Wie weit trägt der "Geist von Toulon"?
Gazpacho, Pesto und Wolfsbarsch: Kulinarisch war der deutsch-französische Ministerrat üppig, inhaltlich eher mager. Beide Seiten betonten eine gute Atmosphäre - das vielleicht wichtigste Ergebnis.
Eine Ehrenformation französischer Marinesoldaten begrüßte Bundeskanzler Friedrich Merz und das halbe Bundeskabinett auf einer Militärfestung an der Bucht von Toulon. Merz grüßte freundlich mit einem lockeren "Bonjour" in die Runde und erntete wohlwollendes Lächeln. Nachdem die Honneurs ausgetauscht waren, ging es zu einer eineinhalbstündigen Arbeitssitzung der beiden Kabinettsdelegationen.

Deutsch-Französischer Ministerrat verabredet engere Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern
tagesschau, 29.08.2025 20:00 UhrEs folgte ein Gruppenfoto inmitten von mediterranen Gartenpflanzen. Dazu passten Gazpacho, Pesto und gebackener Wolfsbarsch aus dem Mittelmeer beim gemeinsamen Arbeitsmittagessen. Danach beschäftigten sich die meisten Ministerinnen und Minister schon wieder mit ihren Rückflugplänen und überließen den beiden Chefs Merz und Macron die schwierige Aufgabe, die spärlichen konkreten Ergebnisse des deutsch-französischen Ministerrats zusammenzufassen.
Merz unterstrich die gute persönliche Beziehung zu Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Beiden teilten ihren Blick auf eine sich stark verändernde Welt, in der Europäer, aber vor allem Deutsche und Franzosen eng zusammenarbeiten müssten. Ein "klarer Blick für die Realität und der feste Wille, sie zu gestalten", das sei für ihn, Merz, der "Geist von Toulon" gewesen.
Schwächelnde Wirtschaft in beiden Ländern ein Thema
Diese offenbar gute Atmosphäre zwischen den deutschen und französischen Delegationen in der südfranzösischen Hafenstadt war wohl das wichtigste Ergebnis dieses deutsch-französischen Ministerrates. Denn ansonsten gab es nur einen ganzen Stapel an seitenlangen Grundsatzpapieren, sogenannten Roadmaps unter anderem zu Wettbewerbs- und Handelsfragen.
In beiden Ländern läuft die Wirtschaft nicht rund. Der Bundeskanzler wurde in Toulon von den sich verschlechternden deutschen Arbeitsmarktdaten einholt und machte das auch gegenüber den französischen Partnern gleich zum Thema: Die Zahl von über drei Millionen Arbeitslosen in Deutschland sei ein Beweis dafür, dass dringend Reformen des Arbeitsmarktes oder bei den Genehmigungsverfahren nötig seien.
Deutschland und Frankreich setzen sich auch für eine bessere europäische Abstimmung bei Digitalthemen ein. Für den 18. November haben beide Seiten zu einem Digitalgipfel nach Berlin geladen.
Macron greift Putin an
Die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine spielten in Toulon ebenfalls eine wichtige Rolle. Der französische Präsident griff sein russisches Gegenüber scharf an. Wladimir Putin sei ein Mann der entschieden habe, "in die Autokratie abzudriften und der einem revanchistischen Imperialismus" verfallen sei, der die internationalen Grenzen in Frage stelle.
Das Treffen an der französischen Mittelmeerküste wurde von der akuten Regierungskrise in Paris überschattet. Wegen der anstehenden Vertrauensfrage des französischen Premierminister Bayrou könnten einige der in Toulon anwesenden französischen Minister übernächste Woche schon nicht mehr im Amt sein. Der französische Präsident Macron präsentierte sich deswegen weiter als Garant für die deutsch-französischen Beziehungen. Er habe trotz der erneuten Regierungskrise keine Absicht, so Macron, vor Ende seiner Amtszeit 2027 abzutreten.
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