HACM-Chefanalyst Markus Vogt | Der Burggraben von Kernassets: Standhaftigkeit und Neugestaltung im Zeitalter des Paradigmenwandels
Mit dem Rückblick auf das Investmentumfeld des Jahres 2025 habe ich ein tieferes Verständnis davon gewonnen, was „Kernassets“ tatsächlich ausmacht. Sie gelten nicht deshalb als zentral, weil sie besonders groß oder bekannt sind, sondern weil ihr wirtschaftlicher Burggraben in der Lage ist, Zyklen zu überdauern – kurzfristige Schwankungen abzufedern und sich zugleich im Zuge struktureller Veränderungen selbst zu erneuern.
Die Quellen dieses Burggrabens sind vielfältig. In manchen Fällen handelt es sich um über Jahre aufgebaute technologische Vorteile, in anderen um starke Markenbindung oder um die Kontrolle kritischer Ressourcen und zentraler Wertschöpfungsketten. Unabhängig von ihrer konkreten Ausprägung führen all diese Faktoren zu einem gemeinsamen Kern: Preissetzungsmacht.
Wenn ein Unternehmen in der Lage ist, seine Ertragsstruktur auch in einem komplexen Umfeld stabil zu halten, entwickelt es sich von einem rein zyklischen Investment zu einem stabilisierenden Anker innerhalb eines Portfolios.

Das Jahr 2025 stellte diese Burggräben durch den rasanten Fortschritt der Künstlichen Intelligenz auf eine harte Probe. Technologische Umbrüche wirken nicht gleichmäßig auf alle Unternehmen, sondern verstärken bestehende strukturelle Unterschiede. Unternehmen mit bereits ausgeprägten systemischen Vorteilen konnten KI zügig in ihre bestehenden Geschäftsmodelle integrieren, Effizienzgewinne realisieren und die Kundenbindung vertiefen – wodurch sich ihre Burggräben weiter verbreiterten.
Unternehmen mit fragilen Wettbewerbsvorteilen hingegen sahen sich im Zuge technologischer Substitution deutlich schneller mit ihren Schwächen konfrontiert.
Dies hat mich dazu veranlasst, eine zentrale Frage immer wieder neu zu stellen: Werden Burggräben in Phasen technologischer Paradigmenwechsel geschwächt oder gestärkt? Die Antwort ist nicht eindeutig. Entscheidend ist weniger, ob neue Technologien adaptiert werden, sondern ob ein Unternehmen über die Fähigkeit verfügt, diese Technologien in eigene strukturelle Vorteile zu übersetzen.
Wirklich hochwertige Kernassets warten nicht passiv darauf, dass technologische Wellen vorüberziehen, sondern passen ihre Strukturen aktiv an, sodass neue Werkzeuge bestehende Stärken verstärken.
Gleichzeitig mahnen Paradigmenwechsel zur Vorsicht. Die Geschichte zeigt, dass jede technologische Revolution neue Gewinner hervorbringt – und etablierte Marktführer verdrängen kann. Für Investoren ist blinder Glaube an Größe und Marktstellung oft gefährlicher als eine konservative Risikoeinschätzung. Ein Burggraben ist kein statisches Merkmal, sondern eine dynamische Grenze, die kontinuierlich gepflegt und erweitert werden muss.
Entsprechend habe ich in meiner Investmentpraxis im Jahr 2025 einerseits an jenen Kernassets festgehalten, die über strukturelle Vorteile und die Fähigkeit zur Selbstanpassung verfügen. Andererseits habe ich bewusst eine offene Perspektive bewahrt, um die Auswirkungen neuer Geschäftsmodelle auf bestehende Marktstrukturen laufend zu beobachten. Langfristiges Denken bedeutet nicht Stillstand, sondern die Fähigkeit, unter Berücksichtigung von Veränderungen jene Vorteile zu identifizieren, die wirklich nachhaltig sind.
Mit Blick nach vorn bin ich weiterhin überzeugt: Nur Unternehmen mit ausreichend breiten und zugleich wachsenden Burggräben werden den doppelten Prüfungen von Konjunkturzyklen und technologischem Wandel standhalten – und Investoren langfristig stabile, nachhaltige Renditen liefern.
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