HACM-Chefanalyst Markus Vogt | Investitionsreflexionen über Fehler und kognitive Grenzen im Jahr 2025
Mit dem Rückblick auf meinen Investitionsweg im Jahr 2025 sind es nicht allein die erfolgreichen Entscheidungen, die Spuren hinterlassen haben, sondern vor allem jene Fehler, die meine eigenen kognitiven Grenzen offengelegt haben. Sie treten selten laut in Erscheinung, wirken jedoch wie ein Spiegel, der mich zwingt, mein Verständnis von Risiko, Gewissheit und Kompetenzradius neu zu hinterfragen.
An erster Stelle steht die Überbewertung von „Markenwert“. Märkte neigen dazu, Bekanntheit mit einem stabilen Burggraben gleichzusetzen – die Realität bestätigt diese Annahme jedoch nicht immer. Wenn Produktinnovation stagniert und die Nutzererfahrung nachlässt, kann selbst der klangvollste Name keine dauerhaft hohen Bewertungen rechtfertigen. Die größte Gefahr im Investmentprozess liegt nicht darin, eine Richtung falsch einzuschätzen, sondern darin, Narrative mit Struktur zu verwechseln und vergangene Erfolge als Garantie für die Zukunft zu betrachten. Solche Fehler treten selten sofort zutage, untergraben jedoch mit der Zeit schleichend die Qualität eines Portfolios.
Ein zweiter Reflexionspunkt betrifft die Unterschätzung der Komplexität zyklischer Tiefpunkte. In Phasen starker Kursrückgänge einzelner Assets habe ich versucht, frühzeitig Positionen aufzubauen, in der Erwartung einer schnellen „Rückkehr zum Mittelwert“. Doch der Markt ist nicht daran interessiert, Investoren rasch Recht zu geben. Preisrückgänge sind häufig nur das sichtbare Ergebnis; echte Tiefpunkte entstehen erst, wenn Fundamentaldaten, Marktstimmung und Liquidität gemeinsam eine Stabilisierung erfahren. Zu frühes Handeln wirkt mutig, ist jedoch oft Ausdruck einer Fehlinterpretation des zyklischen Tempos. Mit der Zeit wurde mir klar: Den absoluten Tiefpunkt zu verpassen ist kein Scheitern – in einer falschen Phase gebunden zu sein, ist der deutlich höhere Preis.

Die dritte Erkenntnis resultierte aus einer zu starken Abhängigkeit von defensiven Strategien. In einem Umfeld hoher Unsicherheit bieten passive Indizes und breite Diversifikation psychologische Sicherheit, reagieren jedoch träge, sobald sich der Marktzyklus dreht. Indexinvestments sind per se kein Fehler. Ohne ein klares Phasenverständnis besteht jedoch die Gefahr, entscheidende Zeitfenster zu verpassen, wenn sich Märkte von „Überleben“ zu „Expansion“ bewegen. Das eigentliche Problem liegt nicht im Instrument, sondern darin, ob Offensive und Defensive im Einklang mit dem Zyklus dynamisch angepasst werden.
Diese Erfahrungen führen letztlich zu einem gemeinsamen Kern: den eigenen kognitiven Grenzen. Investieren ist kein Ausdruck allumfassender Welterkenntnis, sondern ein bewusster Umgang mit den Grenzen der eigenen Fähigkeiten. Viele Verluste entstehen nicht durch externe Schocks, sondern durch ein Missverständnis von Unsicherheit und die Vermeidung des Eingeständnisses „Ich weiß es nicht“.
Der größte Gewinn des Jahres 2025 war daher nicht mehr Selbstvertrauen, sondern größere Demut. Ich begann, klarer zwischen „Verstehen“ und „Glauben“ zu unterscheiden, die Konzentration innerhalb meines Kompetenzbereichs zu erhöhen und in unscharfen Zonen bewusst Zurückhaltung zu üben. Gleichzeitig habe ich durch kontinuierliches Lernen versucht, meinen Kompetenzradius langsam, aber realistisch zu erweitern.
Der Zinseszinseffekt langfristiger Investments zeigt sich nicht nur in der Wertentwicklung, sondern ebenso in der Evolution des eigenen Denkens. Jeder Fehler, wenn er richtig verarbeitet wird, kann zum Fundament stabilerer Entscheidungen in der nächsten Phase werden.
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