Wäre am Sonntag Landtagswahl, würde die vom Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextreme Bestrebung eingestufte AfD auf 41 Prozent kommen. Das wäre ein Plus von zwei Punkten gegenüber dem letzten Sachsen-Anhalt-Trend von Infratest Dimap, der im September 2025 im Auftrag des MDR, der "Mitteldeutschen Zeitung" und der "Volksstimme" veröffentlicht wurde. Laut der aktuellen repräsentativen Umfrage der drei Medienhäuser würde die CDU einen Punkt verlieren und 26 Prozent erreichen. Im Vergleich zur Landtagswahl 2021 würde sie damit elf Prozentpunkte verlieren. Die Linke käme auf zwölf Prozent, ein Punkt weniger als zuletzt im September.

Die SPD bliebe unverändert bei sieben Prozent. Die Grünen würden einen Punkt gewinnen und lägen bei vier Prozent. Das Bündnis Sahra Wagenknecht würde zwei Punkte verlieren und ebenfalls auf vier Prozent kommen. Grüne, BSW und FDP würden den Einzug in den Landtag nach diesen Zahlen verfehlen.

Wichtig ist: Die Umfrage zeigt ein aktuelles Stimmungsbild, kein Wahlergebnis. Bis zur Wahl kann sich die politische Stimmung noch verändern.

Schulze läge bei Direktwahl knapp vorn

Könnten die Sachsen-Anhalter ihren Ministerpräsidenten direkt wählen, läge CDU-Chef Sven Schulze knapp vor AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. 36 Prozent würden sich für Schulze entscheiden, 32 Prozent für Siegmund. Ebenfalls 32 Prozent sind unentschlossen.

Bei den Parteianhängern ist das Bild eindeutig: 84 Prozent der CDU-Anhänger würden Schulze wählen, drei Prozent Siegmund. Von den AfD-Anhängern würden 71 Prozent für ihren Spitzenkandidaten stimmen, neun Prozent für Schulze. Auch die Anhänger von SPD (64 Prozent) und Linke (53 Prozent) würden Schulze ihre Stimme geben.

Für den derzeitigen Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze ist damit klar: "Die Menschen wollen mich als Ministerpräsidenten." Die Menschen wollen jemanden, der hart für ihr Land und ihre Zukunft arbeitet, so Schulze (CDU). Daran wolle er sich künftig messen lassen.

CDU und AfD bei Regierungsführung fast gleichauf

Auf die Frage, welche Partei nach der Wahl die Regierung führen sollte, liegen CDU und AfD fast gleichauf. 44 Prozent wünschen sich eine CDU-geführte Regierung. Das sind drei Punkte weniger als im September. 43 Prozent sprechen sich für eine AfD-geführte Regierung aus, ein Plus von sechs Punkten.

Die AfD fühlt sich davon bestärkt. Der Spitzenkandidat Ulrich Siegmund spricht von wenigen Prozent bis zur absoluten Mehrheit. Die Menschen in Sachsen-Anhalt würden den politischen Wandel mit der AfD wollen, so Siegmund.

Bei den Parteianhängern gibt es nur geringe Überschneidungen zwischen den Lagern. Eine AfD-geführte Regierung wird fast ausschließlich von AfD-Anhängern unterstützt. Anhänger anderer Parteien entscheiden sich eher für eine CDU-geführte Regierung oder für keine der beiden Optionen.

Bei der Frage nach der Problemlösungskompetenz liegt die AfD vorn. 31 Prozent trauen ihr zu, die wichtigsten Aufgaben im Land zu lösen. Das sind zwei Punkte mehr als im September. Die CDU kommt auf 18 Prozent und verliert zwei Punkte. Jeder Fünfte traut keiner Partei zu, die wichtigsten Probleme des Landes zu lösen.

Mehrheit mit Landesregierung unzufrieden

Mit der Arbeit der schwarz-rot-gelben Landesregierung ist eine Mehrheit unzufrieden. 33 Prozent bewerten die Regierungsarbeit positiv, 62 Prozent negativ.

Die mittlerweile von Sven Schulze geführte schwarz-rot-gelbe Landesregierung wird nur von knapp einem Drittel positiv bewertet.Bildrechte: MDR/Engin Haupt

Unter den Anhängern der Koalitionsparteien fällt das Urteil besser aus. Von den CDU-Anhängern sind 72 Prozent mit der Regierung zufrieden, bei den SPD-Anhängern sind es 70 Prozent. Unter den AfD-Anhängern sind 88 Prozent unzufrieden.

Im Vergleich der Bundesländer gehört Sachsen-Anhalt bei der Zufriedenheit mit der Landesregierung zu den Ländern mit besonders niedrigen Werten. Nur in Berlin fällt die Bewertung noch schlechter aus. Mit Blick auf frühere Landtagswahlen ist die Unzufriedenheit in Sachsen-Anhalt derzeit besonders hoch. Vor einer Landtagswahl waren die Sachsen-Anhalter zuletzt 2006 ähnlich unzufrieden.

"Landtagswahl darf nicht zum Denkzettel werden"

Der SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann sieht in den Umfrageergebnissen auch die Bundesregierung in der Verantwortung, die nicht wisse, was die Menschen in Sachsen-Anhalt gerade bewege. Das sei vor allem die Rentendebatte, die Arbeitsplatzsorge und die Entwicklung der Lebenserhaltungskosten. Die SPD müsse hier "ihre Stimme erheben“, so Willingmann.

Ähnlich äußert sich der Co-Spitzenkandidat von BSW, Thomas Schulze. Er sieht in den Umfragewerten vor allem eine "Demütigung für die Landesregierung". Er zeigte sich überzeugt, dass Schulze die Merz-Politik auf Bundesebene in Sachsen-Anhalt umsetzen würde – auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger. Das zeige sich in fehlender Gesundheitsversorgung, einer kaputten Rente und "kein Geld in den Taschen", so Schulze (BSW).

Der amtierende Ministerpräsident Sven Schulze sieht das anders. Die Landtagswahl sollte nach seiner Ansicht kein Denkzettel für die Regierungsarbeit in Berlin sein. "Die Menschen hier sind unzufrieden mit dem, was sie aus Berlin bekommen und ich bin es […] auch", sagt Schulze (CDU).

Wenig Vertrauen in den Staat

Die Stimmung im Land ist von Sorge geprägt. 13 Prozent der Befragten blicken zuversichtlich auf die Lage, das sind sieben Punkte weniger als zuletzt. 79 Prozent äußern Beunruhigung, ein Plus von acht Punkten.

Auch unter CDU-Anhängern sind nur 26 Prozent zuversichtlich. Bei den AfD-Anhängern sind es acht Prozent; 86 Prozent äußern Beunruhigung. Das Vertrauen in den Staat ist gering. Nur 16 Prozent der Befragten haben großes Vertrauen, dass der Staat seine Aufgaben erfüllt. Unter den AfD-Anhängern sind es lediglich drei Prozent.

Die Grünen in Sachsen-Anhalt macht das Umfrageergebnis nicht nervös. "Wenn wir Grünen wieder in den Landtag einziehen, dann kann die AfD nicht regieren", sagt die grüne Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, Susan Sziborra-Seidlitz.

Ähnlich sieht es die Spitzenkandidatin der Linken, Eva von Angern. Die Umfragewerte zeigten, dass es richtig sei, sich für Grund-, Freiheits- und Menschenrechte einzusetzen.

Wirtschaftslage wird überwiegend negativ bewertet

Als wichtigstes Problem nennen die Befragten: Flüchtlinge und Einwanderung. 14 Prozent sehen darin die wichtigste Aufgabe, sieben Punkte weniger als zuletzt. Auf Platz zwei folgt Bildung mit zwölf Prozent. Die Wirtschaft nennen zehn Prozent der Befragten, das sind drei Punkte mehr als im September.

Bei den Parteianhängern sind die Unterschiede deutlich: 85 Prozent der CDU-Anhänger bewerten ihre persönliche Lage positiv, bei AfD-Anhängern sind es nur 49 Prozent. Fast jeder zweite AfD-Wähler sieht sich persönlich wirtschaftlich in einer schlechten Situation.

MDR (Lars Frohmüller, Christoph Dziedo, Katharina Gebauer)

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