Wasserhaushalt: Warum ist schon wieder Dürre?
Eigentlich sehen Felder, Wälder und Wiesen gerade sehr gesund aus: Die Bäume haben frische Blätter ausgetrieben. Die Gräser leuchten grün und auf den Äckern geht die Saat auf. Trotzdem zeigt der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig, dass die Böden fast überall zu trocken sind.
"Das vergangene halbe Jahr war in Deutschland extrem niederschlagsarm. Vor allem der Dezember war in einigen Regionen fast niederschlagsfrei", sagt der Hydrologe Andreas Marx, der das Team hinter dem Monitor leitet. "Man sieht das derzeit vor allem an den Grundwasserständen."
Unsichtbare Trockenheit: Grüne Landschaften täuschen über niedriges Grundwasser hinweg
An dieser Stelle warnt der Wissenschaftler vor einem häufigen Missverständnis: Dürre bedeutet nicht, dass die Böden ausgetrocknet sind. "Wenn Sie die jetzt aufgraben, dann sehen sie fast überall feucht aus." Allerdings enthält die Erde dann weniger Wasser als im Durchschnitt der vergangenen Jahre, vor allem in den tieferen Bodenschichten.
Und es sieht auch nicht so aus, als könnten ein paar Tage Regen das Problem lösen. "Einzelne Niederschlagsereignisse oder auch eine feuchte Witterungsphase über zwei oder drei Wochen, die können den Boden auf den ersten halben Meter relativ nass machen", sagt Marx. "Aber bis auf zwei Meter Tiefe kann ein Boden den Niederschlag eines halben Jahres aufnehmen. Da hat ein einzelner Regen keine große Bedeutung."
Eine Woche Regen wäre zu wenig: Böden fehlen mehrere Monate Niederschlag
Ob Dürre durch den Klimawandel bereits der neue Normalzustand in Deutschland ist, darüber debattieren Wissenschaftler noch. Denn die Klimamodelle zeigen aktuell mehrheitlich, dass die Niederschläge in Deutschland mittel- und langfristig eher zunehmen. Allerdings ist auch klar, dass die Sommer der vergangenen Jahre durch den Klimawandel heißer und länger waren. "Das hat dazu geführt, dass die Trockenperioden im Sommer, die Dürre, sich länger gehalten haben, als es ohne Klimawandel der Fall gewesen wäre", sagt Andreas Marx.
Für ihn ist auch zweitrangig, wie sich das Klima in Deutschland im Jahr 2075 oder 2100 verändert haben wird. Denn die Schäden der vergangenen Jahre zeigen bereits, dass sich Deutschland besser auf Dürrephasen vorbereiten müsse. "Besser vorbereiten heißt zum einen, dass mehr Wasser in den Regionen gehalten werden kann und sich der Wasserhaushalt stabilisiert", sagt er. Zum anderen müssten Dürren als Extremereignis gehandhabt werden, wie es bei Hochwasser selbstverständlich sei. "Genau das fehlt aber in der Fläche noch." Für Dürre gibt es immer noch keine Warnstufen, keine Notfallpläne und keine automatisch ablaufenden Reaktionen.
Warum Deutschland Warnsysteme, Notfallpläne und ein neues Wassermanagement braucht
Staat und Unternehmen waren allerdings auch nicht untätig. In fast allen Bereichen, die mit Dürre zu tun haben, seien Maßnahmen bekannt, um mit dem Problem umzugehen, sagt Andreas Marx. Dazu gehört etwa, Talsperren zu vergrößern, damit sie mehr Wasser speichern können. Oder das Grundwasser künstlich aufzufüllen. "Grundwasseranreicherung wird inzwischen in vielen Regionen geprüft." Bei diesem Konzept wird Flüssen im Frühjahr Wasser abgepumpt und dann kontrolliert in den Boden gepresst, um das Grundwasser aufzufüllen. "So kann man es im Sommer nutzen, wenn man mehr Wasser braucht."
Dass die Niederschlagsprognose für die Zukunft so uneindeutig ist, bedeutet allerdings, dass sich Deutschland auch auf mehr Hochwasser vorbereiten muss. Viele Kommunen und Unternehmen haben daher oft Sorge, sich für die falschen Maßnahmen zu entscheiden und daher Geld falsch zu investieren.
Marx glaubt hingegen, dass die meisten Entscheidungen jetzt maximal für die kommenden 30 bis 40 Jahre gültig sein könnten. Wie sich das Klima danach entwickelt, ist aktuell noch kaum abzusehen. Deshalb ergebe es mehr Sinn, flexibel zu bleiben und nicht zu viel Geld für langfristige Projekte zu investieren.
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