Clubs kämpfen ums Überleben: "Wir haben keine Handbreit Wasser unterm Kiel"
- Viele Clubbetreiber kämpfen mit steigenden Kosten.
- Der Städte- und Gemeindetag Sachsen lehnt eine Förderung der Szene ab.
- Das Netzwerk Live Initiative Sachsen fordert zwei Millionen Euro für Clubs.
Der Technoclub "objekt klein a" aus Dresden ist erst vor Kurzem neun Jahre alt geworden. Josefine Went, die den Club zusammen mit Felix Buchta leitet, hofft, dass noch viele weitere Geburtstage hinzukommen. Sie sagt aber auch, dass sich die Lage immer weiter zuspitzt: "Wir können unsere Ausgaben nahezu nicht mehr über unsere Einnahmen der Veranstaltungen finanzieren. Uns geht’s so schlecht und so gut, dass wir keine Handbreit Wasser unterm Kiel haben und gerade so durchkommen."
Vor allem gestiegene Kosten für Personal, Energie und Künstler machen dem "objekt klein a" zu schaffen. Dass der Club trotzdem überleben kann, liegt auch daran, dass er einer der wenigen ist, die institutionell gefördert werden – von der Stadt Dresden. "Das sind bei uns so vier bis sechs Prozent unserer jährlichen Ausgaben. Also wir können damit so ungefähr die Hälfte eines Monats im Jahr finanzieren," erklärt Josefine Went.
Uns geht’s so schlecht und so gut, dass wir keine Handbreit Wasser unterm Kiel haben und gerade so durchkommen.
Josefine Went, Co-Geschäftsführerin des Clubs «object klein a», wünscht sich mehr öffentliche Förderung für Clubs.Bildrechte: picture alliance/dpa | Robert MichaelDie Club-Betreiberin ist froh über die Förderung, sagt aber auch, dass Clubs wie ihrer eigentlich mehr Geld und vor allem eine langfristige und sichere Förderung bräuchten, wie sie zum Beispiel Orchester und Theater bekommen. Dass andere Kulturorte gefördert werden, finde sie total wichtig, und sie wolle nicht, dass da eine Neiddebatte aufkommt, betont Went: "Uns geht es ja nicht darum, zu sagen, wir möchten die Förderung der Anderen, uns geht es darum, zu sagen, wir wollen einfach auch so gefördert werden, dass wir langfristig überleben können und halt nicht immer wieder nicht wissen, ob es uns das nächste Jahr noch gibt."
Eine Förderung aus öffentlichen Mitteln befürworten wir nicht.
Der sächsische Städte- und Gemeindetag lehnt diese Forderung ab. Geschäftsführer Mischa Woitschek teilte auf Anfrage von MDR AKTUELL schriftlich mit: "Bei Clubs und Diskotheken handelt es sich in der Regel um Unternehmen, die am Markt agieren. Eine Förderung aus öffentlichen Mitteln befürworten wir nicht. Zumal die überaus angespannte kommunale Finanzlage keinen Spielraum für die Ausweitung von öffentlichen Zuschüssen hergibt."
Live Initiative Sachsen will Fördergeld vom Land
Die Live Initiative Sachsen setzt sich dafür ein, dass Clubs künftig ähnlich gefördert werden wie Theater. Das Lobbynetzwerk will die Förderung aber nicht von den Kommunen, sondern vom Land. Sascha Möckel von der Initiative: "Auf Landeseben gibt es ein Kulturraumgesetz und eine strukturelle Förderung, und dort wünschen wir uns, dass die Clubkultur mit reinrutscht. Und, um mal Zahlen zu nennen, zwei Prozent der Fördermittel hätten wir gern. Um das auf eine Zahl zu bringen: zwei Millionen Euro."
Noch ist das aber Zukunftsmusik. Mehrjährige strukturelle Förderungen für Clubs gibt es derzeit von keinem der drei mitteldeutschen Bundesländer. Sachsen und Thüringen fördern bisher nur Projekte. Sachsen-Anhalt erarbeitet aktuell ein neues Kulturfördergesetz, das für Clubs aber ebenfalls nur projektbezogene Förderungen vorsieht.
Sachsens Kulturministerin gesprächsbereit
Sascha Möckel ist dennoch zuversichtlich, dass sich das in Zukunft ändern wird: "Die Klubkultur wird schon automatisch ihre Anerkennung bekommen, weil die jungen Leute jetzt schon in den Parlamenten sitzen. […] Kurz gesagt, glaube ich, es gibt keinen Weg daran vorbei."
Vor einem halben Jahr gab es im sächsischen Landtag eine Anhörung zu diesem Thema. Kulturministerin Barbara Klepsch zeigte sich damals gesprächsbereit und ist es nach Auskunft ihres Ministeriums noch immer. Ein Gespräch gab es in der Zwischenzeit – bisher aber noch ohne konkretes Ergebnis.
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