Ist der kostenlose Eintritt in die Leipziger Museen ein Erfolg?
- Die Eintrittsaktion wird von den Museumsdirektoren als voller Erfolg gewertet. Refinanziert wird das Angebot teilweise durch Sonderausstellungen.
- Seit Beginn des Angebots ist die Spendebereitschaft der Besucher teils deutlich gestiegen.
- Das Projekt läuft Ende des Jahres aus. Der Stadtrat muss über die Weiterführung beraten.
30 Prozent mehr Besucher zählen die städtischen Museen in Leipzig, seitdem der Eintritt in die Dauerausstellungen kostenlos ist.
Entsprechend zufrieden sind das Stadtgeschichtliche Museum, das Bildermuseum, das Grassi – und auch das Naturkundemuseum, in dem Ronny Maik Leder Direktor ist: "Aus Sicht des Naturkundemuseums – und ich glaube, ich spreche da auch stellvertretend für die anderen städtischen Museen –, ist die Entgeltfreiheit ein Riesenerfolg. Wir sehen gesteigerte Besuchszahlen, wir sehen aber auch eine enorme Wertschätzung des Publikums bezogen auf diese, wie wir finden, großartige Geste einer Stadt gegenüber seiner Bürgerschaft."
Eintritt wird durch Sonderausstellungen refinanziert
Auch beim Grassi Museum ist man bisher sehr zufrieden. Direktor Olaf Thormann findet, dass das Angebot den Museumsbesuch unkomplizierter gemacht hat: "Sie müssen jetzt nicht ein Ticket von 10 oder 12 Euro gewissermaßen abarbeiten, sondern Sie können auch sagen, ich habe eine Mittagspause, hab vielleicht 20 Minuten Zeit oder nach der Arbeit bleibt mir vielleicht nur eine Stunde für einen Museumsbesuch bis Schließung des Museums. Aber das wird damit eben ermöglicht. Das ist etwas, was die Besuchenden auch sehr zu schätzen wissen."
Gegenfinanziert wird der kostenlose Eintritt unter anderem, indem die Ticket-Preise für die Sonderausstellungen angehoben wurden. Grassi-Direktor Thormann betont, dass die Ticket-Erlöse im Budget aber ohnehin nur ein kleiner Posten sind: "Insgesamt aber muss man sich klar machen, dass die Einnahmen des Museums gerade mal etwa 5 Prozent des Budgets ausmachen. In der Öffentlichkeit besteht häufig die Vorstellung, dass Eintrittsentgelte die Hälfte oder drei Viertel der Aufwendung eines Museums abdecken würden. Dem ist mitnichten so."
Spendenbereitschaft teils enorm gewachsen
Während sich die Spendenbereitschaft beispielsweise im Grassi-Museum in Grenzen hält, ist sie im Naturkundemuseum sehr ausgeprägt. Dort gebe es aber auch eine Besonderheit, betont Museumsleiter Leder. Weil das Gebäude nicht in unterschiedliche Bereiche getrennt werden könne, sei dort alles kostenlos: "Aufgrund dieser Entgeltfreiheit ist die Bereitschaft etwas zu spenden drastisch gewachsen. Das sehen wir speziell hier am Naturkundenmuseum an unserer Spendenmuschel. Die ist regelmäßig mächtig gefüllt und muss regelmäßig auch entsprechend geleert werden. Das hat wirklich sehr, sehr deutlich zugenommen."
Über Spenden für die Museen freut sich auch Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke. Es soll sich aber niemand dazu gedrängt fühlen, betont sie: "Für uns ist ganz wichtig, dass die Spenden vor Ort, die der Besucher entrichtet, eine freiwillige Sache bleiben. Wir wollen nicht über die Hintertür eine Einnahmequelle, so eine moralische Verpflichtung aufbauen. Das wäre auch wieder eine soziale Hürde."
Stadtrat berät über Weiterführung des Angebots
Ende des Jahres läuft das zunächst auf drei Jahre befristete Angebot des kostenlosen Museumseintritts aus. Jennicke spricht von einem Erfolgsprojekt und hofft, dass es weitergeht. Die finale Entscheidung trifft aber nicht die Kulturbürgermeisterin, sondern der Leipziger Stadtrat. Skadi Jennicke wünscht sich eine breite Mehrheit für die Verstetigung der Entgeltfreiheit: "Wir sind aus fachlicher Sicht – da spreche ich auch für die Museumsdirektoren – absolut davon überzeugt, dass man das fortsetzen kann."
Wir sind aus fachlicher Sicht – da spreche ich auch für die Museumsdirektoren – absolut davon überzeugt, dass man das fortsetzen kann.
Mit Blick auf die angespannte Haushaltslage der Stadt glaubt Jennicke aber, dass es kompliziert werden könnte – ähnlich wie damals bei der Einführung des Angebots. Aber auch da fand sich am Ende eine Mehrheit im Stadtrat.
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