Botswanas Präsident ruft Gesundheitsnotstand aus
Botswanas Gesundheitsversorgung ist zusammengebrochen. Die Ursachen für die Krise in dem Land im südlichen Afrika sind die Kürzungen der US-Entwicklungshilfe - sowie der Preisverfall auf dem Diamantenmarkt.
Arzneimittel, medizinisches Verbrauchsmaterial, personelle Ressourcen - in Botswana fehlt es an allem. Die Regierung hat nun die Reißleine gezogen. "Ich erkläre hiermit den nationalen Gesundheitsnotstand", sagte Präsident Duma Boko. "Das gibt mir die Vollmachten, um schnell die Entscheidungen für die medizinische Versorgung unseres Landes zu treffen."
Die Lage ist ernst in dem südafrikanischen Land. In vielen Krankenhäusern mangelt es an Medikamenten für Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Krebs. Auch die Versorgung von HIV-Patienten ist nicht mehr flächendeckend gesichert. Operationen werden verschoben.
Botswanas Gesundheitssystem lange vorbildlich
Gesundheitsminister Stephen Modise hatte die Krise Anfang August im Parlament öffentlich eingestanden. Sein Ministerium könne aktuell nicht mehr wie sonst alle medizinischen Leistungen anbieten.
Die Preise sind gestiegen, außerdem wachsen dem Ministerium die Ausgaben für outgesourcte Behandlungen über den Kopf - also für Dienstleistungen durch private Krankenhäuser, die von den staatlichen Gesundheitseinrichtungen nicht angeboten werden. Dabei geht es vor allem um Intensivpatienten oder chronisch Kranke. Der Etat für das laufende Jahr ist bereits aufgebraucht. "Die Patienten brauchen diese lebensrettenden Behandlungen aber. Es ist deshalb mehr Geld für die medizinische Betreuung und den Kauf von Arzneimitteln nötig", so der Minister.
Die medizinische Versorgung in Botswana galt lange als Vorzeigemodell auf dem afrikanischen Kontinent. Basisleistungen wie Impfungen oder HIV-Behandlung sind seit Jahrzehnten kostenlos.

Botswana ist einer der weltgrößten Diamanten-Produzenten. Die Wirtschaft des Landes ist stark abhängig von der Branche.
Abhängigkeit vom Diamantenmarkt
Die Ursachen dafür, dass das Geld jetzt nicht mehr reicht, sind unter anderem die Kürzungen bei internationalen Hilfsgeldern, allem voran der Zahlungsstopp der USA. Vor allem aber leidet Botswana unter dem Preiseinbruch im Diamantenhandel. Das Land gehört zu den weltweit größten Produzenten der Edelsteine und ist von der Branche extrem abhängig, weil es zu spät damit begonnen hat, seine Wirtschaft breiter aufzustellen.
Dazu kommen strukturelle Probleme. Die staatlichen Beschaffungs- und Verteilsysteme für Medikamente gelten als wenig effizient und anfällig für Fehler. Die Weltgesundheitsorganisation spricht in ihrem jüngsten Botswana-Bericht von einem "Gesundheitssystem in der Krise". Kritisiert wird unter anderem ein deutlicher Anstieg von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfällen und Diabetes sowie die schlechte Qualität von Gesundheitsdaten.
Die Opposition wirft der Regierung mangelnde Transparenz und fehlende Vorbereitung vor. Ganz offensichtlich habe die politische Führung des Landes Menschen mit chronischen Krankheiten schon abgeschrieben. Präsident Boko, der noch kein Jahr im Amt ist, hat mit Hilfe seiner Notstandsbefugnisse einen Fonds in Höhe von umgerechnet rund 300 Millionen Euro eingerichtet und die Vorschriften für die Beschaffung von Medizinprodukten gelockert.
Mangelernährung als Alltag
Die ersten Lastwagen mit Medikamenten und Verbandszeug sind laut Präsidialamt bereits auf dem Weg von der Hauptstadt Gaborone in entlegene Regionen. Die Verteilung wird von der Armee überwacht. Laut der zivilgesellschaftlichen Organisation BONELA, die sich für Menschenrechte im Gesundheitsbereich stark macht, leiden in dieser Krise wie so oft die Schwächsten.
Cindy Kelemi, die Direktorin der Initiative, sagte in einem Gespräch mit dem ARD-Studio für das südliche Afrika, betroffen seien vor allem jene, die keinen Zugang zur privaten Versorgung hätten und daher auf das öffentliche Gesundheitssystem angewiesen seien. "Es sind deshalb arme Bevölkerungsgruppen und Menschen mit Behinderungen, die die Hauptlast dieser Krise tragen."
Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF ruft dazu auf, schnell zu handeln. In der Stadt D'Kar im Westen Botswanas etwa gehöre Mangelernährung zum Alltag. Gesundheitsberater Phengo Nkamane sagte auf dem Kurzmitteilungsdienst X: "Das ist für uns eine große Herausforderung. Knapp 20 Prozent der Kinder, um die wir uns kümmern, sind unterernährt."
"Regierung hat zu spät auf Krise reagiert"
Der Verband der Krankenpflegerinnen und -pfleger in Botswana sieht das medizinische Personal im Stich gelassen. Es gebe weder Krisenmanagement noch konkrete Anweisungen, wie Patienten ohne lebenswichtige Medikamente behandelt werden könnten. Das sei für die Beschäftigten "mentale Folter".
Laut Bürgerrechtlerin Kelemi hat die Regierung zu spät auf die sich schon länger abzeichnende Krise reagiert. Die Ausrufung des Notstands hält sie zwar für richtig, aber nur für einen ersten Schritt. Wichtig sei jetzt, die Gesundheitsversorgung nachhaltig zu finanzieren.
"Die Regierung hatte zum Amtsantritt versprochen, ein Krankenversicherungssystem einzuführen, das einen gerechten Zugang zu medizinischen Leistungen ermöglicht. Sollte dieses Vorhaben solide finanziert und konsequent umgesetzt werden, könnte es allen Menschen eine angemessene Gesundheitsversorgung sichern." Unabhängig von sozialen oder wirtschaftlichen Faktoren.
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