• Die DEFA-Indianerfilme begeistern bis heute das Publikum.
  • Es sind Western, die sich an den historischen Gegebenheiten orientieren.
  • Autor Uwe Hänchen war als Kind Fan von Gojko Mitic und wurde zu dessen Freund.

Als die Pionierzeitung "Trommel" ihre jungen Leser Anfang der 70er-Jahre dazu aufforderte, Fragen für ein Interview mit Gojko Mitic zu schreiben, fragte ich als junger Teenager den Helden meiner Kindheit, ob er nicht mein Freund werden möchte. Ein Redakteur antwortete mir, ich solle doch den Schauspieler Gojko Mitic in Ruhe seine Filme machen lassen. Eine herbe Enttäuschung. Erst viele Jahre später sollte sie verfliegen und sogar ins Gegenteil umschlagen.

Gojko Mitic 1968 in Rostock beim Autogrammegeben.Bildrechte: picture alliance/United Archives | Leher

DEFA-Indianerfilme begeistern bis heute

Die Indianerfilme der DEFA haben mein Leben sehr viel reicher gemacht – und sie wirken bis heute. Jeden Sommer meiner Kindheit feierte ein neuer Indianerfilm seine Premiere, meist zur Eröffnung der Sommerfilmtage der DEFA. Zehn Jahre lang ging das so. Zwölf dieser Genre-Filme mit Gojko Mitic sollten es am Ende werden.

Zum Autor: Uwe Hänchen (Zum Aufklappen)

Uwe Hänchen, Jahrgang 1962, ist Lehrer in Bischofswerda. Er gründete 1993 die Spielgemeinschaft Gojko Mitic Bischofswerda e.V., die seither jährlich die Karl-May-Spiele Bischofswerda veranstaltet. Als Vereinsvorsitzender, Regisseur und Autor der meisten Textbücher ist Uwe Hänchen von Beginn an der Kopf des Projekts. Für sein Engagement erhielt er unter anderem 2017 das Bundesverdienstkreuz und 2025 die Marah-Durimeh-Medaille der Karl-May-Gesellschaft.

Bei vielen meiner Zeitgenossen, die den Namen Gojko Mitic hören, entdecke ich noch heute ein Leuchten in den Augen und Begeisterung in jedem Gespräch. Diese Filme waren und sind bis heute ungemein populär. Sie brachten Abenteuer und das Gefühl von Freiheit in unsere Herzen. Durch diese Filme empfanden wir unser Leben nicht grau und eintönig, schon gar nicht arm.

Gojko Mitic ist bis heute ein Star. Hier ist er, umringt von Kinderdarstellern, bei einem Besuch der Karl-May-Spiele Bischofswerda 2025 zu sehen.Bildrechte: Peter Stürzner, Karl-May-Spiele Bischofswerda

Die Indianerfilme gehören zu den erfolgreichsten DEFA-Produktionen. Sie wurden auch in allen osteuropäischen Ländern gezeigt, hatten dadurch sogar mehr Zuschauer als die westdeutschen Karl-May-Filme mit Pierre Brice. So wurden die DEFA-Indianerfilme in der Sowjetunion oft von vielfach mehr Menschen angeschaut als in der DDR selbst. Beispiel: "Die Söhne der großen Bärin" zog in der DDR rund 9,4 Millionen Zuschauer ins Kino – in der UdSSR um die 29 Millionen.

Begriffsklärung: DEFA-Indianerfilme (Zum Aufklappen)

Die "Indianerfilme" bilden ein eigenes Genre innerhalb der DEFA-Produktionen. Dieser Begriff ist historisch geprägt. Er wurde seinerzeit als bewusste Abgrenzung zum Western gewählt. Die DEFA-Produktionen sollten sich ideologisch und inhaltlich vor allem von Filmen aus den USA abgrenzen, bei denen meist Revolverhelden im Mittelpunkt standen und Indigene als primitive Wilde dargestellt wurden. Die DEFA-Indianerfilme fokussierten sich eher auf das Schicksal amerikanischer Ureinwohner und deren Widerstand gegen Unterdrückung.

Mit DEFA-Indianerfilmen sind folgende Produktionen gemeint:

1966: Die Söhne der großen Bärin
1967: Chingachgook – Die große Schlange
1968: Spur des Falken
1969: Weiße Wölfe
1970: Tödlicher Irrtum
1971: Osceola
1972: Tecumseh
1973: Apachen
1974: Ulzana
1975: Blutsbrüder
1978: Severino
1979: Blauvogel (ohne Gojko Mitic)
1983: Der Scout
1985: Atkins (ohne Gojko Mitic)

Zum Teil wird auch der "Der lange Ritt zur Schule" von 1982 dem Genre zugeordnet. Der Kinderfilm ist aber eher eine Westernkomödie und Parodie auf den oben aufgeführten Kanon.

Top besetzte Western mit historischem Hintergrund

Dem Genre des Westerns wurden nicht alle diese Filme gleichermaßen gerecht. "DEFA-Chefindianer" Gojko Mitic wurde durch diese Filme im Osten ein wirklicher und vielleicht der einzige echte Superstar. Darüber hinaus gaben diesen Filmen auch andere hervorragende Schauspieler ein Profil – dazu gehörten unter anderem Rolf Hoppe, Armin Mueller-Stahl, Annekathrin Bürger oder Horst Schulze.

Die Schauspieler Rolf Hoppe (l) und Gojko Mitic standen sich in den DEFA-Indianerfilmen oft als Feinde gegenüber.Bildrechte: IMAGO / C3 Pictures

Die DEFA-Indianerfilme hatten den Anspruch, das Leben und den Freiheitskampf der nordamerikanischen Ureinwohner authentisch, wahrheitsgetreu und trotzdem spannend und unterhaltsam zu zeigen.

Von Gassenhauern bis Nischen-Produktionen

Der erste DEFA-Indianerfilm "Die Söhne der großen Bärin" wurde nach einem Buch von Liselotte Welskopf-Henrich gedreht. Die Schriftstellerin hatte sich sehr gründlich mit der Kultur der nordamerikanischen Ureinwohner beschäftigt, dazu auch Studienreisen in die USA und nach Kanada unternommen.

Gojko Mitic als Tokei-ihto in "Die Söhne der großen Bärin". Er will die Tötung seines Vaters, Häuptling Mattotaupa, rächen.Bildrechte: mdr/rbb/Progress Filmverleih/Waltraut Pathenheimer

Der Erfolg dieses ersten Indianerfilms regte zu weiteren Produktionen an. Mit "Chingachgook, die Große Schlange" wurde die Erzählung "Wildtöter" des amerikanischen Schriftstellers James Fenimore Cooper verfilmt. Mit "Spur des Falken" und "Weiße Wölfe" folgten dann zwei Filme, die nicht nur mit jedem US-Western dieser Zeit mithalten konnten, sondern auch dem Anspruch, authentisch und historisch möglichst korrekt zu sein, gerecht wurden.

Dieser Idee folgten dann auch "Tödlicher Irrtum", "Osceola" und "Tecumseh", die zwar bestimmte Western-Klischees weniger bedienten, dafür aber historische Häuptlinge in den Mittelpunkt der Handlung stellten. In "Apachen" und "Ulzana" erlebten die Kinobesucher schließlich, wie Winnetou – wenn es ihn historisch wirklich gegeben hätte – tatsächlich ausgesehen, gekämpft und gelebt hätte.

In Filmen wie "Ulzana" begeisterte der deutsch-serbische Schauspieler Gojko Mitic jung und alt. Für viele Heranwachsende wurde der naturnahe Kämpfer für das Gute zum Vorbild.Bildrechte: MDR/rbb/PROGRESS Film-Verleih/Eberhard Daßdorf

Der zehnte DEFA-Indianerfilm "Blutsbrüder" erreichte nur noch das Niveau eines Fernsehfilms. Einige Jahre später folgten die Filme "Severino" und "Der Scout". Sie waren bereits weniger populär. "Severino" überzeugte durch einen hohen historischen Anspruch, wurde aber dem Genre eines Abenteuerfilms weniger gerecht. "Der Scout" bot einzigartige Landschaften und eine riesige Pferdeherde, glitt aber in der Darstellung der Army-Soldaten zeitweise in Richtung Klamauk ab, wie man ihn aus den schlechteren der Karl-May-Verfilmungen aus Westdeutschland kennt.

Karl May war auch Vater der DEFA-Indianerfilme

Mein Interesse an der Geschichte und Kultur der Ureinwohner Nordamerikas begann zweifellos mit den DEFA-Indianerfilmen und den Büchern von Liselotte Welskopf-Henrich. Karl May kam erst später dazu.

Gojko Mitic im Karl-May-Museum Radebeul.Bildrechte: picture alliance/dpa | Sebastian Kahnert

Doch der sächsische Schriftsteller hat auch die DEFA-Indianerfilme inspiriert. Ohne Karl May wären "Die Söhne der großen Bärin" von Liselotte Welskopf-Henrich und demnach auch die DEFA-Indianerfilme ganz sicher nicht entstanden. Denn auch Welskopf-Henrich diente Karl May als Ausgangspunkt für die tiefere Beschäftigung mit den Ureinwohnern Nordamerikas. Auch wenn sie es zeitweise nicht zugegeben hat – gelesen hat sie ihn.

Wie Gojko Mitic doch noch mein Freund wurde

Aus meiner Begeisterung für die DEFA-Indianerfilme mit Gojko Mitic entstand 1993 ein Theaterprojekt in Bischofswerda: Deutschlands kleinste Karl-May-Spiele mit den jüngsten Darstellern. Der Verein dahinter nennt sich "Spielgemeinschaft Gojko Mitic Bischofswerda". Und der Namensgeber des Vereins ist von Anfang an auch der Schirmherr des Projekts.

Gojko Mitic und Uwe Hänchen 1995 bei einer Probe auf der Waldbühne Bischofswerda.Bildrechte: Uwe Heinze, Karl-May-Spiele Bischofswerda

Gojko Mitic besucht unsere Karl-May-Spiele nahezu jedes Jahr. Und wenn der Held meiner Kindheit auf unsere Waldbühne kommt und mich mit "Uwe, mein Freund!" begrüßt, ist die Enttäuschung über die Antwort des "Trommel"-Redakteurs nur noch eine verblasste Erinnerung. Stattdessen ist da wieder dieses Gefühl von damals, als bei den DEFA-Sommerfilmtagen der neuste Indianerfilm über die Leinwand flimmerte.

Karl-May-Spiele Bischofswerda (Zum Ausklappen)

Die Karl-May-Spiele Bischofswerda sind eine von rund einem Dutzend Bühnen im deutschsprachigen Raum, die Theaterstücke nach Büchern des sächsischen Schriftstellers inszenieren. Das Besondere: Hier stehen vor allem Kinder und Jugendliche in den Hauptrollen auf der Bühne. Die gut 80 Darsteller zeigen jährlich mehr als 20 Aufführungen, zu denen bis zu 14.000 Zuschauer kommen. Schirmherr des Projekts ist der Schauspieler Gojko Mitic, der vor allem durch die DEFA-Indianerfilme berühmt wurde.

Quelle: MDR KULTUR, Uwe Hänchen, DEFA
Redaktionelle Bearbeitung: op

Transparenzhinweis Der Gastautor Uwe Hänchen ist der Vater des Journalisten Ben Hänchen, der als Redakteur bei MDR KULTUR arbeitet. Vater und Sohn wirken beide ehrenamtlich bei den Karl-May-Spielen Bischofswerda mit.

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