Im zweiten Jahr nach der besten Saison aller Zeiten sieht es für Bayer Leverkusen nicht gut aus. Von der Meistermannschaft 2024 ist wenig geblieben. Trainer und Stützen haben sich verabschiedet. Beim zweiten Saisonspiel in Bremen schenkt Bayer in Überzahl ein 3:1. Danach hält niemand zurück.

Nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit erleben alle Menschen über die Jahre ungefähr so viele positive wie negative Begebenheiten. Der Fußball hat, das ist längst bekannt, diese Gesetze der Wahrscheinlichkeit ausgehebelt. Jeder Verein hat mal ein schlechtes Jahrhundert, heißt es bei den Fans von Hertha BSC. In der Hauptstadt haben sie sich längst mit dem ewigen Abstieg arrangiert.

Nur ein Verein kann Deutscher Meister werden, heißt es hingegen seit weit über einer Dekade bei den Fans des FC Bayern und zum Bedauern aller auch bei allen anderen Akteuren in der Welt des Bundesliga-Fußballs. Nur ein Verein konnte diese umgekehrte Gesetzmäßigkeit des deutschen Fußballs in dieser Zeit aushebeln: Bayer Leverkusen. Doch der Meister von 2024 zahlt nun offenbar den Preis für den Angriff auf den Rekordmeister.

Nach gerade einmal zwei Spieltagen der Saison 2025/2026 liegt die nach dem Abgang beinahe der gesamten Meisterelf eilig neu zusammengestellte Mannschaft am Boden - und niemand kann sagen, wie dieses Team schnell wieder aufstellen soll. Nach der Auftaktniederlage gegen die TSG Hoffenheim zerlegte der Klub sich beim Auswärtstrip an die Weser endgültig. Das 3:3 (2:1) bei Werder Bremen hat für gigantische Unruhe unter dem Bayer-Kreuz gesorgt. Trotz rund 30-minütiger Überzahl verspielte der Meister von 2024 ein 3:1 gegen die als Abstiegskandidaten gehandelten Gastgeber (Das Leverkusen-Debakel auf RTL+).

18-jähriger Coulibaly sorgt für Entsetzen

Der erst im Sommer verpflichtete Trainer Erik ten Hag ist bereits schwer angeschlagen, seine Spieler wüten. "Wir haben zu viele Leute, die sich nur mit anderen Sachen beschäftigen. Wir haben zu viele, die sich nur mit sich beschäftigen. So sah das Spiel auch aus: Jeder hat für sich gespielt. Jeder ist auf dem Platz herumgelaufen für sich allein", schimpfte Kapitän Robert Andrich nach der Partie. "Wie wir es am Ende dazu gekommen ist, dass wir unentschieden gespielt haben. Wie gesagt, dumme Sachen gemacht, einfache Fehler gemacht, und dann zwei Tore in Überzahl herzugeben, ist schon, ehrlich gesagt, schwierig zu erklären", antwortete Neuzugang Malik Tillmann schimpfend auf die Frage, was ihn denn am Unentschieden am meisten ärgere.

Nach einem Elfmetertor von Patrik Schick (64.) zum 3:1 und einer Gelb-Roten Karte für Werders Niklas Stark nach dem vorangegangenen Foul (63.) spielten die Leverkusener in der letzten halben Stunde mit einem Mann mehr. Trotzdem kamen die stark ersatzgeschwächten und in dieser Saison noch sieglosen Bremer noch zu zwei Toren durch Isaac Schmidt (76.) und den erst 18-jährigen Karim Coulibaly (90.+4). Beim Treffer von Schmidt sah der neue Torhüter Mark Flekken sehr schlecht aus. Er stürmte aus dem Tor und unterlief einen Ball vor dem Strafraum.

Streit vor Elfmetersituation

Sinnbildlich für die Missstimmung in dem völlig neu formierten Bayer-Team war ein Streit zwischen Schick und dem Argentinier Exequiel Palacios, wer vor dem Tor zum 3:1 den Elfmeter ausführen soll. Andrich behauptete später sogar, erst er als Kapitän habe auf dem Spielfeld diesen Disput beendet und angewiesen, dass Schick schießen soll. "Das ist inakzeptabel", sagte ten Hag über das Verhalten seiner Spieler in dieser Szene. "Es war vorher angesagt, wer den Ball nimmt und wer auf dem Zettel steht. Wer Nummer eins, zwei und drei ist. Das geht nicht in einer Mannschaft. Das muss Klarheit geben."

Klarheit aber herrscht längst nicht mehr in Leverkusen: Florian Wirtz, Jeremie Frimpong, Amine Adli, Granit Xhaha, Jonathan Tah, Lukas Hradecky und nun wohl auch Piero Hincapie. Der Zerfall des Meisterteams 2023/2024 ist so komplett wie verstörend. Mit dem Abschied von Xabi Alono zerbrach ein Team, das der Bundesliga Hoffnung schenkte. Es verschwand eine Mannschaft, die noch in Jahrzehnten Geschichtsbücher füllen wird. Über die Dauer einer Saison kassierten die bis dahin als Vizekusen bekannten Leverkusener nur eine Niederlage, die im Finale der Europa League gegen Atalanta Bergamo.

Ten Hag: "Neue Spieler müssen aufstehen"

Lange war Leverkusen auch in der vergangenen Saison ein ernsthafter Konkurrent für Bayern München. Erst nach dem Aus in der Champions League gegen die Rivalen aus München und dem sich abzeichnenden Abschied von Alonso zu Real Madrid ging die Saison dahin. Für den Vizemeistertitel reichte es immer noch. Doch die Mannschaft zerbrach. Mit dem bereits bei Manchester United glücklos und häufig nach Entschuldigungen suchenden ten Hag hoffte Bayer, Alonso vergessen zu machen.

"Erik hat den Mut, junge Spieler zu bringen. Er hat Freude daran, junge Spieler zu entwickeln", sagte Sportdirektor Simon Rolfes in der abgelaufenen Woche bei RTL/ntv. "Ich glaube, dass es in der jetzigen Phase eine wichtige Komponente ist, dass wir wieder unsere neuen Geschichten aufbauen und den Mut haben, jüngeren Spielern Spielzeit zu geben." Es waren Worte, die die einsetzende Unruhe nicht einfangen konnten. Bereits vor dem Spiel in Bremen schrieben verschiedene Medien von einem Schicksalsspiel für den Niederländer. Mit Sicherheit zu früh, doch mit Sicherheit im Kern nicht vollkommen aus der Luft gegriffen.

"Alles ist in meinem Bereich. Aber erstmal müssen wir alle Spieler haben", erklärte ten Hag. Der frühere Trainer von Ajax Amsterdam und Manchester United verwies auf den "großen Umbruch" bei Bayer. Er sagte: "In der Führung, in der Hierarchie der Mannschaft hat sich vieles geändert. Dann müssen jetzt neue Spieler aufstehen. Das haben wir heute nicht gut gemacht." Sie hatten es sogar sehr schlecht gemacht und sich damit auf den Weg gemacht, die Gesetze der Wahrscheinlichkeit zumindest für Bayer Leverkusen wiederherzustellen. Nach all den guten Dingen, die ihnen widerfahren sind, zahlen sie jetzt den Preis dafür. Noch ist nicht klar, wie hoch der ist.

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