Nach dem 4:2 gegen Stuttgart und dem 35. Liga-Titel versammelte Vincent Kompany seine Mannschaft in der Bayern-Kabine – für seine Meister-­Ansprache mit dem Credo: Jeder Titel ist der Erste!

„Niemand von euch darf es für selbstverständlich halten, in einem derart eingeschworenen und erfolgreichen Team spielen zu dürfen!“, richtete der Bayern-Trainer das Wort an seine Profis. Dann zählte der Belgier Spielernamen auf: Lennart Karl, Luis Díaz, Nicolas Jackson, Tom Bischof, aber auch Jugendspieler wie Bara Sapoko Ndiaye und Deniz Ofli und andere Jungprofis, die in dieser Saison ihr Debüt gegeben haben. Sie alle, so Kompany, seien gerade zum ersten Mal Deutscher Meister geworden. An ihnen sollen sich alle anderen ein Beispiel nehmen.

Kompany ließ darauf die Ansage folgen: „Jeder Einzelne soll diesen 35. Meistertitel feiern, als wäre es euer erster.“ Mit einer Einschränkung: „Party muss sein, aber alles zu gegebener Zeit! Und die ist auf keinen Fall jetzt.“ Schließlich stehe schon am Mittwoch das DFB-Pokalhalbfinale bei Bayer Leverkusen auf dem Programm. Danach erwarte sie die Champions-League-Halbfinal-­Duelle gegen Paris Saint-Germain.

Das Team steht hinter Kompany – nicht nur bei der Meisterfeier auf dem Rasen

Genau wegen solcher Ansprachen verehren die Bayern-Stars ihren Trainer. Die Bosse wissen ihn nicht nur dafür zu schätzen. Das sind Kompanys Meister-Geheimnisse:

Teamgeist: Die aktuelle Stimmung im Mannschaftstrakt erinnert die Bayern-Bosse an die Triple-Saison von 2013. Ein Verdienst, das Kompany zugeschrieben wird. Der Belgier ist nahbar und empathisch, nimmt sich nach Trainingseinheiten häufig viel Zeit für Einzelgespräche mit seinen Spielern. Dabei interessieren Kompany nicht nur fußballspezifische Themen. Sondern auch Dinge, die über den Platz hinausgehen. Eine seiner häufigsten Fragen lautet: Wie geht es der Familie?

Akribische Trainingsarbeit: Die Einheiten auf dem Platz gestaltet Kompany progressiv, immer wieder passt er Übungseinheiten an. Er stellt den Bezug zu Spielszenen her, verzichtet bewusst auf zu viel Theorie oder konstruierte Situationen. Stellenweise unterbricht Kompany Einheiten, nimmt sich einen Spieler zur Seite und gibt ihm noch auf dem Feld Feedback: Woran muss er arbeiten, und was setzt er schon gut um. Der Trainer gibt klare Anweisungen, setzt seinen Stars Leitplanken und zeigt ihnen einen Plan auf, wohin er sie entwickeln möchte. „Er erinnert uns ständig daran: Egal wann, gib immer mehr als hundert Prozent“, bestätigt Aleksandar Pavlovic.

Aleksandar Pavlovic ist unter Kompany zum Stammspieler geworden

Zuckerbrot und Peitsche: Kompany genießt die volle Autorität. Auch, weil er in den richtigen Momenten laut und konfrontativ werden kann. Jeder Spieler weiß, woran er bei Kompany ist. Dass er im Gegensatz zu seinen Trainer-Vorgängern beim Aufwärmen der Spieler XXL-Boxen erlaubt, aus denen meist laute Hip-Hop-Musik dröhnt, kam bei der Mannschaft gut an. Ebenso kann der Trainer Härte zeigen – wie im Fall Wisdom Mike.

Bei einer Mannschaftssitzung im vergangenen Sommer unterlief dem Talent Mike ein außergewöhnlicher Fauxpas. Der talentierte Linksaußen schlief während einer Mannschaftssitzung vormittags in der ersten Reihe des Auditoriums ein. Aus dem Klub heißt es, Mike sei mit einem anderen, inzwischen verliehenen Spieler am Vorabend zu lange in München unterwegs gewesen. Mike soll das nicht bestritten haben.

Kompany regelt Probleme unter vier Augen

Kompany machte seinen 17-jährigen Schützling nicht vor versammelter Mannschaft rund. Stattdessen regelte er es auf der persönlichen Schiene. Kompany erklärte Mike, dass er jetzt Gas geben müsse und so etwas nicht noch einmal passieren dürfe. Mike nahm sich die Kompany-Worte zu Herzen, ackerte unermüdlich für seinen Bundesliga-Traum – und feierte letztlich am 26. September 2025 sein Debüt beim 4:0 gegen Werder Bremen. Kompany schickte ihn mit den Worten und einem Augenzwinkern auf den Platz: „Das hast du dir verdient – aber schlaf nicht wieder ein!“

Wisdom Mike

Mittlerweile bringt es der Flügelspieler auf fünf Einsätze bei den Profis. Während Kompany in der Causa Mike in erster Linie die Rolle des Spielerverstehers einnahm, überließ er die Krisensitzung mit Mike Sportdirektor Christoph Freund.

Nach Sport-Bild-Informationen sanktionierten die Bayern Mike damals, indem der Teenager eine Woche lang aus seinem Zimmer am Campus ausziehen und in einem Hotel auf eigene Kosten unterkommen musste. Auch Mikes Vater wurde zum Gespräch einbestellt. Seither gilt das aktuell verletzte Nachwuchstalent als rehabilitiert. Das Thema ist erledigt, weil Kompany es nicht größer werden ließ als nötig.

► Akribische Vorbereitung: Lang, intensiv und ausgiebig hingegen sind die Videositzungen, die Kompany und sein Trainerteam beinahe täglich abhalten, um Trainingsinhalte vorzubereiten oder den kommenden Gegner zu studieren. Häufig wird vor und nach den Trainingseinheiten lange zusammengesessen und anhand des Videomaterials an Taktik und Vorgehensweise getüftelt.

Immer montags bitten die WELT-Reporter Lutz Wöckener und Lars Gartenschläger zum Blind Date mit einem Champion. Einer lädt den Gast ein, der andere führt das Gespräch, muss aber zunächst herausfinden, um wen es sich dabei überhaupt handelt. Die Zuhörer können mitraten.

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► Eingeschworenes Trainerteam: Zu Bayerns Teammanager Rodyse Munienge (40) hat Kompany beispielsweise ein ganz spezielles, fast schon brüderliches Verhältnis. Die beiden kennen sich seit Kindertagen, lebten in der Jugend in Brüssel im selben Gebäude. Munienge zog mit nach Hamburg, als Kompany als 20-Jähriger zum HSV wechselte. Nur ein Jahr später verstarb Kompanys Mutter. Munienge blieb dicht an seiner Seite, half ihm durch die schwere Zeit. 2008 zog es Kompany dann weiter, der Innenverteidiger wechselte zu Manchester City. Dort blieb Kompany elf Jahre, war unter Trainer Pep Guardiola (55) sogar Kapitän und zählt heute zu den größten Vereinslegenden.

Diese Meister-Qualitäten wecken in Europa allerdings auch Begehrlichkeiten …

Nach Informationen der Sport Bild hat Manchester City seinen Ex-Spieler Kompany trotz seiner Vertragsverlängerung bei Bayern, die er erst am 21. Oktober 2025 vorzeitig bis 2029 unterschrieben hat, weiter als Nachfolge-Kandidat für Guardiola weit oben auf der Liste. Die Hoffnung der Engländer soll sein: Gewinnt Kompany in seiner zweiten Bayern-Saison das Triple, könnte sich der Belgier eine neue Herausforderung suchen.

Vincent Kompany winkt Sonderprämie

Solchen Gedankenspielen tritt Bayern-Boss Jan-Christian Dreesen entschieden entgegen. „Wir haben gerade mit Vincent verlängert, und deswegen stellt sich uns diese Frage erst gar nicht“, stellt der Vorstandschef gegenüber Sport Bild klar. „Ich bin zudem überzeugt, dass Vincent nichts macht, über das er zuvor nicht genau nachgedacht und nicht alle Szenarien durchgespielt hat, die gegebenenfalls so eine Überlegung auch infrage stellen können.“

Dreesen weiter: „Deswegen glaube ich zu 100 Prozent, dass er sich diese Frage, bevor er sich committed hat, selbst gestellt hat. Seine Antwort darauf war, den Vertrag zu verlängern, und deswegen spielt es überhaupt keine Rolle, ob da jetzt noch jemand kommt oder wie viele Titel mehr wir hoffentlich gewinnen.“

Ein Gewinn der Champions League würde sich für Kompany auch finanziell lohnen. Nach SPORT BILD‑Informationen soll der Trainer in seinem neuen Vertrag eine angebliche Titelprämie von einer Million Euro verankert haben.

Der Artikel wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) verfasst und zuerst in SPORT BILD veröffentlicht.

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