Schock in Herning – Gislasons Fauxpas leitet Niederlage gegen Serbien ein
Deutschlands Handballer haben zum ersten Mal überhaupt ein Pflichtspiel gegen Serbien verloren und müssen um den Einzug in die EM-Hauptrunde zittern. Zwei Tage nach dem Auftaktsieg gegen Österreich musste sich die Auswahl von Bundestrainer Alfred Gislason im dänischen Herning mit 27:30 (17:13) geschlagen geben. Jeweils sechs Tore von Deutschlands besten Werfern Miro Schluroff und Renars Uscins reichten nicht, um die Niederlage abzuwenden.
Zum Vorrundenabschluss trifft Deutschland am Montag (20.30 Uhr/ZDF/Dyn) erneut in Herning auf Spanien. Der zweimalige Europameister ist noch ohne Punktverlust und hatte sich zuvor mit 30:25 gegen Österreich durchgesetzt. In bester Erinnerung dürfte den DHB-Fans noch das dramatische Duell im Olympia-Halbfinale 2024 sein, das Deutschland 25:24 gewonnen hatte.
In der möglichen Hauptrunde dürften die Gegner noch einmal deutlich härter werden. Neben Olympiasieger Dänemark und Titelverteidiger Frankreich warten dort wohl auch der WM-Vierte Portugal und Norwegen.
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„Wir haben eine gute erste Halbzeit gemacht. In der zweiten haben wir die Abwehr nicht gut hinbekommen, aber vor allem vorne zu viele Fehler gemacht“, fasste Gislason zusammen.
Die Favoritenrolle lag eindeutig auf deutscher Seite. Noch nie hatte eine DHB-Auswahl ein Pflichtspiel gegen Serbien verloren. Auch ihrem Ruf als unangenehmer Gegner war die Mannschaft von der Balkanhalbinsel seit Jahren nicht mehr gerecht geworden. Dass Serbien seit dem Vize-Europameistertitel 2012 lediglich drei EM-Siege holte, spricht Bände.
Wolff sieht starken Späth im Tor
Etwas überraschend saß Andreas Wolff nach seiner starken Leistung gegen Österreich auf der Bank. Für ihn rückte David Späth ins Tor, der seine Nominierung mit sehenswerten Paraden zurückzahlte. Der auffälligste Spieler im DHB-Team war aber Juri Knorr. Der DHB-Spielmacher leistete sich zwar frühe Fehlwürfe, war aber an vier der ersten sechs Tore unmittelbar beteiligt und überzeugte mit seiner Schnelligkeit und Dynamik bei Tempogegenstößen.
Deutschland spielte unheimlich mutig, agierte in den Abschlüssen aber oft überhastet. „Wir überholen uns manchmal ein bisschen selbst“, befand Teammanager Benjamin Chatton in der ARD. Nach einer Viertelstunde war beim 8:8 alles offen. Erst die Einwechslung von Miro Schluroff hob den Angriff auf ein neues Level. Der Gummersbacher beeindruckte mit Hochgeschwindigkeitstoren aus dem Rückraum.
Wie in allen Spielen der letzten Wochen tat sich Deutschland unmittelbar nach der Pause schwer und der Vorsprung schrumpfte beim 19:18 auf ein Tor. Auch, weil Serbiens Torhüter Dejan Milosavljev von den Füchsen Berlin eine starke Partie zeigte. 19 Minuten vor Schluss glich der Außenseiter aus.
Nach einer Auszeit schickte Gislason Wolff ins Tor, den die deutschen Fans nach einem gehaltenen Siebenmeter mit lauten Sprechchören feierten. Zwölf Minuten vor Spielende geriet der Olympia-Zweite in Rückstand. Das Momentum hatte komplett gewechselt und die deutsche Abwehr fiel immer weiter auseinander.
Mit einer Auszeit zum ungünstigsten Zeitpunkt verhinderte Gislason drei Minuten vor Spielende dann auch noch einen eigenen Treffer. Der Ball war nach einem Wurf von Knorr zum Ausgleich im Tor, aber der Bundestrainer hatte vorher einen Moment zu früh auf den Buzzer gedrückt. Das sollte sich rächen. Auch ich habe im Angriff Fehler gemacht“, sagte Gislason und spielte auf die Szene bei der Auszeit an: „Ich habe in der Situation leider einen Bruchteil einer Sekunde zu früh gedrückt. Das geht auf meine Kappe.“
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