• Am Tag nach der Amokfahrt in der Leipziger Innenstadt schwanken die Passanten zwischen Trauer, Unbehagen und Resignation.
  • Das BSW fordert eine ehrliche Debatte über Sicherheitskonzepte im öffentlichen Raum.
  • Eine hundertprozentige Sicherheit ist nicht möglich. Oberbürgermeister Jung will die Innenstadt als offenen Ort der Begegnung erhalten.

Mittags – am Tag nach der Amokfahrt: die Leipziger Innenstadt hat sich wieder gefüllt: Eine Frau isst Bratwurst und schiebt ihr Fahrrad. Ein älteres Pärchen spaziert Hand in Hand durch die Stadt. Andere erzählen sich lachend etwas. Einige Männer sitzen auf Bänken und rauchen. Fühlen sich die Passanten sicher?

Passanten zwischen Trauer, Unbehagen und Resignation

Eine Frau sagt, sie habe das Gefühl, dass heute weniger Menschen unterwegs seien. Viele hätten ein mulmiges Gefühl. Es sei wichtig, nach den Ereignissen die Fußgängerzonen sicherer zu machen, und sie denke, dass das auch geschehen werde. Ein Mann geht mit einem ruhigeren Gefühl, aber in Trauer über das Geschehene. Man müsse davon ausgehen, dass es ein Einzelfall gewesen sei und sich nicht zusätzlich belasten, sagt er.

Ein weiterer Passant meint, man sei mittlerweile so abgestumpft, dass man solche Ereignisse akzeptiere und den Alltag normal fortsetze. Man denke kurz darüber nach, finde es erschreckend, wisse aber nicht, was man tun solle. Und wieder eine andere Frau glaubt, dass genug Poller vorhanden seien, auch wenn mehr ein stärkeres Sicherheitsgefühl gäben. Gleichzeitig leide die Atmosphäre darunter, wenn man ständig an mögliche Gefahren denken müsse.

BSW: Debatte über Sicherheitskonzepte im öffentlichen Raum

Nach wie vor sicher in der Leipziger Innenstadt fühlt sich Eric Recke. Der Landtagsabgeordnete des BSW war während der Amokfahrt in der Nikolaikirche beim Friedensgebet und später am Tatort. Er fragt sich, warum an der Stelle, an der der Täter in die Innenstadt fuhr, keine Poller stehen.

Man brauche eine ehrliche Debatte über Sicherheitskonzepte im öffentlichen Raum, stimmt ihm sein Parteikollege Bernd Rudolph zu, innenpolitischer Sprecher des BSW: "Ehrlich wäre ja auch, wenn man sagt, wir brauchen diese und jene Maßnahmen, um die Sicherheit zu erhöhen. Da ist es erstmal nebensächlich, wie viel Geld das kostet, sondern das muss man aufbringen. Das ist auch ein Thema, wo das unehrlich wird, wo man dann sagt, wir können uns das nicht leisten, das lassen wir lieber, obwohl man denkt, das wäre notwendig."

Absolute Sicherheit nicht möglich

Sicherheit dürfe nicht am Geld scheitern. Das Land müsse mit den Kommunen prüfen, wo die Sicherheit noch verbessert werden könnte. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte, Polizei und Kommunen täten bereits viel.

Absolute Sicherheit gebe es nicht, betont auch der Professor für Veranstaltungsmanagement der Berliner Hochschule für Technik, Thomas Sakschewski.

Die Innenstädte sind sicher, aber Sie können keine hundertprozentige Sicherheit bauen oder herstellen.

Prof. Thomas SakschewskiBerliner Hochschule für Technik

Er forscht seit Jahren zur Sicherheit im öffentlichen Raum und bilanziert: "Die Innenstädte sind sicher, aber Sie können keine hundertprozentige Sicherheit bauen oder herstellen. Diese Sicherheit ist weder baulich noch politisch überhaupt tragbar, denn dies würde ja eine massive Maßnahme von Zufahrtsbarrieren, Sicherheitskontrollen beinhalten. Die sind in Anbetracht der – so schlimm das im Einzelfall ist – doch geringen Anzahl von Taten, eigentlich weder wirtschaftlich, politisch oder gesellschaftlich wünschenswert."

OB Jung: Innenstadt ist Ort der Begegnung

Leipzigs Oberbürgermeister Jung kündigte an, sämtliche Zufahrtswege in der Innenstadt zu überprüfen. Er sagte aber auch, man wolle die Innenstädte nicht als Festung ausbauen. Städte müssten Orte des Miteinanders und der Begegnung bleiben.

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