In der Jugend begann Christian Beeck einst bei Union Berlin das Fußballspielen, war in der DDR Junioren-Nationalspieler. Als Profi spielte er später unter anderem für die Köpenicker, Hansa Rostock, Fortuna Düsseldorf und Energie Cottbus.

Nach der aktiven Karriere übernahm er im September 2005 verschiedene Ämter bei seinem alten Klub Union Berlin. Am Saisonende der Spielzeit 2010/11 trennte sich der Klub aber vorzeitig von Beeck, um die Neuausrichtung des Vereins auch mit personellen Änderungen in der Vereinsspitze einzuleiten. Im Mai 2012 unterschrieb Beeck einen Vertrag beim Zweitligisten Energie Cottbus, der im Juni 2013 aufgrund „persönlicher Gründe“ beidseitig aufgelöst wurde. Der heute 54-Jährige kündigte danach an, nicht wieder ins Fußballgeschäft zurückkehren zu wollen.

Frage: Herr Beeck, Sie waren erst Fußball-Profi, später dann Manager. Warum arbeiten Sie heute in der Heizungsbranche?

Christian Beeck: Das war eigentlich Zufall. Gute Freunde in Köln hatten ein Konzept für eine stromerzeugende Heizung entwickelt – technisch spannend und der Zeit weit voraus. 2013 gab es dafür auch schon staatliche Zuschüsse und gesetzliche Rahmenbedingungen, das Thema ist also keineswegs neu. Erst habe ich gesagt: „Nee, Köln ist mir viel zu weit weg“, aber am Ende hat die Neugier gewonnen. Und so habe ich dort gelernt, wie Wirtschaft, Vertrieb, Messen und auch politische Rahmenbedingungen zusammenspielen. Das war bis zur Pandemie eine unglaublich spannende Reise – und für mich der Einstieg in eine Welt, die mich bis heute fesselt.

Frage: Warum das?

Beeck: Das Thema Kohlenmonoxid war grundsätzlich schon immer für mich ein Thema. Gerade in der DDR, wenn man sich vorstellt, wie das gestunken hat mit den ganzen Benzinern ohne Katalysator. Wenn man hinter einem Trabant mit dem Fahrrad fährt, dann stellt sich die Frage eigentlich nicht mehr. Leute bringen sich mit Abgasen um. Ich habe nie verstanden, warum wir diese Technologie nutzen müssen und so viele Autos brauchen. Es stinkt, es ist gerade in Großstädten wie Berlin nicht angebracht. Und bei der Heizung: Eine Gastherme arbeitet nie ohne Verluste – ein spürbarer Teil der Energie geht direkt durch den Schornstein verloren.

Frage: Die Wärmepumpe war in den vergangenen Jahren der Kampfbegriff in der Klimaschutz-Debatte ...

Beeck: Wenn man all die Schlagzeilen liest, müsste man glauben, es gäbe gar keine Nachfrage mehr. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt: Der Absatz von Wärmepumpen ist zuletzt deutlich gestiegen, während Gas- und Ölheizungen massiv eingebrochen sind. Der Markt regelt das von allein. Alle reden immer von Zwang, aber ich merke nichts von Zwang. Wer rechnen kann, der stellt fest: Energie­kostenseitig ist das gesünder und spart Geld – beim Deutschen muss sich alles amortisieren. Da wünsche ich mir manchmal eine sachlichere Diskussion.

Frage: Gab es etwas, das Sie aus dem Fußball kannten, das Ihnen im neuen Job geholfen hat?

Beeck: Ja, den Umgang mit Stress-Situationen. Erst mal atmen, immer ruhig bleiben, man findet für alles eine Lösung. Da helfen auch die vielen Erlebnisse und Erfahrungen mit unfassbaren Persönlichkeiten. Ich hatte drei Jahre eine Sendung bei Sky, habe dann jedes dritte Wochenende Fußball mit Franz Beckenbauer geschaut und festgestellt, er ist genauso Mensch. Und man lernt: „Wenn wir eine Stress-Situation haben oder Dinge schiefgehen, dann schläfst du noch mal eine Nacht drüber. Die Lösung wirst du nie gleich haben, dafür braucht man einen klaren Kopf“. Ich benötige mein Fitnessstudio und meine Sauna. Man kann nicht permanent unter Strom sein.

Frage: Haben Sie schon während Ihrer Fußball-Karriere über einen Wechsel in die Wirtschaft nachgedacht?

Beeck: Das war immer ein Thema für mich. Mir sind die Dinge nicht in den Schoß gefallen im Fußball. Es sind in jedem Jahrgang nur eine Handvoll Spieler in das nächste Level gekommen. Gerade im letzten Jugendbereich wurde es sehr leistungsorientiert. Ich musste sehr fokussiert funktionieren und dabei den Kopf einbringen. Ich war relativ gut darin, Systeme zu durchdenken, um am Ende auf einem klugen Weg zu gewinnen. Wir haben mit Cottbus gegen Bayern nicht gewonnen, weil Ede Geyer eine revolutionierte Taktik hatte, sondern weil wir auf dem Platz unseren Kopf eingesetzt hatten, wie wir besser sein können. Ich habe mich im Sport durchbeißen müssen, und ich denke manchmal schon: „Hättest du nicht schon früher das hier machen können? Dann hättest du mal ein Wochenende freigehabt.“ 2004 hatte ich schon ein Call-Center, dann eine Spieleragentur, dort habe ich mich ein bisschen ausprobiert, anschließend ging es schnell zu Union Berlin. Und dann habe ich noch studiert.

Frage: Bei Union waren Sie von 2007 bis 2011 Manager und haben den Klub bis in die 2. Liga geführt. Wie schauen Sie heute darauf?

Beeck: Das war eine unfassbar erfolgreiche Zeit. Wir hatten nicht mal mehr Geld für die Briefmarken, um die 7500 Mitglieder zur Versammlung einzuladen. Aber aus dieser Situation heraus ist dieser Verein entstanden. Mit vielen Ehrenamtlichen, die Enthusiasmus und Loyalität mitgebracht haben. Das ist bis heute so. Und oben ist es stabil geblieben mit Dirk Zingler, Oskar Kosche, Lutz Munack und Dirk Thieme – das ist immer die gleiche DNA.

Das Interview wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Bild“ veröffentlicht.

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