• Der Weg zur neuen Aussichtsplattform bei Hartenstein führt durch einen Strahlenschutzbereich.
  • Entworfen wurde die Plattform von einem Architekten mit familiärem Bezug zur Wismut.
  • Der Aussichtspunkt wurde auf Wunsch des Freistaates Sachsen errichtet.

Über Holzbohlen geht es zur Spitze der neuen Aussichtsplattform. Von dort aus schweift der Blick weit über das Tal, über einen noch jungen, aber dichten Wald auf eine Landschaft. Diese wurde von den Experten der Wismut GmbH, des Nachfolgeunternehmens der Wismut AG/SDAG, dekontaminiert, saniert und rekultiviert.

Als Geschäftsführerin der Wismut-Stiftung, einer Tochtergesellschaft der Wismut GmbH, beschäftigt sich Julia Dünkel mit der Bewahrung, Erforschung und Vermittlung des Wismut-Erbes. So auch im erzgebirgischen Hartenstein bei Zwickau. Dazu gehört hier, neben der Landschaft, vor allem der ehemalige Schacht 371 unten im Tal.

Der Förderturm und das Maschinenhaus von Schacht 371 des ehemaligen Uranbergbauunternehmens Wismut AG.Bildrechte: picture alliance/dpa | Jan Woitas

Es gehe dabei um die historische Bergbautechnik, den Alltag bei Wismut und die Rolle des Unternehmens in der Volkswirtschaft der DDR, sagt Dünkel. Aber auch die Zeitzeugenstimmen und das originale Bergbaugeschehen könne man hier, am authentischen Ort, hervorragend erzählen, sei es im Schachtgebäude oder im Maschinenhaus. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

Radioaktiv-Warnzeichen am Wegesrand

Bisher wurde im Uranbergwerk Schacht 371, dem mit 1.800 Metern tiefsten Bergwerk Deutschlands, im vergangenen Jahr die Pop-up-Ausstellung "No Secret" im Maschinenhaus eröffnet. Die gewährt zumindest einen ersten exklusiven Einblick in die Geschichte des Uranabbaus in der DDR und dessen Hinterlassenschaft.

Über diesen Steg gelangt man zur Aussichtsplattform.Bildrechte: picture alliance/dpa | Jan Woitas

Mit der Aussichtsplattform kommt nun ein weiterer Baustein hinzu. Dabei stoßen die Folgen der Vergangenheit und die heutigen Möglichkeiten der Entwicklung für die Zukunft aufeinander, erwähnt Dünkel von der Wismut-Stiftung. Denn wenn man zur Plattform laufe, sei der Weg mit Radioaktiv-Warnzeichen am Straßenrand flankiert, da dort das Betriebsgelände beginnt – und das sei Strahlenschutzbereich.

Architekt hat persönlichen Bezug zur Wismut

Geplant wurde die Plattformkonstruktion von Hendrik Heine von H2 Architektur, der unter anderem auch die Kunsthalle in Oelsnitz für James Turrells Lichtinstallation "Beyond Horizon" gebaut hat. Der Architekt hat, wie so viele in der Region, einen familiären Bezug zur Wismut, und ganz konkret zu diesem Ort: Sein Großvater war Zimmermann im Schacht 371, sein Schwiegervater Bergmann.

Blick auf die Tagesanlagen am Schacht 371 des ehemaligen Bergbauunternehmens Wismut AG.Bildrechte: picture alliance/dpa | Jan Woitas

Den Felsen mit dem grandiosen Ausblick kannte er hingegen bis dahin nicht. Daher wollte Heine diesen Ausblick mit seinem, wie er es nennt, "Steg durch die Landschaft" ins Bewusstsein holen. Und noch eine zweite Sichtachse war ihm wichtig, nämlich die zum 50 Meter hohen Förderturm des Schachts.

Ausblicke auf Natur und Spuren des Bergbaus

Das sei eine freigeschnittene Landschaftsschneise, die von der ehemaligen Skip-Bahn komme, so der Architekt. Hier sei der Abraum von unten nach oben befördert und in Form einer Halde abgelegt worden: "Das war quasi für uns der Ansatzpunkt, dass man dort eine Art Einstiegsplattform schafft und von dort an einen sich mäandernden Weg zu dem anderen Punkt, wo sich großartige Blicke öffnen."

Das war quasi für uns der Ansatzpunkt, dass man dort eine Art Einstiegsplattform schafft und von dort an einen sich mäandernden Weg zu dem anderen Punkt, wo sich großartige Blicke öffnen.

Hendrik Heine, Architekt

Blick von der Aussichtsplattform. Im Bild sind die sächsische Ministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch (Mitte) und rechts daneben die Geschäftsführerin der Wismut-Stiftung, Julia Dünkel.Bildrechte: picture alliance/dpa | Jan Woitas

Aussichtsplattform ist Wunsch des Freistaates Sachsen

Eigentlich ist es Aufgabe der Wismut-Stiftung, zwei Präsentationsorte für das Wismut-Erbe zu entwickeln und umzusetzen, in Hartenstein am Schacht 371 und im thüringischen Ronneburg. Die Aussichtsplattform ist jetzt zusätzlich dazugekommen – auf Wunsch des Freistaates Sachsen und seiner Regierung, die dafür rund 350.000 Euro aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der DDR, den sogenannten PMO-Mitteln zur Verfügung gestellt hat.

Barbara Klepsch, Kultur- aber eben auch Tourismusministerin, unterstreicht noch einmal, dass der Blick über die Bergbaufolgelandschaft zeige, was in den letzten 40 Jahren hier aus dem Wismut-Bergbau heraus entstanden sei. Dabei sei der Gedanke gekommen, "mit dieser Plattform genau diesen Blick zu öffnen, sowohl in Richtung dieses Industriedenkmals, aber vor allen Dingen auch in die Landschaft hinein, in das Erzgebirge hinein", so Klepsch. Und damit nicht zuletzt auch auf das Unesco-Welterbe "Montanregion Erzgebirge / Krušnohoří".

Stichwort: Wismut (zum Ausklappen)

Die SDAG Wismut war der viertgrößte Uranproduzent der Welt. Uranerz wurde in der Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft zuerst in Johanngeorgenstadt abgebaut, dann bei Bad Schlema und schließlich im Ostthüringischen Ronneburg. Aufbereitet diente das Uran für Atomwaffen und Kernkraftwerke in der damaligen Sowjetunion.

Die Hinterlassenschaften beschäftigen das Nachfolgeunternehmen, die Wismut GmbH, bis heute. Dazu gehören, neben der Bergbaufolgelandschaft, eine umfangreiche
Kunstsammlung, die im letzten Jahr als Ausstellung "Sonnensucher" in Zwickau ein großer Publikumserfolg war, und nicht zuletzt die zahlreichen Industriedenkmäler.

Quelle: MDR KULTUR (Grit Krause)
Redaktionelle Bearbeitung: op, vp

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