Der kleine Bruder des Bayern-Bezwingers trainiert jetzt in München
Auch seine beiden Söhne musste er erst einmal aufrichten. Nach dem Ausscheiden des FC Bayern im Halbfinale der Champions League gegen Paris St. Germain spürte Vincent Kompany die enorme Enttäuschung auch innerhalb seiner Familie. „Es war sogar für die Kinder schwierig. Da musst du als Vater vorbeilaufen und sagen: Kommt, Jungs, frühstücken, Brot essen, es geht weiter“, berichtete der Trainer am Freitagvormittag.
Es gehe eben nicht nur um die Spieler, „es gibt viele Leute in unserem Umfeld, die diese Motivation brauchen, wieder neu anzugreifen. Die Fans brauchen das auch von uns. Wir wollen zeigen, dass es noch nicht vorbei ist. Es kann noch viel passieren in den nächsten zwei Wochen und auch danach.“
In der Bundesliga treten die Bayern an Samstag (18.30 Uhr, WELT-Liveticker) beim abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg an. Am 23. Mai treffen sie im Pokalfinale auf den VfB Stuttgart.
„Es ist normal, dass wir enttäuscht waren. Es ist ein ganz großes Ziel, das viel Kraft und Energie kostet, dahin zu kommen, wo wir waren. Aber ab dem nächsten Tag geht es für mich nur noch darum, was wir in der Zukunft erreichen können“, betonte Kompany nach dem bitteren Paris-Abend: „Das möchte ich so vorleben. Dafür nutze ich die Worte meines Kollegen Frank Schmidt: Es gibt noch andere Dinge im Leben – und man muss alles relativieren. Und ganz bald sind wir ja wieder in der Champions League, und dann werden wir wieder alles tun, um ins Finale zu kommen und es zu gewinnen. Dazwischen haben wir noch viele Pokale, die wir auch gewinnen können, und das ist auch eine große Motivation.“
Ändern die Bayern ihre Taktik?
Müssen die Bayern künftig vorsichtiger und defensiver spielen? Zuletzt bekamen sie viele Gegentore, gegen Paris waren es in zwei Partien sechs. „Wir in Belgien sind ähnlich pragmatisch veranlagt wie in Deutschland. Wir haben eine Rekordtordifferenz von plus 81. Für mich geht es darum, dass wir nicht verlieren, was uns stark macht“, sagte Kompany zu der Diskussion. Sein Team sei auf einem guten Weg. „Noch mehr zu gewinnen ist schwierig, weil wir sehr viel gewonnen haben.“
Kompany beobachtet in diesen Tagen einen Gastspieler im Training. Im verlorenen Halbfinale gegen Titelverteidiger Paris war Chwitscha Kwarazchelia herausragend. Der 25 Jahre alte Georgier erzielte beim 5:4 im Hinspiel zwei Tore für PSG, beim 1:1 im Rückspiel bereitete er den Treffer der Gäste durch Starstürmer Ousmane Dembélé mustergültig vor.
Kwarazchelias 16 Jahre alter Bruder Tornike weilt jetzt am Bayern-Campus, dem Nachwuchsleistungszentrum des Meisters.
Von den Bayern nicht zu bremsen: Chwitscha KwarazcheliaDer beidfüßige Tornike Kwarazchelia steht bei Dinamo Tiflis II unter Vertrag und ist wie sein berühmter Bruder Flügelstürmer. „Er ist ein junger Bursche. Er hat Talent. Ob er so gut ist wie sein Bruder, der herausragend ist, der ein Weltklassespieler ist, das wäre zu viel des Guten“, sagte Sportdirektor Christoph Freund: „Aber er ist ein talentierter junger Spieler. Da werden wir sehen, wie es weitergeht.“
„Ich weiß, wie es ist, wenn man um alles kämpft“
Am Ende der Pressekonferenz wollte Kompany ungefragt noch etwas loswerden, weil ihm bis dahin zu wenig über das Wolfsburg-Spiel gesprochen wurde. Man dürfe nicht unterschätzen, was in der Wolfsburg-Kabine passiere. „Wenn die Spieler von Wolfsburg und der Trainer von Wolfsburg sich diese Pressekonferenz anschauen: Genau das wollen die, dass wir entspannt dahin fliegen“, so der Trainer: „Aber keine Chance! Ich weiß, wie die Stimmung da ist. Ich weiß, wie es ist, wenn man um alles kämpft.“
Kompany spielte auf seine Zeit als Trainer des englischen Klubs FC Burnley an, mit dem er 2024 aus der Premier League abstieg. „Ich habe schon mal gesagt: Wenn man ums Überleben kämpft und das von den Mitarbeitern, dann ist da noch eine extra Energie. Das werden die haben in diesem Spiel. Und dass es ganz deutlich ist: Diese Spannung, die wir brauchen für dieses Spiel, die werden wir auch leben in der Vorbereitung. Und das ist jetzt die einzige Priorität.“
Kompany will auf keinen Fall, dass seiner Mannschaft oder ihm nach dem Spiel in Wolfsburg der Vorwurf gemacht werden kann, eine Partie nicht ernst genommen zu haben, die enorme Auswirkungen auf den Abstiegskampf haben kann.
Fehlen wird dem Bayern-Trainer sein Außenverteidiger Alphonso Davies. Der Kanadier fällt mit muskulären Problemen aus. Es ist in dieser Spielzeit bereits die dritte Verletzung dieser Art beim 24-Jährigen.
Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über den FC Bayern, die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke