So kurz die Winterpause auch war – Dino Toppmöller ist trotzdem froh, dass es wieder losgeht. Denn so bietet sich dem Trainer von Eintracht Frankfurt und seiner Mannschaft schnell die Gelegenheit, die Selbstzweifel zu zerstreuen, die sich in den vergangenen Wochen nicht nur über das Team, sondern fast schon über den kompletten Verein gelegt haben. Toppmöller versucht sie auch gar nicht zu leugnen.

„2025 war ein tolles, ein sehr erfolgreiches Jahr“, sagte der Coach vor dem Re-Start der Bundesliga. Immerhin habe sich die Eintracht für die Champions League qualifiziert. Doch es stimme schon. „In den letzten Wochen war es von der Power, von der Intensität her nicht mehr auf dem Level wie vorher“, so Toppmöller. Dabei sei gerade das „der Schlüssel zum Erfolg.“

Er sei jedoch zuversichtlich, dass der Eindruck, die Mannschaft gebe nicht alles dafür, schnell wieder korrigiert werden kann. „Alle haben Bock – die Fans und die Spieler. Und jedes Spiel kann uns die Wucht, die Energie zurückgeben, die wir benötigen“, so der 43-Jährige, der in seiner dritten Saison in der Verantwortung steht.

Sieben Pflichtspiele bis Ende Januar

Die kommenden Wochen werden mehr als einen Fingerzeig geben, ob es Toppmöller gelingt, die Diva vom Main wieder in die Spur zu bringen. Bis Ende Januar stehen sieben Pflichtspiele an und mindestens vier der fünf Bundesligapartien sind für den Tabellensiebten richtungsweisend. Nach dem Auftakt gegen Borussia Dortmund am Freitag (20.30 Uhr/live Sat1, Sky und im WELT-Liveticker) geht es noch gegen weitere Konkurrenten um die internationalen Plätze: den VfB Stuttgart, die TSG Hoffenheim und Bayer Leverkusen.

Um diese Hürden nehmen zu können, muss sich einiges ändern. Das wurde von den Anhängern, vor allem auch von höchster Stelle eingefordert – in einer Deutlichkeit, wie es sie in den vergangenen Jahren so nicht gegeben hatte. Vorstandssprecher Axel Hellmann hatte sich zwischen den Jahren in einem bemerkenswerten Interview zu Wort gemeldet. Es gebe Themen, „da müssen wir ran“, hatte er gegenüber den vereinseigenen Medien erklärt und davon gesprochen, „ein paar Dinge neu zu justieren – im gesamten Betrieb und bei der gesamten Eintracht.“

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Seine Wortmeldung sollte ein Weckruf sein – vor allem an die Mannschaft. Es fehle bei den Auftritten „an Intensität, an Zweikampfführung und beim Spiel gegen den Ball“, so Hellmann. Den Unmut der Fans, die diesen Eindruck schon länger hatten, könne er nachvollziehen. „Es fühlt sich nicht so an wie Eintracht-Frankfurt-Fußball. Wir müssen schon aufpassen, dass wir uns nicht zu wohlfühlen in den fünf aufeinanderfolgenden Europapokal-Teilnahmen, die wir jetzt haben“, so der Boss der SGE. Wen er konkret meinte, ließ er offen.

Fünf neue Spieler für die Eintracht

So fühlten sich mehrere angesprochen – was wohl auch beabsichtigt war. Sportvorstand Markus Krösche leitete eine Transferoffensive ein. Fünf neue Spieler kamen, darunter zwei Mittelstürmer. Mit Younes Ebnoutalib, 22, kam der erfolgreichste Torjäger der aktuellen Zweitligasaison. Zwölf Treffer hat er in 17 Spielen für Elversberg erzielt. Dazu wurde der Franzose Arnaud Kalimuendo, 23, von Nottingham Forest ausgeliehen. Ihn hatte Krösche bereits in den vergangenen beiden Wintern auf dem Zettel gehabt. Dazu bekam Toppmöller mit Ayoube Amaimouni-Echghouyab, 21, auch noch Flügelstürmertalent aus Hoffenheim.

Vor allem Ebnoutalib wird als Soforthilfe angesehen. „Ich traue ihm sehr viel zu und wir brauchen Spieler, die uns sofort helfen können“, sagte der Trainer und stellte dem Angreifer sogar ein Startelf-Debüt gegen den BVB in Aussicht. „Der Junge hat gelernt, Widerstände zu überwinden“, so der Coach. Vor allem „seine Körperlichkeit und sein Speed“ werden dem Team guttun. Zudem wird dringend ein Ersatz für den verletzten Torjäger Jonny Burkhardt benötigt.

Bei der Lösung des größten Problems werden die Neuen allerdings nur bedingt helfen können. Die Frankfurter bekommen es in der laufenden Saison einfach nicht hin, die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden. 47 Gegentore wurden in 23 Pflichtspielen kassiert – in der Bundesliga waren es 30 in 15 Partien. Nur Heidenheim, der Tabellenvorletzte, hat eine noch schlechtere Bilanz (34). Das habe ihn am meisten genervt, so Hellmann: „Dass wir es nicht geschafft haben, die Bude mal richtig zuzumachen.“

Zu viele Gegentreffer in der Hinrunde

Das sind klare Hinweise an Toppmöller, den Hellmann zwar explizit stützt, wo er den Hebel anzusetzen hat. Dessen ist sich der Trainer auch bewusst. Die Mannschaft habe zwar auch in der Defensive „Qualität“, sagte er – die viel zu hohe Anzahl der Gegentreffer sei jedoch ein Thema für das komplette Team. Es käme auch darauf an, dass die Offensivspieler die Verteidiger zukünftig besser unterstützen.

Ein Zeichen setzte Toppmöller dann aber auch. „Kaua Santos wird im Tor stehen“, erklärte er am Freitag. Das war zwar von vielen erwartet worden, da der Brasilianer technisch als besserer Torhüter gegenüber Michael Zetterer gilt. Doch ein Risiko beinhaltet die Maßnahme schon. Kaua Santos, der zum Nachfolger von Kevin Trapp aufgebaut werden soll und deshalb als Nummer eins in die Saison gegangen war, hatte nach mehreren Patzern im Herbst seinen Stammplatz verloren. „Er ist den letzten Wochen und Monaten in einer körperlichen und mentalen Topverfassung“, sagte Toppmöller am Donnerstag. Allerdings dürfte Kaua Santos nun nicht unerheblichen Druck verspüren. Das jedoch gilt derzeit jedoch nicht für ihn allein.

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