Was hat perspektivisch den größeren Nutzen für das Klima und die öffentliche Gesundheit: der Ausbau von Wind- und Solarenergie oder die Investitionen in CO₂-Abscheidung aus der Luft? Das hat ein US-Forschungsteam untersucht und kommt selbst unter den optimistischsten Annahmen zur Entwicklung der sogenannten Direct Air Capture-Technologien (kurz DAC) zu dem Ergebnis, dass sie aus wirtschaftlicher Sicht deutlich unterlegen ist.

Neue Perspektive auf DAC-Technologie

Für ihre Analyse haben sie sich für einen vergleichenden Ansatz entschieden, da DAC bisher hauptsächlich aus anderen Perspektiven untersucht worden sei – etwa daraufhin, ob die Anlagen tatsächlich mehr CO₂ aus der Luft filtern, als mit ihrem Bau und Betrieb ausgestoßen werden, so die Forschenden. Das bedeute, bisher sei DAC implizit mit dem Nichtstun verglichen worden – ob sich die CO₂-Abscheidung aus der Luft tatsächlich lohne, aber kaum.

Deshalb haben die Forschenden sie mit erneuerbaren Energien verglichen, die mit demselben Budget finanziert werden könnten. Insgesamt floss die Betrachtung von 22 US-amerikanischen Stromnetzregionen von 2020 bis 2050 ein. Das Forschungsteam hat dafür mehrere DAC-Szenarien verglichen: einmal orientiert an der heutigen kommerziellen Leistung (ca. 5.500 Kilowattstunden und 1.000 US-Dollar pro Tonne abgeschiedenem CO₂), einmal bei halbierten Kosten und deutlich weniger Energieverbrauch (1.500 kWh und 500 US-Dollar pro Tonne) und ein "Durchbruchs-Szenario" mit Kosten am unteren Ende der Prognosen (800 kWh und 100 US-Dollar pro Tonne).

Erneuerbare rechnen sich mehr

Das Ergebnis der Analyse: Selbst im ambitionierten Fortschrittsszenario, bei dem die Entwicklung über alles hinausgehen würde, was DAC-Technologie bisher leisten kann, haben die erneuerbaren Energien in allen untersuchten Regionen immer noch ein Vielfaches an Nutzen für Klima und Gesundheit pro investiertem Dollar geliefert. Und auch beim "Durchbruch-Szenario" zeigte sich die DAC-Technologie nur in Teilen der untersuchten Gebiete als ebenbürtig oder sogar überlegen, bilanziert das Forschungsteam.

Aktuell liefere die kommerzielle Nutzung der Technologie allerdings mehr Treibhausgase und Luftverschmutzungsschäden, als sie kompensiere. Das Team hat in der Analyse insbesondere auch den Gesundheitsaspekt berücksichtigt: Wenn DAC-Anlagen an das Stromnetz angeschlossen werden, das auch nur teilweise mit fossilen Brennstoffen betrieben wird, entstehen den Forschenden zufolge neue Schwefeldioxid-, Stickoxid- und Feinstaubemissionen, die sich in den Gemeinden in der Nähe der Kraftwerke, die diesen Strom liefern, konzentrieren. Der Ausbau erneuerbarer Energien bewirke das Gegenteil und führe in jeder Region und jedem modellierten Szenario zu gesundheitlichen Vorteilen.

Die Forschenden betonen aber, dass sie ihre Analyse nicht als grundsätzliches Argument gegen DAC-Technologien verstanden wissen wollen. Sie könnten demnach weiterhin dazu beitragen, bestehende CO₂-Belastungen in der Atmosphäre zu reduzieren, sobald die aktuellen Emissionen weitgehend abgeschafft seien, heißt es.

Link zur Studie

Kashtan, Yannai: Direct air capture has substantial health and climate opportunity costs. In: Communications Sustainability (2026). DOI: 10.1038/s44458-026-00068-0.

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