• Chinesische Autohersteller suchen schon länger Produktionsstandorte in Europa.
  • EU-Zölle machen eine Fertigung innerhalb Europas für chinesische Hersteller attraktiver.
  • Ob Zwickau als Produktionsstandort infrage kommt, ist umstritten.

Über Jahrzehnte hatte China eine hohe Meinung von Deutschland. Über die deutsche Industrie wurde bewundernd gesprochen. "Made in Germany hat einen goldenen Wert", hieß es oft von chinesischer Seite. Warum also nicht chinesische Autos in Deutschland bauen? Dann bekämen China-Marken wie Nio oder BYD das traditionsreiche Label "Made in Germany" verpasst. Der Gedanke ist nicht neu. Chinesische Hersteller suchen schon länger Produktionsstandorte in Europa.

EU-Zölle erhöhen Druck auf chinesische Hersteller

Ein Grund sind die EU-Zölle auf chinesische Elektroautos, sagt der Automobilexperte Stefan Bratzel: "Insofern muss man teilweise 35 Prozent an Zusatzzöllen zahlen als chinesischer Hersteller. Entsprechend werden dann auch die Preise der Fahrzeuge, der Elektrofahrzeuge, teurer. Deswegen müssen sich chinesische Automobilhersteller tatsächlich gerade überlegen, wenn sie höhere Marktanteile in Europa haben wollen, dass sie auch Produktionsstandorte aufbauen."

Erste Autokooperationen gibt es bereits. So entwickelt der Stellantis-Konzern mit dem chinesischen Unternehmen Leapmotor einen Elektro-SUV. Gebaut werden soll der im spanischen Saragossa. Ob eine ähnliche Kooperation auch mit Volkswagen in Sachsen denkbar ist, hänge von den Kosten ab, sagt Bratzel.

Deutschland gilt als teurer Produktionsstandort

Denn die deutschen VW-Standorte gelten als vergleichsweise teuer. "Wenn chinesische Hersteller sich überlegen, hier in Europa Fuß zu fassen, sind es eher die günstigeren Standorte. Dann denkt man über Ungarn nach, vielleicht über die Türkei oder über Spanien. Insofern ist es aus meiner Sicht eine theoretische Frage, ob die chinesischen Autobauer eben auch Produktionsanlagen in Deutschland nutzen." Bratzel hält eine Kooperation für möglich, aber nicht unbedingt für sehr wahrscheinlich.

Auch die IG Metall ist skeptisch. Bezirksleiter Jan Otto betont: Vorrang müsse haben, dass Volkswagen das Zwickauer Werk mit eigenen Modellen auslastet. Eine China-Produktion könne nur Zusatzgeschäft sein: "Ideen braucht man sicherlich momentan. Von daher ist es auch ganz gut, wenn ein paar kreative Ideen reinkommen. Aber lassen Sie mich deutlich sagen: Unser Ziel ist, dass Volkswagen Sachsen auch bei Volkswagen verbleibt. Also alles, was man hier bedenkt oder worüber man nachdenkt, kann nur extra sein."

Hinzu kommt: China wird für die deutschen Autobauer immer mehr zu einem Konkurrenten. Wie klug ist es, ausgerechnet den ins eigene Haus zu holen?

Zulieferer zeigen sich offen für neue Hersteller

Sachsens Autozulieferer sind aufgeschlossen. Deren Netzwerk-Manager Dirk Vogel verweist darauf, dass in Zwickau schon jetzt mehrere Marken gebaut werden: Audi, Cupra und VW. Wenn ein chinesischer Hersteller dazukäme, fände er das in Ordnung. "Wer in der Region Autos bauen möchte, ist herzlich willkommen. Weil die Zulieferer einfach Bauteile verkaufen wollen. Und für Volkswagen gibt es natürlich immer die Option – Volkswagen hat ja verschiedene Joint Venture, vielleicht ist da ja ein Joint Venture Partner dabei, für den es interessant sein könnte."

Solche Partnerschaften, Joint Ventures, pflegt Volkswagen bislang vor allem in China selbst – auch auf Druck der dortigen Regierung. Sie wollte lange, dass heimische Unternehmen von ausländischem Know-how profitieren. Inzwischen hat sich das Kräfteverhältnis verschoben: Bei Elektroautos gehört China zu den technologischen Vorreitern. Das Label "Made in Germany" glänzt längst nicht mehr so wie früher.

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