislang aber erinnert in Thüringen nur das nach ihm benannte Literaturstipendium an sein Wirken.

1945 kam Harald Gerlach mit seiner Familie nach Römhild und blieb der Region durch seine Werke verbunden.Bildrechte: Christian Irrgang

Johannes Bäumert, Vorsitzender des Vereins der Steinsburgfreunde in Römhild sagte MDR KULTUR, Gerlach sei auch durch diese historischen Umbrüche unentdeckt. "Jetzt müssen wir ihn selber entdecken. Und: Wir suchen auch nach seiner Lebensgeschichte."

Jetzt müssen wir Gerlach selber entdecken.

Johannes BäumertVereinsvorsitzender Steinsburgfreunde in Römhild

Wanderroute führt von Naturdenkmal in historisches Apothekenzimmer

Die Wanderroute führt mitten durch ein riesiges Bodendenkmal in Südthüringen – die Steinsburg auf dem Kleinen Gleichberg, wie man heute die jahrtausende alten Überreste einer keltischen Siedlung nennt. Überall im zartgrünen Laubwald auf dem Kleinen Gleichberg finden sich alte Mauerreste. Diese Szenerie hat auch Harald Gerlach zu einem Gedicht inspiriert, das natürlich entlang der Strecke nachzulesen ist.

Ein Highlight ganz zum Ende der Wanderung: In einer Apotheke in Römhild wartet ein historisches Nebenzimmer, über das Gerlach selbst ein Gedicht schrieb.Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Und am Ende der abwechslungsreichen, und durchaus mit einigen Höhenmetern gespickten Tour, wartet noch ein recht verstecktes Highlight: Zurück in Römhild geht es in die Apotheke. Wer hier freundlich fragt, darf in ein Nebenzimmer eintreten, und wird rund 100 Jahre in der Zeit zurück katapultiert: ein historisches Apothekerzimmer mit unzähligen Glastiegeln und Bottichen in dunklen Holzregalen gibt es hier zu entdecken.

Auch diese Szenerie hat Harald Gerlach in einem seiner Gedichte aufgegriffen. Lyrik, Landschaft und Historie – all das fließt sanft ineinander, beim ersten literarischen Wanderweg Thüringens.

Mehr zum literarischen Wanderweg

Länge: etwa elf Kilometer

Verlauf:
Beginn: Schloss Glücksburg in Römhild
weiter über Haina und Schwabhausen in Richtung der Gleichberge
danach zum Steinsburgmuseum
unterhalb der Hartenburg zurück nach Römhild

Highlights auf dem Wanderweg:
Schloss Glücksburg (Start/Ende)
Gleichberge (Kleiner Gleichberg)
Grabfeld-Landschaft
Steinsburgmuseum

Eröffnung:
3. Mai 2026 um 9:30 Uhr im Schloss Glücksburg in Römhild
anschließend Möglichkeit, den Weg gemeinsam zu begehen

Wichtig: Für die Eröffnung sind entlang der Strecke mehrere Punkte vorgesehen, an denen ein Einstieg oder Rücktransport möglich ist.

Mehr Informationen auf der Website des Harald Gerlach Archivs (externer Link).

Quelle: MDR KULTUR (Mareike Wiemann), redaktionelle Bearbeitung: gw

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