Es ist ein Lauf in neue Dimensionen, eine Ausnahmeleistung für die Geschichtsbücher, ein Ergebnis, das lange Zeit für unmöglich gehalten wurde. Als der Kenianer Sabastian Sawe an diesem Sonntag die letzten 300, 200, 100 Meter Richtung Zielstrich des London-Marathons läuft, vorbei an jubelnden Zuschauern – da ist bereits klar: Hier passiert gerade Historisches.

Mit dem letzten Schritt nach 42,195 Kilometern bricht Sawe nicht nur den Weltrekord, sondern bleibt auch als erster Mensch unter der Marke von zwei Stunden. Der 29-Jährige gewinnt das prestigeträchtige Rennen in 1:59:30 Stunden. Ein Triumphlauf, von dem die Sportwelt lange sprechen wird.

Steve Cram, der ehemalige britische Läufer und BBC-Kommentator, schrie bei der TV-Übertragung beim Zieleinlauf enthusiastisch: „Absolut unglaublich!“ Cram, inzwischen 65 Jahre alt, war Mittelstreckenläufer und der erste Mensch, der die 1500 Meter unter 3:30 Minuten lief. „So etwas habe ich noch nie gesehen. Was für ein Finish“, sagte er weiter, immer noch völlig aufgewühlt. „Man würde sagen, es ist unglaublich – aber wir haben es gerade selbst erlebt. Niemand von uns hätte das für möglich gehalten, schon gar nicht in London. Ich habe gesagt, ich würde nie jemanden einen Marathon unter zwei Stunden laufen sehen.“ Warum Cram London explizit erwähnt, sagte schon der deutsche Amanal Petros vor dem Rennen: „Die Strecke ist nicht so superschnell wie in Berlin oder beim Valencia-Marathon. Etwas hügeliger.“

Und dennoch: Sawe blieb mit seiner Siegerzeit 65 Sekunden unter dem bisherigen Rekord seines Landsmanns Kelvin Kiptum, aufgestellt 2023 in Chicago (2:00:35 Stunden). Nur wenige Monate später, im Februar 2024, war Kiptum bei einem Verkehrsunfall in seiner Heimat ums Leben gekommen. Der BBC sagte der neue Weltrekordhalter kurz nach dem Rennen: „Zuerst möchte ich mich bei den Zuschauern bedanken. Sie haben mich sehr unterstützt. Man fühlt sich so glücklich und stark und voller Tatendrang. Was ich heute erreicht habe, gilt nicht nur mir, sondern uns allen in London.“

Sawe sagte zudem: „Ich fühle mich gut. Ich bin so glücklich. Das ist ein unvergesslicher Tag für mich. Und ein Tag, an den man sich erinnern wird.“ Auf die Frage, ob er geglaubt habe, eine Zeit unter zwei Stunden laufen zu können: „Ja. Wir sind gut ins Rennen gestartet. Als ich mich dem Ziel näherte, fühlte ich mich stark. Ich erinnere mich, dass mein Mitstreiter einen sehr starken Vorsprung hatte. Ich glaube, er war es, der mir sehr geholfen hat. Als ich schließlich die Ziellinie erreichte, sah ich die Zeit und war total begeistert. Ich glaube, der heutige Tag zeigt mir viel, und ich bin so glücklich! Zum zweiten Mal nach London zu kommen, war mir sehr wichtig, und deshalb habe ich mich gut darauf vorbereitet.“

Sawe plagte sich im vergangenen Herbst noch mit einer Verletzung herum, stieg erst im Januar wieder ins Training ein – und entschied im Februar nach den ersten Eindrücken dann, dass er in London an den Start gehen wolle.

Er war 2023 Halbmarathon-Weltmeister und hatte im selben Jahr auch mit dem Team den Titel bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften gewonnen. Bei seinem Marathon-Debüt gewann er im Dezember 2024 in Valencia in 2:02:05 Stunden. Im April 2025 siegte er in London in 2:02:27 Stunden.

Im Oktober 2019 war Eliud Kipchoge zwar in Wien als erster Mensch in einem aufsehenerregenden Projekt einen Marathon unter zwei Stunden gelaufen (1:59:40 Stunden), allerdings unter „Laborbedingungen“: allein mit 41 Tempomachern, die regelmäßig ausgetauscht wurden. Bei den Wendepunkten entlang der 9,6 Kilometer langen Rundstrecke wurden außerdem kleine Steilkurven eingebaut und ein Elektroauto mit programmierter Geschwindigkeit gab das Tempo vor und spendete leichten Windschatten. Ein offizieller Weltrekord war Kipchoges Zeit deshalb nicht.

Petros verpasst seinen deutschen Rekord deutlich

Nach zuletzt herausragenden Leistungen – Silber nach einem dramatischen Fotofinish bei der Leichtathletik-WM in Tokio, deutscher Marathon-Rekord in Valencia, deutscher Halbmarathon-Rekord in Berlin – verpasste Amanal Petros dieses Mal eine Topzeit. Er lief wie gewohnt ein defensives Rennen und hielt sich lange in der Verfolgergruppe auf. Auf der ersten Hälfte lag er noch auf Kurs, um seinen deutschen Rekord zu brechen. Doch nach gut 25 Kilometern musste der 30-Jährige abreißen lassen und landete schließlich in 2:08:31 Stunden auf dem 15. Platz. Sein deutscher Rekord, aufgestellt im Dezember in Valencia, liegt bei 2:04:03 Stunden.

Bei den Frauen siegte Tigst Assefa aus Äthiopien in 2:15:41 Stunden. Damit blieb sie gerade mal 16 Sekunden über dem 23 Jahre alten Streckenrekord der britischen Lauflegende Paula Radcliffe.

Fitwi in Hamburg mit zweitschnellster deutscher Zeit jemals

Nicht nur in London, auch in Hamburg und Düsseldorf standen an diesem Sonntag große Marathonrennen auf dem Programm. In Hamburg sorgte Samuel Fitwi in starken 2:04:45 Stunden als Zweitplatzierter für den ersten deutschen Podestplatz seit Carsten Eich, der im Jahr 1999 ebenfalls Zweiter geworden war. Fitwis Zeit bedeutete zudem nicht nur persönliche Bestleistung, sondern ist die zweitbeste Marathon-Zeit, die jemals ein deutscher Athlet erzielt hat. 42 Sekunden blieb er über dem deutschen Rekord von Petros.

Den zweiten deutschen Sieg beim Hamburg-Marathon seit Jörg Peter 1991 verpasste der 30-Jährige knapp. Gewinner des Jubiläumslaufs wurde überraschend der Marokkaner Othmane El Goumri (2:04:24 Stunden).

Das Elitefeld der Männer mit dem deutschen Topläufer Samuel Fitwi (M) beim Marathon in Hamburg

Schon vor einer Woche beim Boston Marathon hatten zwei Deutsche überzeugt: Beim Sieg des Kenianers John Korir mit Streckenrekord von 2:01:52 Stunden war Ex-Europameister Richard Ringer nach einer starken Vorstellung auf den achten Platz gelaufen – in 2:04:47 und damit persönlicher Bestleistung. Hendrik Pfeiffer stellte als 17. in 2:06:34 Stunden ebenfalls einen persönlichen Rekord auf.

Russe gewinnt Marathon in Düsseldorf

Die anspruchsvolle Punkt-zu-Punkt-Strecke in Boston erfüllt jedoch nicht die nötigen Voraussetzungen für die Anerkennung von Rekorden – in Bestenlisten finden sich die Zeiten deshalb nicht wieder.

In Düsseldorf hatte unterdessen Dmitriy Nedelin mit einem neuen russischen Landesrekord überraschend das Rennen gewonnen. Der 34-jährige Russe erreichte die Ziellinie in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt nach 42,195 Kilometern in 2:08:54 Stunden und verbesserte damit den bisherigen russischen Marathon-Rekord von Alexei Sokolow, der 2007 beim Dublin Marathon 2:09:07 Stunden gelaufen war.

Zweiter in Düsseldorf wurde der Kenianer Samuel Kiplimo Naibei (2:11:44) vor seinem Landsmann Geoffrey Kimutai Koech (2:12:01). Als bester Deutscher kam der Düsseldorfer Kevin Kranz mit einer Zeit von 2:25:06 als 14. ins Ziel. Die für Frankfurt startende Nina Reuter lief als beste deutsche Frau in persönlicher Bestzeit von 2:29:30 auf Platz fünf. Der Sieg ging bei ihrem Europadebüt in 2:25:14 an die Kenianerin Tecla Jelimo Kibet.

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